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Die Gewissenlosen Roman von Férey, Caryl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.11.2018
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Die Gewissenlosen

Um ein unschuldiges Leben zu retten, muss er sein eigenes aufs Spiel setzen ... Mc Cash ist kein Polizist mehr, doch er trägt immer noch die Wunden seiner rauen Vergangenheit - sowohl körperlich als auch seelisch. Als ein Arzt ihm sagt, dass er bald erblinden wird, gibt es für ihn keinen Ausweg. Er beschließt, sich das Leben zu nehmen. Doch bevor er auf den Abzug drücken kann, erhält er einen Brief: Er ist der Vater der achtjährigen Alice, deren Mutter gestorben ist, und für sie verantwortlich. Als er in dem Dorf ankommt, in dem seine Tochter lebt, erfährt er, dass ein Kind tot im Fluss aufgefunden wurde. Alice ist die einzige Zeugin - und schwebt in tödlicher Gefahr ... Caryl Férey, geboren 1967, lebt in Paris. Für seine preisgekrönten Romane ist er um die ganze Welt gereist - von Neuseeland bis nach Südafrika. Sein Thriller Zulu wurde mit zehn Literaturpreisen ausgezeichnet und 2014 mit Orlando Bloom und Forest Whitaker verfilmt. Seine Thriller sind immer auf den obersten Plätzen der französischen Bestsellerliste zu finden und werden weltweit übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 26.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641229061
    Verlag: Limes
    Originaltitel: La jambe gauche de Joe Strummer
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Die Gewissenlosen

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WENN MAN DIE Zeit, in der man lebt, verachtet, heißt das noch lange nicht, dass man die Einsamkeit liebt. Mc Cash lebte allein im letzten Stock eines Wohnblocks mit Blick auf die Bucht von Brest, wie ein Toter gefangen in seinem Kopf. Mit seinen mittlerweile einundfünfzig Jahren hatte er keinen Vornamen und keine Frau mehr. Angélique hatte sich verabschiedet wie die anderen auch. Durch die vielen Umzüge hatte Mc Cash seine Freunde verloren, all seine alten Kameraden mit den verlorenen Illusionen. Die IRA hatte offiziell die Waffen niedergelegt, die Kollegen gingen ihm gehörig auf den Sack, seine letzte Geliebte hatte ihm per SMS mitgeteilt, sie werde einen anderen heiraten, und Joe Strummer war soeben erst gestorben, hatte ihn zurückgelassen als Waisenkind einer Zeit, die sich, ganz wie seine Ex-Frau, jeden Tag ein Stückchen mehr verabschiedete.

Dabei hatte Mc Cash auf seine Art Format. Die Frauen waren verrückt nach seinem schönen Wolfsgesicht, verzehrten sich nach seinen großen Armen, viel zu groß für das bisschen Liebe, das sie zu verschenken hatten, nach seinem Winnetoulächeln, mit dem er ihnen in den Schluchten des Grand Canyon den Skalp zweier Liebesworte hinstreckte; sie sahen den wiegenden Gang, die Kraft eines erschöpften Titanen und die großen, erstaunlich sanften Hände - und schon warfen sie sich ihm zu Füßen und nannten ihn einen göttlichen Hurensohn.

Das alles hatte Angélique nicht davon abgehalten, sich aus dem Staub zu machen. Fünfzehn Jahre war das nun schon her. Noch dazu mit einem dahergelaufenen Dentisten, einem Zahnausreißer oder Verkäufer, was auch immer, eben mit einem, der ihr eine verheißungsvolle Zukunft bieten konnte. Denn seine Zukunft war aussichtslos.

Wie sein Auge.

Wie die Bucht von Brest, die sich, durch das Fenster seiner Wohnung betrachtet, im fernen Nebel verlor.

Mc Cash zündete sich eine Zigarette an, aber sie schmeckte auch nicht besser als die anderen. Unten sah man den Handelshafen mit den untätigen Kränen und den Dockarbeitern, die ihren Ausschluss aus der Gesellschaft in Bars begossen, in denen das Bier noch immer weniger als zwei Euro kostete. Hier brachte man sich billig um die Ecke. Das war der Vorteil eines Lebens in der Provinz.

Mc Cash war in Brest gelandet, als wäre es der Schlusspunkt einer aberwitzigen Flucht ans Meer, hin zu einem unerreichbaren Wilden Westen. Nach Paris und Créteil schließlich Rennes und jetzt das Ende der Welt, das Finstère, denn es bestand vor allem aus der Rue de Siam, der Nachbarschaft im Viertel Recouvrance und ein paar gemeinsamen Bierchen mit Bloas, dem Maler, einem der seltenen Fänge seiner nächtlichen Kneipentouren. Bis zur Halbinsel Crozon-Morgat war es keine Stunde mit dem Auto, einmal war Mc Cash hingefahren, aber seither nie mehr - die ganze Schönheit dort machte ihn depressiv.

Der Ire saß auf dem Sofa im Salon und starrte in den schwarzen Lauf des .38er, der zwischen Kippen und unverpackten Kondomen auf dem Tisch lag. Bald würde er blind sein; noch ein paar Monate, hatte der Arzt gesagt ... Er, der Entscheidungen immer erst dann traf, wenn es keinen Ausweg mehr gab, stand jetzt wieder mit dem Rücken zur Wand, ein Gefangener seiner eigenen Vernichtungspolitik.

Vom Genießen als Überlebensmotto war ihm letztendlich nur der Nihilismus geblieben. Ein leichter Druck auf den Abzug, eine letzte Anstrengung, mehr nicht, und schon wäre alles vorbei. Was würde er hinterlassen? Eine Frau, die ihn verlassen hatte, eine Welt voller Autoverkäufer, voller Verbrecher mit weißem Kragen, denen im schlimmsten Fall eine Bewährungsstrafe drohte, lauter politische Karrieren, die den Befehlen der reaktionären Gegenoffensive gehorchten, außerdem zahlreiche vergessene Frauen und seine alten Rockplatten ...

Der Seewind rüttelte an den verdreckten Fenstern der Wohnung. Mc Cash nahm die

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