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Der Reisende Island Krimi von Indriðason, Arnaldur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.01.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Reisende

Ein Handelsreisender wird in einer Wohnung in der Innenstadt ermordet aufgefunden. Der gezielte Schuss in den Kopf, der ihn getötet hat, erinnert an eine Hinrichtung. Der Verdacht der Polizei fällt sofort auf die ausländischen Soldaten, die während der Kriegsjahre die Straßen Reykjavíks bevölkern. Thorson, kanadischer Soldat mit isländischen Wurzeln, und Flóvent von der Reykjavíker Polizei nehmen die Ermittlungen auf. Steht der Mord mit Spionagetätigkeiten auf Island in Verbindung? Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, ist der erfolgreichste zeitgenössische Autor Islands. Alle seine Kriminalromane erobern nach ihrem Erscheinen Platz 1 der isländischen Bestsellerliste. Sie werden in 40 Sprachen übersetzt und sind mit renommierten Krimipreisen aus aller Welt ausgezeichnet worden. Arnaldur Indriðason lebt mit seiner Familie in der Nähe von Reykjavík.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 26.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732549412
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: þýska húsið
    Größe: 564 kBytes
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Der Reisende

Eins

Vorsichtig steuerte die Súðin an den Fregatten und Zerstörern vorbei in den Hafen von Reykjavík. Wenig später gingen nach und nach die Passagiere von Bord, einige noch schwankend, froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Auf dem Weg über die Faxaflói-Bucht war das Schiff nach einer bis dahin ruhigen Fahrt in starken Südwestwind und Regen geraten und heftig hin- und hergeworfen worden. Die meisten waren unter Deck geblieben, wo es eng war und feucht von den nassen Kleidern der Leute. Ein paar wurden auf diesen letzten Metern zur Stadt noch seekrank, darunter auch Eyvindur.

Er war in Ísafjörður mit seinen beiden abgewetzten Reisetaschen an Bord gegangen und hatte den Großteil der Fahrt verschlafen, erschöpft von der Handelsreise. In den Taschen war Meltonian-Schuhcreme und Politur der Marke Poliflor. Außerdem hatte er Ansichtsexemplare eines Geschirrs dabei, das er in den Dörfern und auf den Höfen im Westen zu verkaufen versucht hatte: Teller, Tassen und Besteck aus Holland, die der Großhändler noch kurz vor Ausbruch des Kriegs importiert hatte.

Die Schuhcreme und die Politur hatte er einigermaßen gut verkaufen können, und er hatte sich auch bemüht, das Service anzupreisen, doch es schien, als stünde den Leuten in solch bedrohlichen Zeiten nicht der Sinn nach derartigen Dingen. Außerdem war es ihm diesmal schwergefallen, wirklich bei der Sache zu sein. Er war nicht in guter Verfassung und hatte einige Orte ausgelassen, die er sonst auf dieser Tour besuchte. Irgendwie mangelte es ihm an Überzeugungskraft, dieser beinahe religiösen Überzeugung, die - wie sein Großhändler immer betonte - für einen guten Verkäufer unabdingbar war. Und so kam er mit nur einer Handvoll Bestellungen zurück. Eyvindur hatte ein schlechtes Gewissen deswegen. Er hätte sich deutlich mehr ins Zeug legen können. Wusste, dass die paar Bestellungen, die er mitbrachte, die Vorräte des Großhändlers wohl kaum schmälern würden.

Als er sich vor einem halben Monat von Reykjavík aus auf die Reise gemacht hatte, war er völlig aufgewühlt gewesen, unter anderem deshalb war die Tour auch nicht so gelaufen, wie er es sich gewünscht hatte. Er hatte sich mit Vera zerstritten, nachdem er sie auf eine Sache angesprochen hatte, ungeschickt, wie er sein konnte, und das saß ihm die ganze Zeit über in den Knochen. Sie hatte sehr heftig darauf reagiert und ihn beschimpft, und er bereute seine Worte bereits, als die Súðin den Reykjavíker Hafen gen Westen verließ. Er hatte zwei Wochen Zeit zum Nachdenken gehabt, um sich eine Entschuldigung zu überlegen, obwohl er sich gar nicht so sicher war, ob er wirklich unrecht hatte. Doch ihre Reaktion war ihm ehrlich vorgekommen. Sie hatte gesagt, dass sie es kaum glauben könne, so etwas von ihm zu hören. Dann war sie in Tränen ausgebrochen und hatte sich eingeschlossen und geweigert, mit ihm zu reden. Eyvindur war drauf und dran gewesen, das Schiff zu verpassen, er hatte sich die Taschen mit der Schuhcreme, der Politur und dem holländischen Geschirr geschnappt und sich gewünscht, nicht Handelsreisender zu sein und so lange von zu Hause wegbleiben zu müssen, ohne zu wissen, was Vera in der Zwischenzeit tat.

Dasselbe dachte er auch noch, als er an Land sprang und in Richtung Stadtzentrum eilte. Er lief, so schnell er konnte, nach Hause, trotz seines jungen Alters beleibt und schwerfällig, die Fußspitzen leicht nach außen gedreht, in seinem Trenchcoat und in jeder Hand eine Tasche. Inzwischen regnete es noch stärker, und das Wasser rann von der Hutkrempe, lief ihm in die Augen und durchnässte Hose und Schuhe. Er stellte sich am Eingang der Apotheke unter und lugte um die Ecke zum Austurvöllur. Ein Trupp Soldaten marschierte über den Platz vor dem Parlamentsgebäude. Die amerikanischen Truppen lösten langsam die britischen ab. Vor lauter Amis und großen Trucks und Sandsackstellungen und Kanonenschnauzen und Militärjeeps konnte man in Reykjavík kaum n

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