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Die perfekte Lüge Thriller von Sacks, Michelle (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.04.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die perfekte Lüge

Davon haben sie immer geträumt: Ein Haus in den Wäldern, Blaubeerkuchen und Gartenarbeit - das gute, das einfache Leben. Als Merry und Sam mit dem kleinen Conor aufs schwedische Land ziehen, können sie kaum glauben, wie glücklich sie sind. Doch dann kommt Merrys älteste Freundin Frank zu Besuch und das Glück zeigt erste Risse. Frank weiß Dinge über Merry, die sonst niemand weiß. Sie baut sofort eine Bindung auf zu dem kleinen Conor, versteht sich prächtig mit John. Und ganz allmählich fühlt sich Merry aus dem eigenen Leben verdrängt... MICHELLE SACKS, geboren in Südafrika, hat Film und Literatur in Kapstadt studiert. Mit ihren Erzählungen war sie für den südafrikanischen PEN Literary Award und für den Commonwealth Short Story Prize nominiert. 'Die perfekte Lüge' ist ihr Debütroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 08.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222567
    Verlag: btb
    Originaltitel: You Were Made for This
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Die perfekte Lüge

Merry

Für mich stand Marmeladekochen und die Herstellung von Babynahrung auf dem Programm. Die Ernte aus dem Garten war überreichlich, und im Kühlschrank standen fast keine der Portionsgläser mehr, in die ich immer die Babynahrung abfülle. Sam und ich sind uns einig, dass Conor so viel Bio und Selbstgekochtes essen sollte wie nur möglich, deshalb bauen wir das meiste Gemüse eigenhändig an, und ich dämpfe und püriere es, um es in Gläschen abzufüllen, die man einfrieren kann. So viel Arbeit ist das eigentlich gar nicht. Und ich denke, wenn es um unsere Kinder geht, kann man sich gar nicht genug Arbeit machen.

Als wir im vergangenen Jahr hierherkamen, war der Garten fünfzehn Jahre lang vernachlässigt worden und vollkommen überwuchert, auf dem Rasen stand meterhoch das Unkraut, die Bäume waren modrig. Wir fällten die kranken Fichten, gruben die Sträucher mit den knotig verwachsenen Wurzeln aus und jäteten den mit Vogelmiere und Ackerfuchsschwanz übersäten Rasen. Dann kauften wir uns ein paar Bücher über Gartenbau und pflanzten Reihen um Reihen die Setzlinge aus dem Gartencenter. Sam baute eigenhändig aus Backsteinen und Holzrahmen ein Gewächshaus für das Gemüse, um es vor dem strengen Frost zu schützen. Es gab eine Schneckenplage und Pilzbefall, manche Setzlinge wollten einfach nicht treiben, außerdem pflanzten wir einiges auch am falschen Ort oder zur falschen Jahreszeit an. Doch ganz allmählich fanden wir heraus, in welchem Rhythmus man pflanzen und ernten muss, wie lange es dauert, bis der Kohl wächst, und welches der optimale alkalische Gehalt des Bodens ist. Mittlerweile sind wir fast zu Experten geworden, oder zumindest ich. Ebenso wie die Küche ist auch der Garten mein Bereich.

Zu dieser Jahreszeit mangelt es an nichts. Ich bin jeden Morgen draußen und säe an, jäte Unkraut und ernte das Gemüse, das reif ist. In der Luft liegt der schwere Geruch nach Erde, ein Geruch, so gesund und gut. "Zurück zu unseren Ursprüngen", sagt Sam. Er tut immer so, als würde er den Unterschied schmecken; dann nimmt er eine Gabel voller Salat und rät, ob es selbst angebauter oder gekaufter aus dem Supermarkt ist. Ich sage ihm normalerweise nicht, wenn er falsch liegt. Ich möchte nicht, dass er sich blöd vorkommt.

Wenn ich Babynahrung zubereite, dünste ich das Gemüse mit ein wenig Wasser. Ein Topf für die Karotten, einer für den Brokkoli, einer mit Zucchini. Ich etikettiere die Gläschen, als könnte das Baby schon lesen und würde sich sein Abendessen selbst aussuchen. Sam liebt es, die Kühlschranktür zu öffnen und all die Gläschen aufgereiht zu sehen, wie eine kleine Armee von Soldaten, die nur darauf warten, verfüttert zu werden.

"Wer war denn da heute wieder eine fleißige kleine Hausfrau?", sagt er dann.

"Na ja, das war dann wohl ich", erwidere ich und zwinkere ihm zu. Ganz sittsam und artig.

Natürlich bin ich eine fleißige kleine Hausfrau. Das ist die Rolle, für die ich geboren bin, sagt Sam. Er kriegt nicht genug von mir, wenn ich so bin: ganz die gute Ehefrau und Mutter. Vielleicht hat er ja recht, und ich bin dafür geboren. Jedenfalls mache ich meine Sache gut. Ein Naturtalent, könnte man sagen, wenn man nicht wüsste, wie viel Mühe es mich kostet, diesem Bild zu entsprechen.

Aber egal; es ist die Anstrengung wert, oder nicht? Was sonst hätte ich verlangen können? Und was brauche ich mehr? Die Liebe eines Ehemannes, ein Kind als Geschenk. Das ist genug - das ist alles.

Manchmal fühle ich mich in diesem neuen Leben, als wäre ich einer der Siedlerfrauen aus dem achtzehnten Jahrhundert. Ich baue mein Gemüse an, backe Brot, gehe auf den Wochenmarkt und stelle mir meinen kleinen Karton mit den Sachen zusammen, die ich selbst nicht ziehen kann - Zucchini, Grünkohl, Sellerie. Sam staunt über das Angebot hier - wie frisch der norwegische Lachs ist, wie gut die echte Bauernbutter schmeckt, oder die Eier, fast noch warm von der Henne.

"Wie haben wir es in

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