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Die Schwester Roman von Fielding, Joy (eBook)

  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Schwester

Ein kleines Mädchen verschwindet. Ihre Mutter und ihre Schwester bleiben zurück. Und werden Jahre später mit einer Wahrheit konfrontiert, die sie ins Herz der Finsternis führt ... Caroline Shipley ist voller Vorfreude, denn ihr Mann Hunter hat sie zur Feier ihres Hochzeitstages in ein Luxushotel in Mexiko eingeladen. Gemeinsam mit ihren beiden kleinen Töchtern reisen sie an und beziehen ihre komfortable Suite. Doch was als paradiesischer Aufenthalt geplant war, wandelt sich zum tiefen Trauma in Carolines Leben, von dem sie sich nie erholen wird - denn eines Abends wird die zweijährige Samantha aus der Suite entführt und bleibt für immer verschwunden. Caroline zerbricht beinahe an dem Verlust und muss sich auch noch den Verdächtigungen der Presse stellen, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Die Jahre vergehen, und irgendwann gibt Caroline selbst den letzten Funken Hoffnung auf, dass Samantha doch noch am Leben ist. Bis sie eines Tages den Anruf einer mysteriösen jungen Frau erhält, die behauptet, ihre verlorene Tochter zu sein - und damit einen Strudel von Ereignissen auslöst, der Caroline die schockierende Wahrheit darüber offenbart, was wirklich geschah in jener heißen Sommernacht in Mexiko ... Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller "Lauf, Jane, lauf" waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641189525
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: She's not there
    Größe: 2225 kBytes
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Die Schwester

KAPITEL 1

Gegenwart

Es war noch nicht mal acht Uhr am Morgen, und schon klingelte das Telefon. Selbst bei geschlossener Badezimmertür und laufender Dusche konnte sie den markanten Drei-Glocken-Klingelton erkennen, der ein eingehendes Ferngespräch ankündigte. Sie beschloss, ihn zu ignorieren, weil es wahrscheinlich sowieso nur ein Telefonverkäufer oder die Presse war. Beide Alternativen waren widerwärtig, aber wenn sie die Wahl hätte, würde Caroline sich für den Telefonverkäufer entscheiden. Telefonverkäufer waren bloß auf ihr Geld aus. Die Presse wollte ihr Blut. Auch nach all der Zeit noch.

Fünfzehn Jahre morgen.

Sie hielt den Kopf unter den heißen Strahl und spürte, wie der Schaum des Shampoos über ihre geschlossenen Augen und Wangen floss. Das konnte nicht stimmen. Wie konnten fünfzehn Jahre endloser Tage und schlafloser Nächte so schnell vergangen sein? Sie hätte gedacht, dass wenigstens die öffentliche Neugier inzwischen abgeflaut wäre. Aber wenn überhaupt, war dieses Interesse mit jedem weiteren Jahrestag eher noch größer geworden. Seit Wochen riefen Reporter an, manche aus so weit entfernten Ländern wie Australien und Japan: Wie war ihr Leben heute? Gab es irgendwelche neuen Spuren? Irgendwelche neuen Männer? Vielleicht einen weiteren Selbstmord? Hatte sie noch Hoffnung, ihre Tochter jemals wiederzusehen? Galt sie für die Polizei immer noch als Verdächtige im Fall des verschwundenen Kindes?

Nur dass Samantha kein Kind mehr sein würde. Sie war kaum zwei Jahre alt gewesen, als sie in einem mexikanischen Luxusresort spurlos aus ihrem Bettchen verschwunden war, während ihre Eltern, wie die Presse zu berichten wusste, "sich mit Freunden in einem Restaurant in der Nähe amüsiert hatten". Heute wäre ihre Tochter siebzehn.

Vorausgesetzt, dass sie noch lebte.

Und um einige der Fragen zu beantworten: Es gab keine neuen Spuren; sie hatte die Hoffnung nie aufgegeben; es war ihr mittlerweile egal, was die Polizei von ihr dachte; und ihr Leben wäre sehr viel besser, wenn die Geier von der Presse sie verdammt noch mal endlich in Ruhe lassen würden.

Mit gesenktem Kopf griff sie nach oben, um die Dusche abzudrehen, und stellte befriedigt fest, dass das aufdringliche Klingeln aufgehört hatte. Ihr war klar, dass es nur ein vorübergehender Aufschub sein würde. Wer immer angerufen hatte, würde es wieder versuchen. Das war immer so.

Sie trat auf den geheizten grau-weißen Marmorboden ihres Badezimmers, wickelte sich in einen weißen Frotteebademantel und wischte mit einer Hand einen Streifen in den beschlagenen Spiegel über dem doppelten Waschbecken. Sie starrte in die müden grünen Augen einer sechsundvierzigjährigen Frau mit feuchtem braunen Haar, kein Vergleich zu der reservierten Schönheit mit dem gehetzten Blick, die die Zeitungen zum Zeitpunkt von Samanthas Verschwinden beschrieben hatten, wobei sie es irgendwie geschafft hatten, die Worte reserviert und Schönheit hässlich und anklagend klingen zu lassen. Um den zehnten Jahrestag herum war aus der Schönheit eine auffällige Erscheinung geworden, reserviert hatte sich in distanziert verwandelt. Und im vergangenen Jahr hatte ein Reporter sie noch weiter degradiert, zu einer immer noch attraktiven Frau mittleren Alters. Es war ein nachlässiges Kompliment, aber trotzdem vernichtend.

Egal. Daran hatte sie sich gewöhnt.

Caroline rubbelte ihre Kopfhaut kräftig mit einem weißen Handtuch ab und sah ihre neue Frisur schlaff um ihr Kinn hängen. Der Frisör hatte versprochen, dass sie mit einem Bob jünger aussehen würde, doch er hatte ihr feines Haar falsch eingeschätzt, das sich einfach nicht in Form bringen ließ. Caroline atmete tief durch und dachte, dass die Zeitungsartikel sie morgen wahrscheinlich als "die ehemals attraktive Mutter des vermissten Kindes Samantha Shipley" bezeichnen würden.

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