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Die Lebenden und Toten von Winsford Roman von Nesser, Hakan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Lebenden und Toten von Winsford

Vorgestern beschloss ich, meinen Hund zu überleben. Das bin ich ihm schuldig ... Exmoor, eines Abends im November. Über dem kleinen Dorf Winsford in der südenglischen Moorlandschaft liegt dichter Nebel. Die mysteriöse Frau, die sich unter dem Namen Maria Anderson mit ihrem Hund im abseits gelegenen Haus auf der Heide niederlässt, bietet Stoff für Spekulationen. Was hat sie hier draußen in der Einöde zu suchen? Was hält ihr Mann von ihrem Aufenthalt an diesem Ende der Welt? Wo ist er überhaupt? Tatsächlich auf Reisen? Irgendetwas Sonderbares umgibt die Fremde, die Tag für Tag im diesigen Nieselregen spazierengeht - auch wenn sie schon bald aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken ist. Nicht alle scheinen ihr jedenfalls wohlgesonnen. Wie anders wäre sonst zu erklären, dass plötzlich tote Vögel vor ihrer Türe liegen und ihr Hund tagelang verschwindet? Und die seltsamen Vorfälle häufen sich. Man könnte auch sagen: Je mehr sie sich auf die kleine Gemeinschaft einlässt, desto gefährlicher wird es für sie ... Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641139810
    Verlag: btb
    Originaltitel: Levande och döda i Winsford
    Größe: 918 kBytes
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Die Lebenden und Toten von Winsford

1

V orgestern beschloss ich, meinen Hund zu überleben. Das bin ich ihm schuldig. Zwei Tage später, also heute, beschloss ich, in Wheddon Cross ein Glas Rotwein zu trinken.

So schlage ich mich dieser Tage durch die Zeit. Ich fasse Beschlüsse und setze sie in die Tat um. Das ist nicht sonderlich schwierig, aber schwieriger als gedacht, was natürlich den besonderen Umständen geschuldet ist.

Der Regen hatte mich auf der ganzen Strecke durch die Heide begleitet, schon seit ich bei Bishops Lydeard von der A 358 abgefahren war, und die rasch einsetzende Abenddämmerung ließ in mir Tränen hervorquellen wie erkaltete Lava. Eine fallende Bewegung, eine ansteigende, aber vielleicht waren diese Tränen ja ein gutes Zeichen. Ich habe viel zu wenig geweint in meinem Leben, worauf ich noch zurückkommen werde.

Gegen eins war ich in London aufgebrochen, und nachdem ich mich durch Notting Hill und Hammersmith gequält hatte, war die Fahrt besser verlaufen als erwartet. Westwärts ging es, auf der M 4 durch Hampshire, Gloucestershire und Wiltshire, zumindest bilde ich mir ein, dass diese Grafschaften so heißen, und etwa zwei Stunden später ging es dann hinter Bristol auf der M 5 in Richtung Süden. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass all diese Straßen ihre eigenen Nummern haben – und alle Orte ihre eigenen Namen –, aber dass man dies so empfindet, ist wahrscheinlich weniger beruhigend.

Besser als erwartet trifft es eventuell nicht ganz, aber meine Sorge, mich zu verfahren, die falsche Abfahrt zu nehmen und in deprimierenden Autobahnstaus in falschen Richtungen zu landen und deshalb nicht pünktlich anzukommen, hatte mich einen guten Teil der Nacht wachgehalten. Für die restliche Nacht übernahm das die alte Geschichte vom Liebhaber von Martins Schwester. Ich habe keine Ahnung, warum sie und er auftauchten, aber so war es. In den frühen Morgenstunden ist man so wehrlos.

Ich bin keine routinierte Autofahrerin, es hat sich so ergeben. Ich erinnere mich, dass ich in jungen Jahren fand, es sei mit einem gewissen Freiheitsgefühl verbunden, am Steuer zu sitzen und Herrin – oder eventuell Herrscherin – über sein Schicksal und seine Wege zu sein. In den letzten fünfzehn, zwanzig Jahren ist aber ausnahmslos Martin gefahren, und es ist lange her, dass sich überhaupt die Frage stellte, wer bei gemeinsamen Autofahrten auf dem Fahrersitz Platz nehmen sollte. Und für diese Navigationssysteme hatte er immer nur verächtliches Schnauben übrig.

Gibt es etwa keine Karten mehr? Was soll denn plötzlich an einer ehrenwerten Straßenkarte so verkehrt sein?

Und zu allem Überfluss der Linksverkehr in diesem alten, sturen Land, wodurch mir die Gefahr, dass die Sache auf irgendeine Weise gründlich schieflaufen könnte, ziemlich groß erschien. Aber es war alles gut gegangen. Ich hatte sowohl Londons Hexenkessel aus veralteten Verkehrslösungen als auch das Elend Autobahn bezwungen. Es war mir problemlos gelungen, zu tanken und in bar zu zahlen, und erst als ich auf die schmale Achterbahnstraße durch Exmoor gelangte, holte mich die Schwermut ein. Ich hielt dennoch auf keinem Parkplatz, um meinem schwerer werdenden Herzen neuen Mut zuzusprechen, was mir möglicherweise gutgetan hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt einen Parkplatz sah.

Aber da nach wie vor fast alles, was in diesem Land namentlich auf einer Karte auftaucht, auch einen Pub hat, parkte ich um kurz nach halb fünf neben einem weißen Lieferwagen mit dem Schriftzug "Peter's Plumbing" an der Tür auf einem auffallend verlassenen Parkplatz neben einem auffallend verlassenen Kricketfeld. Eilte unter das schützende Dach, ohne dass Zeit f&u

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