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Die Schneetoten Ein Kanada-Krimi von Fradkin, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Die Schneetoten

Verschollen im Wintercamp. Amanda Doucette ist mit Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität in einem Wintercamp. Bis auf Luc sind alle aus politischen Krisengebieten nach Kanada gekommen. Zuerst verschwindet Luc, kurz darauf Yasmina, Tochter aus gutem irakischem Hause, in den unendlichen weißen Weiten. Amanda macht sich mit ihrem Hund Keely und Chris Tymko auf die Suche nach beiden. Schon bald erfährt sie, dass Jasmina zu einer Gruppe radikalisierter Jugendlicher gehört. Was hat sie vor?

Barbara Fradkin, geboren in Montreal, studierte Psychologie und arbeitete als Kinderpsychologin, bevor sie sich entschloss, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Die dreifache Mutter hat zahlreiche Kurzgeschichten und acht Kriminalromane veröffentlicht.

Bei Aufbau Taschenbuch erschienen bisher ihre Romane "Tote Spur. Verschollen in den Wäldern Kanadas" (2014) und "Die Toten in den Klippen"(2016).

Mehr Informationen zur Autorin unter www.barbarafradkin.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 07.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215178
    Verlag: Aufbau Verlag
    Serie: Aufbau Taschenbücher .3382
    Originaltitel: The Trickster's Lullaby
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Die Schneetoten

1. Kapitel

Die Fremde, die gegen die Tür hämmerte, hatte weder eine Entschuldigung parat, noch nannte sie ihren Namen. Sie stand in der Türöffnung und trotzte der Kälte, während ihr Atem weiße Wirbel in die eisige Luft malte.

"Amanda Doucette?", fragte sie.

Ihr Tonfall ließ Amanda argwöhnisch zurücktreten. Die Frau trug einen zerschlissenen marineblauen Parka und einen roten glockenförmigen Hut mit passenden Fausthandschuhen und wirkte ziemlich harmlos, doch in ihrer Stimme schwang Verzweiflung mit. Durch ihre jahrelange Arbeit in internationalen Hilfsorganisationen wusste Amanda, dass verzweifelte Menschen gefährlich werden können. Sie war allein und selbst in dem ruhigen, abgelegenen Wochenendhäuschen in den ausgedehnten Wäldern der Provinz Québec nicht sicher.

"Sind Sie Amanda Doucette?", wiederholte die Frau, diesmal sogar noch schärfer. Der Tonfall der Québecer war jetzt deutlicher zu erkennen.

Amanda warf einen Blick auf den kleinen Honda, der in der verschneiten Einfahrt parkte. Der Wagen war einmal weiß gewesen, wirkte jedoch unter mehreren Schichten aus Salz und Rost wie marmoriert. Ein Scheinwerfer war zerbrochen, ein Kotflügel verbeult. Genau wie bei seiner Besitzerin hatte die Zeit auch bei dem Fahrzeug ihre Spuren hinterlassen. Amanda ließ sich erweichen.

"Ja", antwortete sie. "Kann ich Ihnen helfen?" Sie packte das Halsband von Kaylee, ihrer Hündin, die angerannt kam, um den Besuch zu begrüßen. Sie hätte die Frau hereinbitten sollen, doch auch nach anderthalb Jahren war Vertrauen für sie immer noch ein unzuverlässiger Verbündeter, der sie beim ersten Anzeichen von Gefahr im Stich ließ. Das Häuschen war ihr ganz persönlicher Zufluchtsort, ihr verstecktes, der Öffentlichkeit nicht bekanntes Refugium, in dem sie nicht von sensationshungrigen Neugierigen behelligt wurde. Kaum jemand wusste, wo es lag.

"Ich möchte, dass Sie meinen Sohn auf Ihren Ausflug mitnehmen."

Wieder spürte Amanda diese Beklemmung, den Druck, den sie nicht vorhergesehen hatte, als Matthew Goderich sie im vergangenen September überredete, zu wohltätigen Zwecken ihr Reiseprogramm Familien-Spaß aus der Taufe zu heben. Die Idee hatte sie begeistert: Abenteuerfahrten für benachteiligte Jugendliche, die sie wenigstens für kurze Zeit den täglichen Kampf des Lebens vergessen ließen. Und Matthew, der unübertreffliche Organisator, hatte ihr versprochen: "Du planst den Spaß, ich suche die Familien." Aber die Nachfrage nach den Erlebnisreisen war überwältigend gewesen und die Auswahl der Teilnehmer qualvoll. So viele bedürftige Kinder, so wenig verfügbare Plätze.

"Steht er auf der Liste?", fragte sie, wohl wissend, dass sie sich anhörte wie jeder andere Bürokrat.

"Er sollte draufstehen, aber am College befand man, dass er wegen seiner Vergangenheit ungeeignet sei. Darf ein Achtzehnjähriger denn keine Fehler machen?" Sie umklammerte Amandas Arm. "Er ist ein guter Junge. Aber er braucht Zuspruch, um seinen Weg zu finden. Bitte."

Amanda wickelte ihre ausgebeulte Fleecejacke enger um sich, denn ein kalter Wind wehte durch die offene Tür. Sie hatte zwei Möglichkeiten: Entweder sie wies die Frau unter einem bürokratischen Vorwand ab, was sie grundsätzlich verabscheute - Ich mache die Listen nicht -, oder sie bat sie herein, um sich ihre Version der Geschichte anzuhören. Als Mitarbeiterin internationaler Hilfsorganisationen hatte Amanda zu viele Jahre gegen die Willkür von Bürokraten gekämpft, um sich jetzt genauso zu verhalten.

Ein dankbares Lächeln erhellte das Gesicht der Frau, als Amanda sie hereinbat. Während sie die Stiefel auszog, entschuldigte sie sich für den Schnee auf dem Parkett aus Kiefernholz. "Merci mille fois" , sagte sie. "Schon allein dafür, dass Sie mich anhören und meinen Sohn nicht wie einen faulen Apfel aussortieren."

"Wie heißt er denn?"

Die Frau sah auf, und ihre blonden Locken fielen ihr über die Augen. Das

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