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Der Ring des Kardinals von Ortega, Manuel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.12.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Der Ring des Kardinals

'Er war hier - er nahm den Ring', das sind die letzten Worte, die Kardinal Medina Sidonia zu sagen vermag, bevor er stirbt. Es ist ein unheimlicher Tötungsfall, der sich im September 1914 in Sevilla ereignet und die Aufmerksamkeit vom beginnenden Ersten Weltkrieg ablenkt. Um ihn aufzudecken bedarf es einer Super-Spürnase, die sich in dem eleganten Rechtsanwalt Dr. Velasco findet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 196
    Erscheinungsdatum: 25.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711446140
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1504 kBytes
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Der Ring des Kardinals

1. Kapitel.

Es war die sechste Abendstunde, die soeben die grosse Glocke der gewaltigen Kathedrale von Sevilla verkündet hatte. Leise zitterte ihr dumpf verhallender Ton über die Plaza Prim hin, an deren Ostseite die "Casa Ororjo", ein vielbesuchtes kleines, besonders von den gewählten Herrenkreisen der Stadt bevorzugtes Café liegt, das jene im Süden Europas häufig vorkommende Verbindung von Kaffeehaus und Speisewirtschaft darstellt.

Die vor dem Café aufgestellten Tisch- und Stuhlreihen waren schon dicht besetzt, denn es war die Stunde, in der man eine appetitanreizende Erfrischung in Gestalt irgend einer hellfarbigen Limonade, eines Eises oder eines Kaffees mit Sirup zu sich nahm und in der man sich traf, um seine Bekannten zu sehen, um Neuigkeiten zu hören, seine Meinungen auszutauschen, zu spielen und vor allen Dingen Zeitungen zu lesen, eine Beschäftigung, welche in den ersten Wochen des Septembermonats 1914 eine Sache von äusserster Wichtigkeit war.

Beamte, Offiziere, Kaufleute, Börsianer, Journalisten, Künstler und berufsmässige Nichtstuer, die ihre Zeit mit Spiel, Stadtklatsch und Strassenbummeln verbrachten, trafen sich täglich, womöglich mehrere Male, in der "Casa Ororjo". Das Austauschen von persönlich Wichtigem und Nichtigem war seit Monatsfrist durch die gewaltigen Ereignisse des Weltkrieges völlig in den Hintergrund gedrängt worden und zwar so stark, dass nicht einmal das grösste Stiergefecht des Jahres in dem ungeheuren Amphitheater - der grössten Kampfarena der iberischen Halbinsel, welches mehr als 20 000 Personen fasst - vermochte, sich wie sonst in den Vordergrund der Interessen zu drängen.

"Ach ja," seufzte an einem kleinen Tische, an welchem drei Herren sassen, ein untersetzter, sehniger Mann von echt andalusischem Aussehen, der kokett eine dunkelrote Rose zwischen den Zähnen festgeklemmt hielt und dessen Handbewegungen etwas Weiches und Anmutvolles hatten, "meine Herren, es kommt für uns Espádas sicher noch eine böse Zeit. Dieser entsetzliche Krieg wird uns eines Tages noch alle recht nervös machen, denn niemand hat mehr Interesse für unsereinen. Statt dass jetzt unsere Zeitungen ein bisschen Reklame auch für meine Wenigkeit machen, bringen sie die Bilder des Herrn Joffre und des Kronprinzen von Luxemburg."

"Sie irren, teuerster Espáda," warf lachend Dr. José Velasco, ein eleganter Mann von geschmeidigem Körperbau ein, dessen grosse, dunkle Augen unruhig hin und her blickten; "Luxemburg hat nämlich eine Grossherzogin als Regentin, die unverheiratet ist. Sie aber meinen das Bild des Kronprinzen von Bayern, der den grossen französischen Vorstoss auf Metz im August abgeschlagen hat. Lieber Escamillo, das ist nun einmal die leidige Gewohnheit der lieben Weltgeschichte, dass sie auf Privatangelegenheiten keinerlei Rücksicht nehmen kann."

"Caramba - recaramba, das weiss ich, lieber Doktor," gab mit unverhohlenem Aerger der beliebte Stierkämpfer Escamillo XII., mit dem Beinamen "der Schöne", zurück. "Uebrigens ist Metz inzwischen schon lange von den Franzosen erobert worden und die Engländer stehen seit vorgestern vor Hannover."

"Das ist ja alles Unsinn, mein verehrter Freund," rief Doktor Velasco und runzelte dabei die Stirn. Er wollte gerade noch etwas hinzusetzen, als eine Anzahl über die Plaza heranstürmender Zeitungsverkäufer, die um die Wette ihre Abendblätter ausriefen, die Aufmerksamkeit der Leute auf sich lenkte.

"Kurier! - Abendblatt! - Presse! - Nachrichten! - Eilbote! - Kaufen Sie, meine Herren, grosser Sieg des Generalissimus Joffre! Die Deutschen auf der ganzen Linie auf der Flucht! Der Kronprinz von Preussen bei Nancy gefangen genommen! Die Russen vor Breslau! Glänzender Sieg der französischen Offensive! -"

"Hierher! - Schnell! Mir ein Blatt, mir auch - famos! Grossartig! - Alles dummes Zeug! Schwindel! Börsenmanöver - Lügen der Havas-Reuterdepeschen, das kennen wir!" So scholl es laut durcheinander, als die einzelnen noc

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