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Die Rache der Polly McClusky Roman von Harper, Jordan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2018
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Rache der Polly McClusky

Vater und Tochter auf der Flucht: "Jordan Harpers Sätze treffen mit der Wucht einer Shotgun" Los Angeles Magazine Polly McClusky ist elf und eigentlich zu alt für den Teddybär, den sie überallhin mitnimmt, als überraschend ihr Vater vor ihr steht. Nate ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um Polly das Leben zu retten. Denn auf Polly ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate hat sich im Knast einen mächtigen Feind gemacht: die Gang Aryan Steel hat ihn und seine Familie zu Freiwild erklärt. Nates Exfrau wurde bereits getötet, Polly ist die nächste auf der Liste. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen einen selbstbewussten Fighter. Und durch Pollys Scharfsinn halten sie den Vorsprung vor ihren Verfolgern. Bald ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein normales Leben führen kann. 'Ergreifendes Porträt einer Vater-Tochter-Beziehung, umzäunt von Stacheldraht.' Booklist "Ein junger Autor, der nur noch kurze Zeit unter dem Radar bleiben wird. Jordan Harper schlägt ein wie das sanfte Brennen eines Schluck Whiskeys." Huffington Post Ausgezeichnet mit dem Edgar Award in der Kategorie Best First Novel Jordan Harper wurde 1976 in Missouri geboren. Er war Musikjournalist, Filmkritiker und Fernsehautor. Als Drehbuchautor war er u.a. Lead Writer bei den Fernsehserien 'The Mentalist' und 'Gotham'. Zurzeit lebt er in Los Angeles und arbeitet am Drehbuch von 'Die Rache der Polly McClusky'. Er wird außerdem das Script zur TV-Serie 'L.A. Confidential' schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 23.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843717106
    Verlag: Ullstein
    Größe: 742 kBytes
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Die Rache der Polly McClusky

1

POLLY

Fontana

Sie ließ die Schultern hängen wie ein Loser, versteckte ihr Gesicht hinter den Haaren, aber sie hatte Augen wie ein Revolverheld.

Die Augen von ihrem Dad, sagte ihre Mom, meist nach ein paar Whiskey-Pops, wenn sie es hinbekam, über ihren Ex zu sprechen, ohne von Wut vergiftet zu werden. Dann zerkaute sie das Eis und erzählte Polly von seinen besonderen, strahlend blauen Augen. Und dass Wild Bill Hickok, Jesse James und Kampfpiloten die gleichen hätten. Dass Scharfschützenausbilder Rekruten mit genau solchen hellen, blauen Augen suchten. Polly sagte ihrer Mutter nicht, was sie wirklich dachte. Hätte sie's getan, hätte sie gesagt, dass das mit den Revolverheldenaugen nach verkacktem Bockmist klang. Polly konnte gar keine Revolverheldenaugen haben, weil sie kein Revolverheld war. Polly war niemals gewalttätig, gegenüber nichts und niemandem, außer der Haut an ihren Fingernägeln und ihren Lippen, die sie wund kaute.

Polly hielt also nicht viel von Revolverheldenaugen. Jedenfalls nicht, bis sie eines Tages zur Tür der Fontana Middle School herausspazierte und in die Augen ihres Vaters starrte.

Revolverheldenaugen, ungelogen. Hellblau, genau wie ihre eigenen, aber da war noch was anderes, das Pollys Herz bis ins Genick schlagen ließ. Später erfuhr sie, dass Augen nicht nur spiegeln, was sie gerade sehen. Sie spiegeln auch das, was sie vorher gesehen haben.

Polly hatte ihren Dad über die Hälfte ihrer elf Jahre nicht gesehen, aber sie erkannte ihn ohne jeden Zweifel. Und als sie ihn dort entdeckte, wusste sie noch etwas. Er musste ausgebrochen sein. Ihr Dad war einer von den Bösen, ein Gangster, und eigentlich gehörte er ins Gefängnis. Ihre Mom hatte gesagt, er habe lieber einer von den Bösen sein wollen als ein Ehemann oder ein Vater. Polly wusste, dass er manchmal Briefe geschickt hatte, aber ihre Mom hatte ihr nie erlaubt, sie zu lesen, und vor ein paar Jahren hatte er aufgehört, welche zu schreiben. Sie wusste, wenn man einen Vater hatte, der einer von den Bösen war, war das praktisch so, als hätte man gar keinen. Besonders wenn er im Gefängnis saß. Sie hatte ihre Mom sagen hören, dass er noch mindestens vier Jahre vor sich hatte, vorher würden die nicht mal darüber nachdenken, ihn rauszulassen, und auch dann nur, wenn er sich gut benommen hatte. Ihre Mom hatte starke Zweifel, dass Nate McClusky dazu überhaupt in der Lage war.

Wenn er jetzt also hier stand und nicht in Susanville saß, dann musste er ausgebrochen sein. Polly fragte sich, ob sie weglaufen oder nach einem Erwachsenen schreien sollte, nach den anderen Eltern oder einem Lehrer. Aber sie tat nichts. Sie stand einfach nur da, erlaubte sich, vor Angst zu erstarren.

Vielleicht würde sie aber gar nicht schreien oder um Hilfe rufen müssen. Hätte ein Erwachsener hingesehen, hätte ein Blick genügt, um zu merken, dass hier was nicht stimmte. Ihr Dad sah nicht aus, als würde er zu den anderen Eltern gehören, die alle weiche Elternkörper hatten, weiche Elternaugen. Sein Gesicht war wie aus Stein gemeißelt und er war überall tätowiert. So was zeichneten die Jungs in ihrer Klasse hinten auf die Rückseiten ihrer Schulhefte, Drachen und Adler und Männer mit Äxten. Seine Muskeln waren so kräftig und klar definiert, dass es fast aussah, als hätte er gar keine Haut, als wären die Tattoos direkt auf die Muskeln gestochen. Die Haare, die auf den Bildern genauso strohblond waren wie ihre eigenen, hatte er abrasiert. Seinen Gesichtsausdruck kannte Polly weder von den Bildern, die sie im Laufe der Jahre von ihm gefunden hatte, noch aus ihrer verschwommenen Erinnerung. Sie kam nicht drauf, was sein Blick zu bedeuten hatte, aber wegen ihm fühlte sie sich noch schlechter.

Der Tag war heiß und der Himmel schmutzig, die Kinder gingen schnell zu den klimatisierten Autos ihrer Eltern. Sie ignorierten Polly, so wie Löwen mit Blut am Maul Gazellen ignorieren, weil sie gerade erst gef

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