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Der Vulkanteufel von Braem, Harald (eBook)

  • Erschienen: 24.11.2014
  • Verlag: Zech
eBook (ePUB)
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Der Vulkanteufel

Urlaub machen, Arbeit und Alltag vergessen - das wollte der junge Bibliothekar Frank Richter auf der Kanareninsel La Palma. Doch dann ereignen sich rätselhafte Unfälle und Selbstmorde, Touristen verschwinden spurlos... Handelt es sich um mysteriöse Ritualmorde? Menschenopfer im Schatten des großen Vulkans? Frank Richter und seine Freunde gehen der Sache auf den Grund: Einst gab es hier ein Volk, schon lange vergessen, dessen Kulte plötzlich wieder aufleben... Das Szenario eines möglichen Vulkanausbruchs auf La Palma. Harald Braems fantastischer Roman lässt Gegenwart und Vergangenheit zu einer eigenen Wirklichkeit verschmelzen und wirft gleichzeitig ein Schlaglicht auf die Probleme unserer Zeit. Verfilmt als 'Der Feuerläuer'.

Harald Braem, Jahrgang 1944, ehem. Professor für Design und Kommunikation in Wiesbaden, ist Direktor des Kult-Ur-Instituts für interdisziplinäre Kulturforschung, Autor zahlreicher Bücher und langjähriger Kanarenkenner. Er verfasste Romane, Erzählungen, Sach- und Kinderbücher sowie Filmbeiträge. Im Zech Verlag sind außerdem von Braem erschienen: Tanausú, König der Guanchen, Auf den Spuren der Ureinwohner, Tod im Barranco und Der Kojote im Vulkan.

Produktinformationen

    Größe: 482kBytes
    Herausgeber: Zech
    Untertitel: Kanaren-Thriller
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 370
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9788494150159
    Erschienen: 24.11.2014
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Der Vulkanteufel

1 Grüne Insel

Schemenhaft schleichen Gestalten an bröckligen Terrasenmauern entlang, die ausgetretenen Stufen des alten Weges hinauf in die Berge. Das trockene Rascheln von Bananenblättern überdeckt ihre Schritte. Ein Nachtvogel schreit, es klingt, als weine ein Kind im Schlaf. Warm ist der Atem der Nacht. Riesige Kakteen recken die Arme. Wolken vor der fahlen Scheibe des Mondes, der nur für kurze Augenblicke aus dem Dunkel des Himmels grinst. Oben am Steilhang der Schlucht, aus der launisch der Wind springt, ragt der Stein, der Seelenstein mit dem gravierten Muster. Ein tätowiertes Gesicht, verwittert, aus uralten Zeiten. Menschen davor sitzen im Kreis, doch ohne ein Feuer. Diese Nacht verträgt keinen Lichtschein. Schweigen bei jeder Bewegung. Sie wissen auch so, was zu tun ist. Tastende Hände, ein Messer. Den Stein darf niemand berühren. Kiefernzweige werden zu Stangen geschnitzt. Nacheinander treten die Gestalten an den Rand der Schlucht, schleudern ihre Speere in schwarze Unendlichkeit. Vielleicht treffen sie, wenn es gutgeht, das Unbenennbare... Jetzt zerrt jemand die Ziege am Strick herbei. In Vorahnung des Kommenden meckert sie schrill auf. Warum heute, warum ausgerechnet in dieser Nacht?

Grobe Hände. Das Messer. Es fährt seitlich in den Hals des Tieres, vollzieht eine Kurve quer durch die Kehle. Noch bevor das Opfertier in die Knie bricht, wird der Körper herumgeworfen. Eine Schale fängt das warme Blut auf. Nacheinander tauchen alle ihre Hände hinein. Die Gravur im Stein wird bestrichen, das Muster nach langer Zeit wieder aufgefrischt. Gierig trinkt der Stein. Er braucht Blut. Einer der Männer schleift den leblosen Körper der Ziege zum Abhang und stößt ihn in die Schlucht. Mit angehaltenem Atem lauschen seine Begleiter. Nichts, nur nachpolterndes Geröll. Es ist, als hielte der Wind einen Moment lang inne. Dann fährt er aufs Neue heulend auf, rüttelt im Haar. Er ist warm, warm wie das Blut. Und ein paar Fetzen Musik trägt er heran, die er unten im Hafen von Tazacorte eingefangen hat, wo eine Schar ausländischer Touristen im Restaurant Playamont zecht. Dann wieder Stille.

"Vamos", sagt einer der Männer endlich. Seine Stimme klingt rauh, er muss sich freiräuspern. Die anderen nicken. Stumm gehen sie auseinander, und der Wind trocknet den roten Stein...

Der Bibliothekar Frank Richter träumte im Himmel. Etwa 10.000 Meter über dem Atlantik lagerte er - mit geöffnetem Hemdkragen und vom zweiten Becher Cola mit Rum angenehm entkrampft - im Polster des Flugzeugs und ließ mit seltsam leichtfallender Selbstironie sein bisher reichlich verpfuschtes Leben Revue passieren.

Mit knapp 36 Jahren bereits eine gescheiterte Ehe, ein Kind, das er nur selten zu sehen bekam und das ihm daher zunehmend entfremdet wurde, und eine Geliebte, mit der es auch nicht so recht klappte. Jedenfalls stritten sie sich dauernd, selbst über Kleinigkeiten. Was hatte sie ihm nach dem letzten Krach (und der anschließenden halbherzigen Versöhnung) an den Kopf geworfen? "Irgendwie tickt es bei dir nicht richtig. Kein Wunder bei deinem Job. Wenn ich mich jeden Tag hinter Bücherbergen verkriechen würde wie du, wär' ich auch verhaltensgestört. Du bist reif für die Insel, mein Lieber, und das mein' ich mit vollem Ernst. Besser, wir gehen erst mal ein bisschen auf Abstand, bis du wieder klar im Kopf bist." Peng. So war Ute.

Dabei lag sie mit dem, was sie von seinem Job hielt, eigentlich gar nicht so falsch. War schon frustrierend, von morgens bis abends in der Hochschulbibliothek zu hocken, für die Kontrolle der Ausleihzeiten zuständig zu sein und für den Ersatz von geklauten Büchern. Verdunstungsquote. Wo doch der Etat sowieso gekürzt worden war und das Damoklesschwert weiterer Kürzungen über einem schwebte. Ständig Anträge, Papierkram. Da blieb wenig Zeit für die interessanten Dinge, frustrierend wenig, zumal insgeheim das Wunschbild eines Universalgenies in ihm schlummerte.

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