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Der Mann im Leuchtturm Roman von Valeur, Erik (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der Mann im Leuchtturm

Ein abgelegener Leuchtturm. Ein Mann, der vor seiner Vergangenheit flieht. Ein Verbrechen, das nie gesühnt wurde ...
Viggo Larssen verbringt sein Leben als Einsiedler in einem entlegenen Leuchtturm an der Küste Dänemarks. Als in Kopenhagen die Mutter zweier mächtiger dänischer Politiker aus ihrem Pflegeheim entführt wird, endet seine selbst gewählte Einsamkeit. Denn bald häufen sich die Anzeichen, dass das Verschwinden der alten Dame mit einem ungelösten Verbrechen in Viggos Kindheit zu tun hat. Dann taucht eine junge Frau bei Viggo auf, die ihm unangenehme Fragen stellt - und die Vergangenheit, der er glaubte, für immer entkommen zu sein, holt ihn mit aller Macht ein ...

Erik Valeur, Jahrgang 1955, ist Mitbegründer der dänischen Månedsbladet Press, arbeitete viele Jahre in Presse und Rundfunk und erhielt für seine journalistische Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, u. a. je zwei Mal den Cavling- und den Kryger-Preis. 2011 debütierte er mit "Das siebte Kind" als Romanautor und erhielt dafür im selben Jahr den renommierten und hochdotierten Debutantpris, den Literaturpreis der Zeitschrift Weekendavisen, 2012 den DR Romanprisen, den Harald-Mogensen-Preis und zuvorderst die Auszeichnung für den besten Spannungsroman der Skandinavischen Krimiakademie, den zuvor schon Bestsellerautoren wie beispielsweise Peter Høeg, Håkan Nesser, Stieg Larsson und Jussi Adler-Olsen erhalten hatten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641198916
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: Logbog fra et livsforlis
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Der Mann im Leuchtturm

KAPITEL 1

DER LEUCHTTURM AUF DER LANDSPITZE

Freitag, 2. Januar, Morgen

Als der Fall des rätselhaften Verschwindens der Witwe Blegman in den Medien so richtig hochkochte, wohnte ich bereits drei Monate und drei Tage in direkter Nachbarschaft von Viggo Larssen.

Das ganze Land war erschüttert und von einem kribbelnden Schrecken erfasst, wie es wohl typisch ist für eine Nation mit wachsendem Bedürfnis nach Wohlstand, Ruhe und Unbekümmertheit. Ein Land, das international immer wieder zum glücklichsten der Welt erkoren wurde und das diesen Sachverhalt gerade eben wieder mit dem größten Weihnachtsumsatz aller Zeiten bestätigt hatte. Auf ein Volk wie dieses wirken Katastrophen - ja schon die ersten Anzeichen davon - wie ein kalter Hauch aus der Unterwelt, eine schaurige, wiewohl willkommene Ablenkung im sonst so ruhigen Alltag.

Als ich mein windschiefes rotes Haus im Wald verließ und nach unten in die Senke lief, wo die Bäume weniger dicht standen, sah ich bald die Spitze des weißen Leuchtturms, der ganz vorn auf der Landzunge stand. Ich kann mich gar nicht sattsehen an der beängstigenden Neigung des Turms nach Ostsüdost, als wollten der Wind und die Brandung ihn auf den steinigen Küstenstreifen drücken, auf dem er erbaut wurde.

Die Senke hatte etwas von einem Fußabdruck, den ein Riese in dunkler Vorzeit hinterlassen hatte. Bis auf eine einsame Birke wuchsen dort aus unerfindlichen Gründen keine Bäume. Das beflügelte meine Fantasie; ich stellte mir einen gigantischen Nordweststurm vor, der das Wasser in Kaskaden über das Land geschleudert hatte und mit gewaltigen Wellen gegen die Küste angerollt war. Das Wasser hatte die geheimnisvolle Senke gefüllt und einen Salzsee in Form eines Fußabdruckes entstehen lassen.

Später hatte das Wasser sich wieder ins Meer zurückgezogen, aber der Fußabdruck hatte die Zeit überdauert. Seit meinem ersten Besuch hier nannte ich die Senke deshalb nur die Fußspur des Riesen.

Hier unten hatten sich die Reste urwaldähnlichen Gestrüpps gehalten, das tiefer in dem gerade einmal hundertjährigen Leuchtturmwald jedes Durchkommen unmöglich machte. Wenn der Dunst an einem frühen Vormittag vom Boden aufsteigt und sich wie ein weißgoldener Glorienschein über die Landschaft legt, wissen die Røsser - wie die Bewohner von Røsnæs sich nennen -, dass der Winter zu Ende geht und das Frühjahr nicht mehr aufzuhalten ist. Etwas später, wenn die Winde sich gelegt haben, schiebt sich ein ganz besonderer Lichtschein die Böschungen hoch, den die Ortsansässigen liebten und von dem sie jedem erzählten, der ihnen sein Ohr lieh. Ich glaube, jede Gegend hat so eine Geschichte über das Licht, die die Menschen stolz verinnerlicht haben und immer wieder zum Besten geben. Wenn die Sonne im Sommer dann wirklich die Oberhand gewinnt und die grauen Wolken und den Regen verdrängt, kommen Scharen von Naturliebhabern nach Ulstrup geradelt oder gewandert. Am Friedhof vorbei, dem kleinen Lebensmittelladen und über die schmale Landstraße bis zum Leuchtturm, wo sich die Wiesen nach rechts und links ausbreiten. In der welligen Landschaft können aufmerksame Wanderer die exotischsten Pflanzen entdecken, darunter die Echte Schlüsselblume, die Wiesenküchenschelle, das Gelbe Sonnenröschen, Steppenlieschgras und Knöllchensteinbrech. Wer ganz genau hinsieht, entdeckt vielleicht sogar seltene Schmetterlinge, wie das Kleine Wiesenvögelchen, den Braunen Feuerfalter oder den Zweibrütigen Würfeldickkopffalter. Auch die glockenartigen Rufe der kleinen Rotbauchunke sind hier zu hören, und über allem schweben Rotrückenwürger und Rothalstaucher. Im Herbst, wenn die Stürme und die heftigen Regenschauer wieder Löcher in die steile Böschung reißen, auf der mein Haus steht, sieht man häufig große Scharen von Zugvögeln auf ihrem Weg nach Süden.

Was die Bewohner der Halbinsel angeht, so glaube ich, dass sie zufrieden mit ihrem Leben hier sind, umgeben von Sand und Steinen, Wie

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