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Die Morde von St. Pauli Kriminalroman von Brack, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.04.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Morde von St. Pauli

1927 – Hamburg in den Goldenen Zwanzigern: Eine Mordserie hält die Unterwelt von St. Pauli in Atem. Die Opfer sind Zuhälter, Betrüger und Einbrecher, und sie werden spektakulär im Viertel zur Schau gestellt: auf dem Kirchhof, im Wachsfiguren-Panoptikum, an der Kersten-Miles-Brücke. Ein Bandenkrieg? Zur selben Zeit ermittelt Kriminalkommissar Alfred Weber in den bürgerlichen Vierteln der Hansestadt, nachdem ein einflussreicher Reeder einem Raubmord zum Opfer gefallen ist. Weber sieht Zusammenhänge, wo andere keine wahrnehmen wollen. Doch dass er kein Phantom jagt, muss er bald schon am eigenen Leib erfahren ...

Robert Brack, geboren 1959, lebt seit 1981 in Hamburg. Er arbeitet als Übersetzer und freier Schriftsteller. Für seine historischen und politischen Kriminalromane wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 07.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843715140
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2829kBytes
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Die Morde von St. Pauli

Zweites Kapitel:
JENSEITS DER STRASSE

Weber saß im Laubfrosch und hatte Grün. Dieser verflixte Verkehr! Automobile, wohin man schaute. Dabei hätte alles so schön sein können. Der Himmel war strahlend blau, die Binnenalster glitzerte silbrig, über dem Hotel Vierjahreszeiten wehten die bunten Fahnen. Ein Alsterdampfer glitt übers Wasser, ein Zug der Verbindungsbahn schob sich kreischend über die Lombardsbrücke. Eine Straßenbahn wartete geduldig neben Webers Opel. Eine junge Frau in hellem Kleid mit Hütchen und Schirm stand lässig auf der Plattform und warf ihm einen Blick zu. Interessiert, wie er fand. Der Schirmrand hatte Rüschen.

"Na los doch, Mann!", schrie sein Beifahrer ihm ins Ohr. "Grün!"

Die Aufgabe war, die Kupplung mit dem Fuß zu drücken, den Gang einzulegen, die Handbremse zu lösen, den Gashebel am Lenkrad zu betätigen. Dann anrollen, Fahrt aufnehmen, in den zweiten Gang schalten und außerdem noch lenken, damit der Zweisitzer mit dem offenen Verdeck und dem charakteristischen Bootsheck nach links in die Straße Neuer Jungfernstieg fuhr. Möglichst in einem eleganten Bogen - wegen der Rüschen am Schirmrand und des hübschen Gesichts darunter.

Andere Automobilisten kamen ihm aus der Esplanade entgegen und wollten ebenfalls links abbiegen, Richtung Alsterglacis. Schön und gut, aber wie viele Fahrzeuge passten auf so eine Kreuzung? Wie lange blieb die Ampel grün? Außerdem hatte Weber immer noch nicht verstanden, was sein Beifahrer meinte, wenn er befahl, er solle um den entgegenkommenden Linksabbieger herumfahren. Wie ging das, ohne ihn zu schneiden? Und vor allem: Wusste der Entgegenkommende darüber Bescheid?

Der Motor stotterte, der Wagen ruckte. Webers Hände verloren die Orientierung zwischen Lenkrad, Gas- und Schalthebel. Seine Füße wussten nicht mehr, wo die Kupplung und wo die Bremse war. Weber trat auf die Kupplung. Der Motor heulte auf. Erschrocken hob er den Fuß an, und der Opel 4/12 PS machte einen Satz auf den entgegenkommenden Ford zu. Der wich schlingernd aus, und der Fahrer drohte mit der Faust. Weber wurde samt Beifahrer nach vorn geschleudert, als er in unnötiger Panik die Bremse betätigte. Der Motor erstarb, und der Laubfrosch kam schlagartig zum Stehen.

"Rechts vorbei!", schrie der Beifahrer, als es längst zu spät war.

Die Tram klingelte hämisch und setzte sich in Bewegung. Eine schmale Hand unter dem Rüschenschirm winkte ihm zu, aber vielleicht bildete er sich das auch nur ein. Die Straßenbahn verschwand, und jetzt wurde der Laubfrosch vom Gegenverkehr belagert. Quäkendes Hupen, Geschimpfe, anfeuernde Rufe. Aber der Motor wollte nicht.

Weber fing an zu schwitzen, als er unter dem Armaturenbrett den Schalter der Zündung umlegte und den Anlasser betätigte. Nur zündete nichts. War die Batterie leer?

"Na hören Sie mal, Weber, muss ich jetzt etwa kurbeln?"

Weber zuckte schuldbewusst mit den Schultern. Wieso war Autofahren nur so schwierig, warum konnten die Dinger nicht von allein fahren?

"Soll ich ...?", fragte er.

"Ach was." Der Beifahrer bückte sich, um die Kurbel zu suchen. Die anderen Verkehrsteilnehmer fanden Wege um den Laubfrosch herum. Trotzdem, der Verkehr stockte, und das konnte der Beamte der Verkehrspolizei nicht zulassen, der von einem kleinen Podest aus die Kreuzung mit der ersten Ampelanlage Hamburgs überwachte. Er hob seinen Polizeistab und deutete damit in den Himmel, als gäbe es ein höheres Gesetz, das ihn ermächtigte, in das Verkehrschaos einzuschreiten. Der Verkehr kam zum Stillstand. Während der Wachtmeister in die Mitte der Kreuzung marschierte, schob Webers Beifahrer mit der Kurbel in der Hand die Tür auf.

Der Polizeibeamte lehnte sich mit seinem ganzen, nicht unerheblichen Gewicht auf die Fahrertür und stellte fest: "Abgewürgt, was?"

Weber nickte schwach. Hilfesuchend schaute er zu seinem Beifahrer, der sich abe

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