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Die Gesichter der Toten Serena Vitales zweiter Fall von Reski, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2015
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Gesichter der Toten

"Hier werden nicht einfach ein interessanter Ort und eine gewaltsam erfundene Krimihandlung zusammengebracht: Vielmehr wird der Schauplatz realer Gewaltverbrechen zur Krimi-Kulisse umfunktioniert." Süddeutsche Zeitung Mafiaboss Alessio Lombardo ist seit Jahrzehnten flüchtig, jede Fahndung nach ihm erfolglos. Doch als Serena Vitale die Ermittlungen übernimmt, kommt Bewegung in den Fall. Und eine Spur nach Deutschland immer heißer. Lombardo bleibt jedoch verschwunden, und ein inhaftierter Mafioso erhängt sich in seiner Zelle. Als Serena Vitale die Umstände des Selbstmords zu klären versucht, gerät sie selbst in höchste Gefahr ... Petra Reski wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien und immer wieder über das Phänomen Mafia. Für ihre Reportagen und Bücher wurde sie mehrfach ausgezeichnet, in Deutschland zuletzt mit dem Journalistinnenpreis und als "Reporterin des Jahres". Petra Reski hat mehrere Romane und Sachbücher veröffentlicht, zuletzt bei Hoffmann und Campe Von Kamen nach Corleone. Die Mafia in Deutschlan d (2010) und die Trilogie um Serena Vitale. www.petrareski.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 14.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455813746
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Serie: Serena Vitale Bd.2
    Größe: 860 kBytes
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Die Gesichter der Toten

1

S ie glitt durch Palermo wie in einem U-Boot. Vorbei an den Kuppeln der Chiesa degli Eremiti und an einem halbverrotteten Prozessionswagen der Santa Rosalia, vorbei an dem riesigen Ficus, der seinen Schatten über Madonnenbilder mit verblichenen Plastikrosen warf, vorbei an dem marmornen Gedenkstein für ein kleines Mädchen, das von seinen Eltern ermordet worden war.

Durch das getönte Panzerglas sah die Stadt schwarzweiß aus, mit leichtem Blaustich. Es war, als wäre der Ton abgestellt worden. Kein Reifenquietschen, kein Vespaknattern, kein Kirchengeläut drang in das Innere. Auch kein Geruch. Nicht der warme Atem Afrikas, wenn es geregnet hatte. Nicht der Dunst des Meeres. Nicht die Fäulnis.

Sag mir, dass du erregt bist, wenn du an mich denkst, schrieb der Mann, der auf sie wartete.

Sie hatte diese Nacht geplant wie eine militärische Operation. Die Landung in der Normandie war nichts dagegen. Alles lief nach Plan. Jetzt war sie kurz vor dem Ziel.

Lass es ruhig angehen, Mimmo, ohne Blaulicht, sagte Serena, als sie Richtung Umgehungsstraße stadtauswärts fuhren.

Sobald der Verkehr stockte, warf Mimmo die Sirene an. Kaum war sie zur Leiterin der Sucheinheit "Alessio Lombardo" ernannt worden, hatte sich ihr Leben in einen permanenten militärischen Einsatz verwandelt. Zwei Leibwächter, ein gepanzerter Lancia. Mimmo und Enzo, Ciccio und Peppino. Im Wechsel. Manchmal kamen andere hinzu, die sie nicht kannte.

Man gewöhnt sich an alles, hatte sie sich gesagt. Man muss einfach nur sein normales Leben weiterführen.

Zweimal hatte sie sich noch zu einem Espresso mit einer Freundin im Antico Caffè Spinnato in der Via Principe di Belmonte verabredet. Die Leibwächter waren aus dem Wagen gesprungen, hatten nach rechts und links geblickt und die Tür aufgerissen. Und die Leute hatten sie angestarrt wie eine, die aus einer psychiatrischen Anstalt geflohen war.

Der neue gepanzerte Lancia hatte Mimmo in Ekstase versetzt. Er drückte die anderen Wagen einfach an die Seite und drängelte sich mit Blaulicht mittendurch. Serena hatte der Lancia misstrauisch gemacht. Sie war immer skeptisch, wenn man vorgab, sie beschützen zu wollen.

Ja, wir haben genug Zeit, Mimmo, die Fähre geht jede halbe Stunde, sagte Ciccio.

Verstanden, sagte Mimmo. Und raste über die Autobahn nach Trapani, als wären sie auf der Flucht.

Ciccio hielt sich am Türgriff fest. Ciccio, Dickerchen, wurde er wegen seiner Leibesfülle genannt, er bewegte sich so langsam wie ein betäubter Waran. Ciccio war ihrer Leibwache erst kurz zuvor zugeteilt worden, und Serena vermutete, dass er sich in einer Angriffssituation einfach tot stellen würde. Das Gefährlichste an ihm waren seine lilafarbenen Augen, sie sahen aus, als wären sie für jemand anderen bestimmt.

Wenn du kommst, bedecke ich dich mit einem Unterrock aus Spucke, schrieb der Mann, der auf sie wartete.

Serena las in ihren Unterlagen. Verhörprotokolle, Telefonmitschnitte aus dem Umfeld von Lombardo. Allein seine Geliebten abzuhören, war ein Riesenaufwand, es waren zehn oder zwölf. Eine litt seit kurzem unter einer Geschlechtskrankheit. Nachdem sie gehört hatten, wie sie mit ihrem Arzt telefoniert hatte, wurde sie rund um die Uhr beschattet. Wenn sie die Krankheit von Lombardo hatte, würde das bedeuten, dass er in der letzten Zeit bei ihr gewesen war. Oder sie hatte sie von einem anderen Mann. Und dann wäre sie bald tot. Bei einer anderen vermuteten sie, dass ein Besuch von Lombardo bevorstand, weil sie einen Termin beim teuersten Friseur Palermos gemacht hatte, was ungewöhnlich war; normalerweise färbte ihr eine Freundin die Haare. Sie hörten sogar seine Verflossenen ab. Eine lebte inzwischen in Deutschland, und gegen den Papierkrieg um die deutsche Abhörgenehmigung war der Russlandfeldzug ein Kinderspiel.

Auch einer von Lombardos Briefboten wurde abgehört, ein Fleischer aus dem Borgo Vecchio. Serena

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