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Die Springflut Roman von Börjlind, Cilla (eBook)

  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Springflut

Die berühmtesten Krimi-Drehbuchautoren Schwedens mit ihrem ersten Roman Eine laue Sommernacht im Jahre 1987. Es ist Vollmond im schwedischen Nordkoster. In der Nacht wird es eine Springflut geben - und einen brutalen Mord. Das Opfer: eine junge, hochschwangere Frau. Ihre Identität: unbekannt. Tom Stilton, der ermittelnde Polizeibeamte, zerbricht an diesem Fall. Er kann weder Motiv noch aussagekräftige Spuren finden. Die Tat bleibt ungesühnt ... 23 Jahre später: Eine Serie von feigen Angriffen auf Obdachlose erschüttert die Hauptstadt Stockholm. Die Ermittlungen verlaufen schleppend. Olivia Rönning, angehende Polizistin im zweiten Jahr ihrer Ausbildung, beobachtet das Geschehen aus der Distanz. Sie ist mit anderen Dingen beschäftigt. Sie soll einen "Cold Case" knacken - den Tod einer jungen Frau an einem Strand vor vielen Jahren klären. Ihr ist klar: Sie muss Tom Stilton finden. Doch der ist wie vom Erdboden verschluckt ... Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchautoren. Sie sind unter anderem verantwortlich für zahlreiche Martin-Beck-Folgen sowie für die viel gepriesene Arne-Dahl-Serie. Ihr Markenzeichen sind starke Charaktere und eine stringente Handlung. Die Romane um die junge Polizistin Olivia Rönning und den ehemaligen Kriminalkommissar Tom Stilton wurden in 30 Länder verkauft und erfolgreich verfilmt. Die Serie läuft mit hohen Einschaltquoten auch im deutschen Fernsehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641106737
    Verlag: btb
    Serie: Rönning & Stilton Bd.1
    Originaltitel: Springfloden
    Größe: 1592 kBytes
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Die Springflut

D ie Decke war heruntergerutscht und ihr nackter Oberschenkel entblößt. Eine warme, raue Zunge leckte sich nach oben. Sie bewegte sich im Schlaf und spürte ein Kitzeln. Als aus dem Lecken ein sanfter Biss in ihren Schenkel wurde, schoss sie hoch und verscheuchte den Kater.

"Nein!"

Mit dem Ausruf war allerdings nicht der Kater, sondern ihr Wecker gemeint. Sie hatte verschlafen, und zwar gründlich. Außerdem war ihr Kaugummi, das sie an den Bettpfosten gepappt hatte, abgegangen und hatte es sich in ihren langen, schwarzen Haaren bequem gemacht. Die Lage war ernst.

Sie sprang aus dem Bett.

Durch die einstündige Verspätung mussten sämtliche morgendlichen Prozeduren unter Zeitdruck absolviert werden. Ihre Fähigkeit, simultan zu handeln, wurde, vor allem in der Küche, auf eine harte Probe gestellt: Die Milch für den Kaffee kochte fast über, gleichzeitig begannen die Toastbrote zu rußen, und ihr nackter rechter Fuß trat in farbloses Erbrochenes, während sie gleichzeitig am Telefon von einem unerträglich aufdringlichen Verkäufer zugetextet wurde, der sie mit ihrem Vornamen ansprach und ihr garantierte, er habe nicht vor, ihr etwas aufzuschwatzen, er wolle sie nur zu einem Kurs in Finanzberatung einladen.

Die Lage war katastrophal.

Als Olivia Rönning aus dem Mietshaus in der Skånegatan eilte, war sie immer noch ziemlich gestresst. Sie war ungeschminkt und hatte ihre langen Haare hastig zu etwas hochgesteckt, was an einen Dutt erinnerte. Ihre dünne Kunstlederjacke stand offen, darunter lugte ein gelbes T-Shirt hervor, das unten etwas ausgefranst war. Ihre verwaschene Jeans endete in einem Paar ausgelatschter Sandalen.

Auch an diesem Tag schien wieder die Sonne.

Sie überlegte kurz, für welchen Weg sie sich entscheiden sollte. Welcher war schneller? Der rechte. Sie hastete im Laufschritt los und warf am Supermarkt einen hastigen Blick auf die Schlagzeilen der Zeitungen: "WIEDER EIN OBDACHLOSER SCHWER MISSHANDELT" .

Olivia lief weiter.

Sie war auf dem Weg zu ihrem Auto, denn sie musste nach Sörentorp in Ulriksdal nördlich der Stadt. Zur Polizeischule. Sie war dreiundzwanzig Jahre alt und im dritten Semester. In sechs Monaten würde sie sich bei einem Revier in Stockholm und Umgebung als Polizeianwärterin bewerben.

Ein halbes Jahr später würde sie dann eine fertig ausgebildete Polizistin sein.

Etwas außer Atem erreichte sie den weißen Mustang und zog die Schlüssel aus der Tasche. Den Wagen hatte sie von ihrem Vater Arne geerbt, der vier Jahre zuvor an Krebs gestorben war. Es war ein Cabriolet. Jahrgang 1988, rote Ledersitze, Automatikgetriebe und glatte vier Zylinder, die wie ein V 8 röhrten. Viele Jahre war der Mustang der Augenstern ihres Vaters gewesen, und jetzt gehörte er ihr. Neuwertig war er nicht gerade, die Heckscheibe musste sie von Zeit zu Zeit mit Klebeband befestigen, und der Lack hatte ein paar Krat zer abbekommen. Aber bei der Hauptuntersuchung lief es fast immer tadellos.

Sie liebte ihr Auto.

Mit ein paar simplen Bewegungen öffnete sie das Verdeck und setzte sich ans Steuer. Dort nahm sie, nur für zwei Sekunden, fast immer das Gleiche wahr: einen Duft. Nicht den der Sitze, sondern den Geruch ihres Vaters, das Coupé roch nach Arne. Zwei Sekunden nur, dann war er verflogen.

Sie steckte die Ohrstöpsel ins Handy, ließ Bon Iver laufen, drehte den Zündschlüssel, schaltete auf Drive und fuhr los.

Bald würden die Sommerferien beginnen.

Eine neue Ausgabe von Situation Stockholm , der Stockholmer Obdachlosenzeitung, war gerade frisch erschienen. Nummer 166. Mit Prinzessin Victoria auf dem Cover und Interviews mit den Sahara Hotnights und Jens Lapidus. Die Redaktion in der Krukmakargatan 34 war deshalb voller obdachloser Verkäufer, die sich ihre Exemplare der neuen Ausgabe abholen wollte

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