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Der Zorn der Einsiedlerin Kriminalroman von Vargas, Fred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.10.2018
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Der Zorn der Einsiedlerin

'Vargas schreibt die schönsten und spannendsten Krimis in Europa.' Tobias Gohlis, DIE ZEIT
Im Süden Frankreichs sterben mehrere Männer - angeblich sind sie dem Biss der Einsiedlerspinne zum Opfer gefallen. Allerdings reicht das Gift einer einzigen Spinne nicht aus, um einen Menschen zu töten. Adamsberg und sein Team von der Brigade Criminelle des 13. Pariser Arrondissements ermitteln. Seine Nachforschungen führen den eigenwilligen Kommissar zu einem Waisenhaus bei Nîmes und zu einer Gruppe von Jungen, die dort in den 1940er-Jahren lebte. Und plötzlich erscheinen die Todesfälle, die bislang nicht als Morde betrachtet wurden, in einem anderen Licht ...

Fred Vargas, geboren 1957, ist ausgebildete Archäologin und hat Geschichte studiert. Sie ist heute die bedeutendste französische Kriminalautorin mit internationalem Renommee. 2004 erhielt sie für "Fliehe weit und schnell" den Deutschen Krimipreis, 2012 den Europäischen Krimipreis für ihr Gesamtwerk und 2016 den Deutschen Krimipreis in der Kategorie International für "Das barmherzige Fallbeil".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 29.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641223137
    Verlag: Limes
    Originaltitel: Quand sort la recluse
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Der Zorn der Einsiedlerin

4

Maître Carvin war ein kaltblütiger Mensch, weder ungeduldig noch cholerisch, und als Lamarre und Kernorkian zu ihm in die Kanzlei kamen und ihn mitten in der Arbeit unterbrachen, um ihn in die Brigade mitzunehmen, bat er sie, fünf Minuten zu warten, damit er eine Seite beenden konnte, dann folgte er ihnen widerstandslos.

"Worum geht es diesmal?", fragte er.

"Der Kommissar", begann Kernokian zu erklären.

"Oh, der! Er ist also zurück? Ich habe so einiges über ihn gehört."

"Er will Sie sehen, Sie und Nassim Bouzid."

"Vollkommen normal. Ich bin bereit, ihm Rede und Antwort zu stehen."

"Ich glaube gar nicht mal, dass er mit Ihnen reden will, er will im Auto mit Ihnen eine Runde fahren."

"Was schon nicht mehr ganz so normal ist. Aber ich nehme an, er weiß, was er tut."

Adamsberg hatte in seinem Büro zu Mittag gegessen und dabei noch einmal den Bericht gelesen, den er auf dem Flughafen von Reykjavík erhalten hatte. Er las wie üblich im Stehen, in dem kleinen Raum auf und ab gehend. Der Kommissar arbeitete selten im Sitzen, wenn es sich denn vermeiden ließ. Und während er las, wobei er jedes Wort leise vor sich hin murmelte - was seine Zeit brauchte -, konnte er nicht verhindern, dass Voisenets kleine Spinne ihm durchs Gemüt lief, immer von links nach rechts. Sie lief sehr bedächtig, wie um nicht bemerkt zu werden, um nicht zu stören. Aber stören tat sie bereits, seit Adamsberg wusste, dass sie durch Froissys Talent nun auch in seinem eigenen Rechner wohnte. Er legte den Bericht auf den Tisch und schaltete den Bildschirm ein. Lieber gleich wissen, was es mit dieser Spinne auf sich hatte, dann sollte sie sich aus dem Staub machen. Lieber gleich wissen, was Voisenet mit diesem Tierchen im Sinn hatte, selbst heute Morgen noch, als er doch voll auf die bevorstehende Versammlung hätte konzentriert sein müssen wie auch auf das Problem mit seiner vor sich hin gammelnden Muräne. Warum also hatte er dennoch ein weiteres Foto der Einsiedlerspinne aufgerufen?

Immer noch im Stehen öffnete er die Datei, die Froissy ihm auf seinen Rechner überspielt hatte, und sah sich die Vorgeschichte an: Schon seit achtzehn Tagen beobachtete der Lieutenant seine Spinne. Heute Morgen hatte er die wichtigsten Lokalzeitungen des Departements Languedoc-Roussillon durchgesehen und erneut verschiedene Diskussionsforen zum Thema überflogen. In denen wurde ziemlich erbittert über die zurückgezogen lebende Spinne debattiert. Da trafen die Ängstlichen, die angeblichen Kenner, die Pragmatiker, die Umweltschützer, die Panikmacher aufeinander. Voisenet hatte sogar noch Nachrichten aus dem vergangenen Sommer hochgeladen, wo in derselben Region sechs nicht tödliche Bisse von Einsiedlerspinnen Panik gesät hatten bis hinauf in einige überregionale Wochenzeitungen. Und das alles, weil ein von irgendwoher aufgetauchtes Gerücht seinen üblen Atem verbreitete: War die Braune Einsiedlerspinne aus Amerika in Frankreich angekommen? Die nämlich galt als gefährlich. Wo hielt sie sich auf, und wie zahlreich war sie? Es gab ein maßloses Geschrei, bis eine seriöse Forscherin auf den Plan trat und dem Ganzen ein Ende setzte: Nein, die amerikanische Spinne hatte sich in Frankreich nicht blicken lassen. Eine ihrer Verwandten hingegen hatte hier schon immer gelebt, im Südosten des Landes, und sie war nicht giftig. Zumal sie, von Natur aus ängstlich und nicht aggressiv, zurückgezogen in ihrem Loch lebte und das Risiko, mit einem menschlichen Wesen zusammenzutreffen, daher eher selten war. Um die aber handelte es sich, um keine andere, Loxosceles rufescens - den Namen konnte Adamsberg nicht mal murmelnd aussprechen.

Bis im Frühjahr besagte kleine Spinne zwei alte Männer biss. Aber diesmal starben die Gebissenen daran. Diesmal also hatte die Einsiedlerin sehr wohl getötet. Die Tode, so meinten einige, seien allein dem hohen Alter der Opfer geschuldet. Darüber war eine Polemik en

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