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Die Falle Roman von Raabe, Melanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Falle

Sie stellt ihm eine Falle. Aber ist er wirklich ein Mörder? Die bekannte Romanautorin Linda Conrads, 38, ist ihren Fans und der Presse ein Rätsel. Seit gut elf Jahren hat sie keinen Fuß mehr über die Schwelle ihrer Villa am Starnberger See gesetzt. Trotz ihrer Probleme ist Linda höchst erfolgreich. Dass sie darüber hinaus eine schreckliche Erinnerung aus der Vergangenheit quält, wissen nur wenige. Vor vielen Jahren hat Linda ihre jüngere Schwester Anna in einem Blutbad vorgefunden - und den Mörder flüchten sehen. Das Gesicht des Mörders verfolgt sie bis in ihre Träume. Deshalb ist es ein ungeheurer Schock für sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages über ihren Fernseher flimmern sieht. Grund genug für Linda, einen perfiden Plan zu schmieden - sie wird den vermeintlichen Mörder in eine Falle locken. Doch was ist damals in der Tatnacht tatsächlich passiert? Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren. Nach dem Studium arbeitete sie tagsüber als Journalistin - und schrieb nachts heimlich Bücher. 2015 erschien DIE FALLE, 2016 folgte DIE WAHRHEIT. Melanie Raabes Romane werden in über 20 Ländern veröffentlicht. Die FALLE war international eines der heißumkämpftesten Bücher der letzten Jahre, TriStar Pictures sicherte sich die Filmrechte. Melanie Raabe lebt und schreibt in Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641136963
    Verlag: btb
    Größe: 1588 kBytes
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Die Falle

3

Am nächsten Morgen klettere ich aus den Trümmern hervor und setze mich Stück für Stück wieder zusammen.

Mein Name ist Linda Conrads. Ich bin Autorin. Ich diszipliniere mich jedes Jahr dazu, ein Buch zu schreiben. Meine Bücher sind sehr erfolgreich. Ich bin wohlhabend. Oder besser: Ich habe Geld.

Ich bin 38 Jahre alt. Ich bin krank. Die Medien spekulieren über eine mysteriöse Krankheit, die es mir verbietet, mich frei zu bewegen. Ich habe mein Haus seit über einer Dekade nicht mehr verlassen.

Ich habe Familie. Oder besser: Ich habe Eltern. Ich habe meine Eltern seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Sie besuchen mich nicht. Ich kann sie nicht besuchen. Wir telefonieren selten.

Es gibt etwas, woran ich nicht gerne denke. Allerdings ist es mir unmöglich, nicht daran zu denken. Es hat mit meiner Schwester zu tun. Es ist schon lange her. Ich habe meine Schwester geliebt. Meine Schwester hieß Anna. Meine Schwester ist tot. Meine Schwester war drei Jahre jünger als ich. Meine Schwester ist vor zwölf Jahren gestorben. Meine Schwester ist nicht einfach gestorben. Meine Schwester wurde ermordet. Vor zwölf Jahren ist meine Schwester ermordet worden, und ich habe sie gefunden. Ich habe ihren Mörder flüchten sehen. Ich habe das Gesicht des Mörders gesehen. Der Mörder war ein Mann. Der Mörder wandte mir das Gesicht zu, dann lief der Mörder davon. Ich weiß nicht, warum er davonlief. Ich weiß nicht, warum er mich nicht angegriffen hat. Ich weiß nur, dass meine Schwester tot ist und ich nicht.

Meine Therapeutin bezeichnet mich als hochgradig traumatisiert.

Das ist mein Leben, das bin ich. Ich will eigentlich nicht daran denken.

Ich rappele mich hoch, schwinge die Beine über die Bettkante, stehe auf. Jedenfalls habe ich das vor, aber in Wahrheit rühre ich mich keinen Zentimeter. Ich frage mich, ob ich gelähmt bin. Ich habe keine Kraft in Armen und Beinen. Ich versuche es noch einmal, aber es ist, als kämen die schwachen Befehle meines Gehirns nicht bei meinen Gliedmaßen an. Vielleicht ist es in Ordnung, wenn ich einen Augenblick hier liegen bleibe. Es ist Morgen, aber es ist ja nicht so, als warte etwas auf mich außer meinem leeren Haus. Ich gebe die Anstrengung auf. Mein Körper fühlt sich seltsam schwer an. Ich liege ein bisschen, aber ich schlafe nicht wieder ein. Als ich das nächste Mal auf die Uhr sehe, die auf dem hölzernen Nachttischschränkchen neben dem Bett steht, sind sechs Stunden vergangen. Das wundert mich, das ist nicht gut. Je schneller die Zeit vergeht, desto schneller kommt die Nacht, und ich fürchte die Nacht, all der Lampen in meinem Haus zum Trotz. Nach mehreren Anläufen bringe ich meinen Körper doch noch dazu, ins Badezimmer zu gehen und dann die Treppe ins Erdgeschoss hinunterzusteigen. Eine Expedition ans andere Ende der Welt. Bukowski saust mir glücklich entgegen, schwanzwedelnd. Ich füttere ihn, fülle sein Schälchen mit Wasser, lasse ihn hinaus, ein bisschen herumtoben. Sehe ihm durch die Scheibe hindurch zu, erinnere mich, dass es mich normalerweise glücklich macht, ihm beim Rennen und Spielen zuzusehen, aber ich fühle nichts. Ich will nur, dass er schnell zurückkommt heute, damit ich wieder ins Bett kann. Ich pfeife nach ihm, er ist ein kleines, hüpfendes Pünktchen am Waldrand. Wenn er nicht freiwillig zurückkäme, könnte ich nichts tun. Aber er kommt immer zurück. Zu mir, in meine kleine Welt. Auch heute. Er springt mich an, fordert mich zum Spielen auf, aber ich kann nicht. Er gibt auf, enttäuscht.

Es tut mir leid, Kumpel.

Er rollt sich an seinem Lieblingsplatz in der Küche zusammen und blickt mich traurig an. Ich drehe mich um, gehe in mein Schlafzimmer. Dort lege ich mich sofort wieder ins Bett, ich fühle mich schwach, durchlässig.

Vor der Dunkelheit, vor meinem Rückzug, als ich stark war und in der wirklichen Welt gelebt habe, habe ich mich nur dann so gefühlt, wenn eine schwere Grippe im Anmarsch war. A

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