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Die letzte Nacht Roman von Fazioli, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2011
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die letzte Nacht

Der Tessiner Kleinmafioso Forster muss dringend hohe Schulden begleichen. Er kidnappt die notorische Spielerin und Tochter des ehemaligen hochkarätigen Diebs Jean Salviati. Forsters Lösegeld-Forderung: zehn Millionen Schweizer Franken. Salviati, der längst ein ehrbares Leben als Gärtner führt, bleibt nichts anderes übrig, als einen letzten großen Coup einzufädeln. Er bereitet einen Bankraub vor und rekrutiert mehrere Komplizen. Darunter auch der eigenbrötlerische Privatdetektiv Elia Contini, dem Salvati einst aus der Patsche half. Und während Forster sich schon die Hände reibt, überlegen die Hobbyganoven bereits, wie sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen ließen ... Andrea Fazioli, geboren 1978, lebt in Bellinzona im Schweizer Kanton Tessin. Er studierte in Mailand und Zürich Romanistik und arbeitet als Journalist bei Radio und Fernsehen. Er ist leidenschaftlicher Saxophonspieler und Pfeifenraucher. Seine Kriminalromane um den eigenbrötlerischen Privatdetektiv Elia Contini werden von Publikum und Presse begeistert aufgenommen und mehrfach ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 02.06.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641056988
    Verlag: btb
    Originaltitel: Come rapinare una banca svizzera
    Größe: 645 kBytes
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Die letzte Nacht

11 Ein Dieb in der Nacht (S. 64-65)

Im Lauf seiner Karriere als Dieb und Betrüger hatte Jean Salviati gelernt, Ruhe zu bewahren. Aber an diesem Nachmittag spürte er, wie seine innere Anspannung wuchs. Er überprüfte das Material und testete mehrmals, ob Gengios Stahlflaschen funktionierten. Dann widmete er sich dem Garten seiner neuen Wohnung, zupfte Unkraut und stutzte die Zweige der Nussbäume. Schließlich setzte er sich vor die Eingangstür, um eine Pfeife zu rauchen und auf einen Anruf von Lina zu warten.

Aber das Telefon blieb stumm. Nach dem Abendessen fuhr er nach Tesserete, darauf gefasst, lange warten zu müssen. Er sah Forster heimkehren, sah das irische Fest in Schwung kommen. Er ging spazieren, trank etwas in der einen oder anderen Bar und setzte sich schließlich wie ein müder Tourist auf eine Bank, um die Piazza Motta zu betrachten. Er trug dunkle Kleidung mit einem leicht eleganten Touch, für den Fall, dass es etwas vorzuspielen galt: grauer Anzug, schwarzes Hemd und schwarze Schuhe. Er wartete bis drei Uhr morgens. Um diese Uhrzeit war Tesserete wie ausgestorben: keine Iren, kein Lärm, keine Autos.

Natürlich gibt es immer jemanden, der zu früher Morgenstunde nach Hause kommt. Aber Salviati musste es riskieren. Er parkte den Wagen in der Nähe des Hauses. Dann holte er ein Schild mit der Aufschrift: BAUSTELLE – STRASSENSPERRUNG aus dem Kofferraum. Er stellte es am Ende der Straße auf, dort wo die Autos einbiegen, die aus Lugano kommen. Nachdem er ein paar Minuten gewartet hatte, nahm er die Ausziehleiter, die er bei Gengio gekauft hatte. Zusammengeschoben war sie kaum länger als einen Meter, aber sie konnte bis zu drei Metern erreichen. Er zog sie aus und lehnte sie an Forsters Haus.

Dann befestigte er die gasgefüllte Stahlflasche am Gürtel und stieg hinauf, ohne Eile. Bis zum Fenster fehlte beinahe ein Meter, aber Salviati schaffte es, sich auf das Fensterbrett hinaufzuziehen. Wie in der Nacht zuvor war das Fenster nur angelehnt. Mit ruhigen Bewegungen löste Salviati die Stahlflasche vom Gürtel und stellte sie aufs Fensterbrett, dann führte er den Schlauch ins Innere und versprühte das Gas. Eine Gefahr waren mögliche Alarmanlagen. Von der an der Eingangstür wusste Salviati und auch, dass sie ihm keine Probleme bereiten würde. Bewegungsmelder innerhalb der Wohnung konnten ihn allerdings in ziemliche Bedrängnis bringen. Im Schlafzimmer vermutete er zwar keine, doch gab es nur einen Weg, das herauszufinden.

Salviati kletterte über das Fensterbrett hinein, hielt sich dabei ein Taschentuch vor die Nase. Kein Bewegungsmelder. Vorsichtig stieß er das Fenster weiter auf, um das Gas entweichen zu lassen. Dann trat er im Halbdunkel ans Bett, drückte Forster das Mundstück ans Gesicht und ließ ihn das Anästhetikum einatmen. Er hatte schnell zum Gebaren eines Verbrechers zurückgefunden. Er bewegte sich langsam und sicher, kontrollierte den Herzschlag. Die Routine von Jahren.

Er zog die Leiter durchs Fenster, vergewisserte sich, dass Forster schlief, trat in den Flur und schloss die Tür hinter sich. Auf keinen Fall durfte er die Haushälterin wecken, oder noch schlimmer, Forsters Gehilfen. Am Abend zuvor hatte er sich die Lage der Zimmer eingeprägt: Sie befanden sich nicht im selben Stock, er konnte sich frei bewegen. Das Büro lag nebenForsters Zimmer. Er machte sich sofort ans Werk. Nicht, dass er darauf hoffte, einen Zettel mit Namen und Adresse des Ortes zu finden, wo sie Lina gefangen hielten. Er würde sich mit viel weniger zufriedengeben: vage Hinweise, Briefe, Belege.

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