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Die Essenz des Bösen Kriminalroman von Parsons, Tony (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Essenz des Bösen

Für Detective Max Wolfe ist es die dunkelste Stunde seines Lebens: Nur mit Glück überlebt er einen Terroranschlag auf ein Einkaufszentrum, bei dem fünfundvierzig andere Menschen sterben. Eine Woche später ist die Londoner Polizei den Tätern auf der Spur, aber der Einsatz läuft aus dem Ruder. Die Drahtzieher des Anschlags, zwei Brüder, werden bei der Festnahme erschossen. Doch für viele Londoner ist die Sache damit noch nicht beendet. Angestachelt von Fanatikern wächst ihre Wut und richtet sich gegen die Familie der Terroristen. Max hat alle Hände voll zu tun, sie zu beschützen. Das macht ihn selbst zur Zielscheibe. Genau wie seine kleine Tochter und die Frau, die er liebt ... Tony Parsons begann seine Karriere als Musikkritiker. Heute ist er einer der erfolgreichsten Kolumnisten und Fernsehjournalisten Großbritanniens und gehört zu den ganz großen Stars der englischen Literaturszene, denn alle seine Romane schafften es auf die nationalen und internationalen Bestsellerlisten. Er lebt mit seiner Frau, ihrer gemeinsamen Tochter und ihrem Hund Stan in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 349
    Erscheinungsdatum: 21.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561353
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Max Wolfe .5
    Originaltitel: Girl on Fire
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Die Essenz des Bösen

1

Ich wachte auf, und die Welt war nicht mehr da.

Alles war still, alles war schwarz. Mich umgab eine Dunkelheit, so umfassend, als wäre der Welt sämtliches Licht ausgesaugt worden.

Überall war Staub. Er hing dick in der Luft, heiß und schmutzig, der Staub eines frisch ausgehobenen Grabes. Und ein merkwürdiger Regen fiel - ein Regen aus Stein, aus den Bruchstücken zerschmetterter Dinge, die ich nicht benennen konnte. Die Zerstörung war überall. In meinen Augen, in meinem Mund, in meiner Nase und in meinem Rachen.

Ich lag flach auf dem Rücken, und unvermittelt raubte die Verwüstung mir den Atem.

Als ich mich hochstemmte und den seltsamen Staub aushustete, spürte ich ihn auch an meinen Händen und in meinem Gesicht.

Leer blickte ich in die pechschwarze Stille. Jetzt erst bemerkte ich die Hitze, und mich durchlief schieres Entsetzen. Ganz in der Nähe musste ein großes Feuer wüten. Ich sah mich um und entdeckte es, wie es loderte und flackerte, das einzige Licht in der Dunkelheit. Die Hitze nahm zu. Die Flammen kamen näher.

Beweg dich oder stirb. Dir bleibt keine andere Wahl.

Auf Händen und Knien kroch ich vom Feuer weg und würgte an dem Schmutz in der Luft. Eine Welle der Übelkeit überfiel mich. Ich hatte am ganzen Leib Schmerzen, aber sie schienen von der Innenseite meines linken Knies auszustrahlen.

Mit einem leisen Fluch ließ ich mich auf die Seite sinken und ertastete die Glasscherbe, die sich mir ins Bein gebohrt hatte, ein kleines, aber dickes Bruchstück einer großen Fensterscheibe, die niemals hätte zerspringen dürfen. Vorsichtig betastete ich die Scherbe. Der Schmerz in meinem Knie flammte auf, und ich versuchte zu begreifen, was hier überhaupt los war.

Wo war die alte Welt hin?

Was war passiert?

Mir fiel ein, dass ich im Lake Meadows gewesen war, dem Einkaufszentrum in Westlondon, um einen neuen Rucksack für Scout zu kaufen. Meine Tochter wollte einen einfarbigen, schmucklosen Rucksack von Kipling, denn sie war schon sieben und erachtete sich als viel zu erwachsen für den Kinderrucksack, mit dem sie im Moment noch zur Schule ging. Er war nur ein Jahr alt, aber darauf zu sehen war die weibliche Hauptfigur aus dem großen Blockbusterfilm vom vergangenen Sommer, Die zornige Prinzessin , eine wunderschöne Zeichentrickprinzessin mit finsterem Gesicht, die aus ihren schmalen Fingernägeln Blitzstrahlen verschoss. Und mit solchem Kinderkram war Scout durch. Sie wollte, dass ich ihr einen Rucksack für ein großes Mädchen kaufte. Als es geschah, war ich damit beschäftigt gewesen.

Ich erinnerte mich noch, dass ich für den neuen Große-Mädchen-Rucksack bezahlt hatte und in die Fressmeile gegangen war, gedanklich ganz auf die Frage konzentriert, wo ich hier einen anständigen dreifachen Espresso bekommen konnte.

Menschen waren dort gewesen, Licht und Lächeln, der Duft nach Kaffee und Zimtgebäck, leise Einkaufszentrumsmusik, irgendein Song aus dem vergangenen Jahrhundert. All das kam mir nicht wie eine Erinnerung vor, sondern wie ein Traum, der ins Vergessen entwich, kaum dass ich aufgewacht war.

Jetzt waberte und wallte der Feuerschein, weil der Großbrand die Dunkelheit in Fetzen riss. Durch ein eingestürztes Dach oder eine geborstene Wand kroch graues Licht aus der Außenwelt in die Ruinen.

Erst in diesem Moment sah ich die Menschen in den Trümmern des Einkaufszentrums.

Einige von ihnen rührten sich nicht. Andere versuchten aufzustehen.

Die neue Welt war lautlos.

Nein, begriff ich in diesem Augenblick, die Welt war nicht lautlos. Nicht ganz. Mein Gehör hatte in dem Augenblick ausgesetzt, in dem die alte Welt verschwunden war.

In meiner Nähe saß ein junger Wachmann auf dem Boden. Seine Uniform war von dem grauen Staub bedeckt, der auf allem lag. Er drehte den Kopf zu mir und versuchte zu sprechen.

Falsch - er sprach, aber ich konnte ihn nicht hören.

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