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Der Teufel des Westens Kriminalroman von Schneider, Bernward (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2017
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Der Teufel des Westens

Man schreibt das Jahr 1936 und in Deutschland sind die Nationalsozialisten an der Macht. Im ¯Mandarin®, einer Bar des Berliner Westens, begegnet der Anwalt Eugen Goltz der sch"nen Irene Varo, einer Frau ohne Moral, die bei der Verfolgung ihrer Interessen keine R cksicht kennt. Auf der Suche nach einer verschwundenen Freundin verstrickt sich Goltz immer tiefer in die Fangnetze von Irene und ihren Mordgesellen, und am Ende weiá er nicht mehr, ob er ein Opfer des B"sen oder selbst ein Teufel geworden ist. Bernward Schneider, Jahrgang 1956, studierte Jura in Marburg und ist seit 1986 in Hildesheim als Rechtsanwalt t"tig, von 1991 bis 1994 arbeitete er zudem in Berlin-K"penick. Mit seinen historischen Berlin-Krimis ist er einer breiten Leserschaft bekannt geworden. Der Kriminalroman ¯Der Teufel des Westens® ist der vierte Band seiner erfolgreichen Eugen-Goltz-Reihe. Der Autor ist Mitglied des Vereins Hildesheimliche Autoren e. V. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Produktinformationen

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Der Teufel des Westens

1. Kapitel

Unvermutet beschlich mich das Gefühl, in eine Falle gelockt worden zu sein. Hinter den Lichtkegeln der Laternen, auf die ich durch die Windschutzscheibe meines Wagens blickte, war alles dunkel. Zu meiner Linken lag der Landwehrkanal. Sein Wasser schimmerte tückisch, wie stets in der Nacht. An dem hohen Gebäude zu meiner Rechten, vor dem ich mit laufendem Motor gehalten hatte, war kein Licht zu erkennen, auch nicht oben hinter den Fenstern von Lenis Wohnung.

Langsam rollte ich wieder an und sah im Weiterfahren, dass das Gitter des Tors, welches auf den Hinterhof des Gebäudes am Tirpitz-Ufer führte, offen stand. An der nächsten Straßenecke bog ich ab, fuhr an den Bordstein und stieg aus dem Wagen.

Mit hochgeschlagenem Mantelkragen, der mich davor schützen sollte, erkannt zu werden, schritt ich auf dem Bürgersteig zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Unter dem finsteren Torbogen hindurch gelangte ich ans Ende der gepflasterten Einfahrt. Hohe Mauern ragten ringsherum wie steinerne Skelette in den schwarzen Himmel hinauf. Eine Hofbeleuchtung brannte nicht.

Die Finsternis brachte die Umrisse der größeren Gegenstände auf dem Gelände nicht völlig zum Verschwinden. Ich erkannte zwei Autos, die auf dem Hof geparkt waren, das eine stand nahe an dem Haus. Irgendwo dort in der Nähe musste sich der Hintereingang befinden.

Langsam bewegte ich mich auf das Gebäude zu.

Es war ein Mercedes 130, der bei der Mauer stand, Lenis Auto, von dem ich wusste, dass sie es von ihrem geschiedenen Mann, einem reichen Autohändler, bekommen hatte. Die Wohnung im obersten Stockwerk hatte sie auch von ihm. Alimente bekam sie keine, sie verdiente als Tänzerin ihr Geld.

Die Stille um mich herum schien mein Missbehagen Lügen zu strafen, trotzdem blieb ich stehen. Irgendjemand schien mich zu belauern, Schatten vor den drohenden Mauern. Leni war keine Frau, die es einem leicht machte, ihr zu vertrauen.

Ihr rätselhafter Anruf lag noch keine halbe Stunde zurück. Sie hatte mir nicht gesagt, was sie zu dieser mitternächtlichen Stunde von mir wollte, nur dass es eilig sei und mich besser niemand sehen sollte, wenn ich das Gebäude von hinten betrat. Die Sache war eher unheimlich als geheimnisvoll.

Aus der Dunkelheit der Septembernacht traten plötzlich die Umrisse einer Gestalt hervor. Eisige Kälte griff nach mir. Die Person hatte hinter dem Mercedes gestanden. Sie kam näher und um das Fahrzeug herum, dann erkannte ich sie, und der Schreck verschwand.

"Endlich bist du da", sagte Leni leise.

Sie trug einen Mantel und hielt dessen Kragen mit den Händen zusammengedrückt, um den nackten Hals vor der kühlen Witterung zu schützen. Sie hatte halblange, blonde Haare, ein schmales Gesicht und schön geschnittene dunkelblaue Augen. Ihre anmutigen bloßen Unterarme sprangen hell aus den Ärmeln des Mantels hervor. Sie war ein reizendes Geschöpf, ein quälend reizendes Geschöpf, und das war auch der tiefere Grund, weshalb ich mich sofort auf den Weg gemacht hatte, als sie mich am Telefon zu sich gerufen hatte. Ich hatte ein Wiedersehen mit ihr herbeigesehnt, doch nun, da es soweit war, hielt sich meine Freude in Grenzen. Nichts war umsonst, dachte ich; eine Frau wie Leni hatte ihren Preis.

"Ich stecke in einer schlimmen Sache drin", raunte sie mir zu und gab mir einen flüchtigen Kuss.

"Bei dir rechne ich immer mit dem Schlimmsten."

Sie warf mir einen warnenden Blick zu. Eine Weile durchforschten ihre Augen die Dunkelheit hinter mir, als sei sie unschlüssig, wie sie sich weiter mir gegenüber verhalten sollte.

"Umso besser", sagte sie und zwang sich zu einem Lächeln. "Mach dich trotzdem auf einiges gefasst."

Durch den Kellereingang kamen wir in das Innere des Gebäudes. Es war das erste Mal seit drei Jahren, dass ich das Haus am Tirpitz-Ufer betrat. Damals hatte das Tirpitz-Ufer noch Königin-Augusta-Straße geheißen.

Der geräumige

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