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Die Spur des Adlers von Hillerman, Tony (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2014
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Die Spur des Adlers

Ein raffinierter und spannender Kriminalroman vom vielfach preisgekrönten Autor Tony Hillerman - und ein faszinierender Blick in die fremdartige, von der modernen Zivilisation bedrohte indianische Kultur. Eigentlich will Jim Chee seinem Officer die Leviten lesen, denn der belästigt im Dienst immer wieder Frauen. Doch dafür ist es nun zu spät. Chee findet den Cop erschlagen auf einem Berg im Hopi-Reservat. Der vermeintliche Täter kniet noch neben ihm - ein Hopi, der gerade illegal einen Adler für eine heilige Zeremonie gefangen hat. Auf den Mann wartet die neu eingeführte Todesstrafe - wenn nicht ausgerechnet Chees Verlobte, Janet Pete, seine Verteidigung übernähme. Und wenn nichts Chees ehemaliger Chef, der legendäre Joe Leaphorn, bei dem Fall mitmischte. Leaphorn soll eine Biologin wiederfinden, die der tote Officer zuletzt belästigte. Sie verschwand in der Gegend und zur Zeit des Mords ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 13.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955304911
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2328 kBytes
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Die Spur des Adlers

2

Lieutenant Jim Chee von der Navajo Tribal Police fühlte sich in seinem Herzen den alten Navajo-Traditionen verbunden, und deshalb öffnete sich die Tür seines Trailers nach Osten. In der Morgendämmerung dieses 8. Juli betrachtete er den Sonnenaufgang, verstreute ein wenig Maispollen aus seinem Medizinbeutel, um den Tag zu segnen, und überlegte, was er ihm bringen mochte.

Er dachte zunächst über den unangenehmen Teil nach. Auf seinem Schreibtisch im Büro in Tuba City wartete der Bericht über den letzten Monat, seinen ersten als kommissarischer Leiter der Polizeinebenstelle, noch immer auf seine Fertigstellung. Er war bereits seit mehr als einer Woche überfällig. Doch der verhaßte Papierkram würde geradezu ein Vergnügen sein im Vergleich zu der anderen Aufgabe, die heute anstand: Officer Ben Kinsman klarzumachen, sich bei seinen Handlungen in Zukunft gefälligst etwas weniger von seiner Libido leiten zu lassen.

Der angenehme Teil des Tages betraf, wenn auch nicht ganz direkt, seine eigene Libido. Janet Pete hatte beschlossen, Washington zu verlassen und ins Navajo-Land zurückzukehren. Ihr Brief war freundlich, aber ziemlich unpersönlich gewesen, ohne die geringste Andeutung irgendeines romantischen Gefühls. Aber immerhin, sie kam wieder her. Wenn er die Sache mit Kinsman hinter sich gebracht hatte, würde er sie anrufen, um vorsichtig die Lage zu sondieren. Betrachtete sie sich noch als seine Verlobte und hatte vor, ihre komplizierte Beziehung weiterzuführen? Wollte sie mit ihm zusammen versuchen, ihre Unterschiede zu überbrücken? Hatte sie vielleicht sogar vor, ihn zu heiraten? Und falls ja, wäre er selbst dazu überhaupt bereit? Aber wie immer auch die Antwort auf diese Frage lauten mochte, die Hauptsache war, sie kehrte zurück, und deshalb lächelte Chee glücklich vor sich hin, während er das Frühstücksgeschirr abwusch.

Die gute Laune verging ihm, kaum daß er sein Büro betreten hatte. Officer Kinsman, der ihn dort erwarten sollte, war nicht da. Claire Dineyahze lieferte die Erklärung.

"Er hat mir gesagt, er müsse gleich rausfahren nach Yells Back Butte, um den Hopi zu stellen, der dort seit einiger Zeit Adler wildert."

Chee holte tief Luft und öffnete den Mund, schloß ihn aber gleich wieder. Er wollte Mrs. Dineyahze die obszönen Flüche ersparen, die ja ohnehin Kinsman galten.

Mrs. Dineyahze verzog ein wenig den Mund und schüttelte den Kopf, offenbar mißbilligte sie das Verhalten des Officer ebenfalls. "Ich nehme an, daß es der Mann ist, den er im letzten Winter schon einmal da draußen festgenommen hat", sagte sie, "derselbe, den wir gleich wieder laufenlassen mußten, weil Benny vergessen hatte, ihn über seine Rechte aufzuklären. Aber das ist nur eine Vermutung, er wollte mir ja nichts Genaues sagen. Hat mich nur mit diesem Blick angesehen. So ...!" Sie legte den Kopf in den Nacken und hob hochmütig die Augenbrauen. "Seinen Informanten dürfe er nicht nennen, hat er behauptet, das sei vertraulich." Es war deutlich, daß Mrs. Dineyahze Kinsmans Zurückhaltung als kränkend empfand. "Bestimmt eine von seinen vielen Freundinnen."

"Ich werde das herausfinden", sagte Chee. Es war an der Zeit, das Thema zu wechseln. "Ich muß zusehen, daß ich heute endlich den Juni-Bericht fertig mache", sagte er. "Gibt es sonst noch etwas?"

"Nun ja", begann Mrs. Dineyahze und hielt dann inne.

Chee wartete.

Mrs. Dineyahze zuckte die Schultern. "Ich weiß, daß Sie Klatsch nicht mögen", sagte sie, "aber Sie werden es ohnehin bald offiziell erfahren."

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