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Die einsamen Toten von Booth, Stephen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2015
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)

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Die einsamen Toten

'Der kleine Ort Withens im englischen Peak District scheint das Unglück anzuziehen. Diebstahl, Vandalismus und soziale Schwierigkeiten prägen das Leben des Dorfes. Als ein junger Mann umgebracht wird, stößt Detective Constable Ben Cooper bei seinen Ermittlungen auf eine schier unüberwindliche Mauer des Schweigens. Denn die Vergangenheit wirft ihre Schatten auf die Gegenwart - nicht nur für die Bewohner der Gegend, sondern auch für Ben Cooper und seine Vorgesetzte Dianne Fry ... ''England ist eine glückliche Insel, wenn auf ihr immer noch solche Krimiautoren wachsen.'' Frankfurter Rundschau ''Fesselnd und atmosphärisch dicht.'' Booklist '

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 639
    Erscheinungsdatum: 11.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955307790
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 918 kBytes
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Die einsamen Toten

1 Freitag
S obald er die Tür öffnete, konnte er das Schreien hören. Es zerriss die feuchte Luft und verfing sich in den Eiben, ehe es von den Grabsteinen als Echo zurückgeworfen wurde und an den Mauern erstarb. Es hörte sich an wie ein Tier, das unter Schmerzen verendete. Aber dieser Laut war menschlich. Mit jedem Atemzug schien Derek Alton dieses Geräusch in seine Lungen zu saugen, bis aus seinem tiefsten Innern ein Antwortschrei nach oben stieg. Das asthmatische Keuchen seiner entzündeten Atemwege war so schrill, dass seine Ohren zunächst nicht lokalisieren konnten, woher das Geräusch kam, sondern es zunächst als einen Laut identifizierten, welcher der ihn umgebenden Luft zu entströmen schien. Doch der Schmerz im oberen Teil seines Brustkorbs sagte ihm, woher das Geräusch kam. Und Alton wusste auch, woher das Schreien kam. Mit zitternden Fingern klopfte er den Staub von seinem Ärmel. Sein Kragen klebte an seinem vor Anstrengung schweißnassen Hals, und ein paar Haarsträhnen waren ihm in die Stirn gefallen, wo sie wie ein Kranz aus Stacheldraht auf seiner Haut lagen. Alton rieb über einen frischen Kratzer an seinen Fingerknöcheln, verschmierte aber nur Blut auf seinem Handrücken. Auch im Mund hatte er einen Geschmack nach Staub - nach altem Staub, dem Schutt vieler Jahre, den ein Akt willkürlicher Gewalt heraus an die Luft befördert hatte. Der Schrei erinnerte Alton an den Todesschrei einer Ratte, den er einmal gehört hatte. Ein Terrier hatte sie aus ihrem Nest in einer Scheune vor den Spaten eines Bauern gescheucht, der ihr damit das Rückgrat gebrochen hatte. Mit letzter Kraft hatte die sterbende Ratte laut gequiekt, noch ein wenig mit den Vorderbeinen gezappelt und die bleichen Krallen in die trockene Erde geschlagen. Alton lauschte, ob er noch weitere Geräusche hörte. Zuerst waren nur das Raunen des Windes in den Eiben und das Tropfen des Regenwassers im Efeu an den Kirchenmauern zu hören. Doch allmählich begann er, dahinter einen weiteren Laut zu unterscheiden - ein rhythmisches Klopfen, das in einem Raum widerhallte, der weit hinter den ersten Häusern auf der Straße nach Withens lag. Eine Art rituelles Trommeln, das sich, immer schneller werdend, überschlug und dabei mehrfache Klangschichten erzeugte. Alton fröstelte, als er die unterschwellige Drohung darin erkannte, die von Tod und Verderben kündete. Dann war irgendwo im Dorf plötzlich Gelächter zu hören, gefolgt vom Knallen einer Tür. Eine Frauenstimme rief etwas, das Alton nicht verstehen konnte. Es war nur ein Satz, ungefähr sechs Wörter, und dann war die Stimme wieder weg. In der Ferne lockte ein Mutterschaf seine Lämmer an den Hängen des Withens Moor, dort, wo die Freilandherden noch immer zwischen Heidekraut und Torfmoor auf ihrem angestammten Territorium weideten. Alton hatte das Withens Moor gesehen. Auch Black Hill und Hey Moss. Und er wusste, dass die Moore am Sterben waren. Den ganzen Tag über hatte Derek Alton an nichts anderes als an den Tod gedacht. Mit einem Ruck war er im Morgengrauen erwacht, voller Angst, er könnte Caroline mit seinen Albträumen gestört haben. Aber als er die Augen aufschlug und auf den schwachen Lichtschein starrte, der durch die Vorhänge fiel, erkannte er, dass sein Geist wie ein Pendel hin und her geschwungen war zwischen den Dualitäten Dunkelheit und Licht, Winter und Frühling, Tod und Erneuerung. Vielleicht hatte er an das nahende Ende des Winters und die ersten Vorboten des Frühjahrs gedacht. Aber er war sicher, vor allem an den Tod gedacht zu haben. Alton hörte Schritte, die durch den Mittelgang der Kirche näher kamen. Es gab keine Teppiche in St. Asaph, und der Besucher trug schwere Arbeitsschuhe, die laut über die Steinplatten auf dem Boden polterten. Er drehte sich zum Hauptschiff um, blinzelte und versuchte, die Gestalt auszumache

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