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Die stille Tochter Thriller von Sveen, Gard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die stille Tochter

Wer ist Freund und wer ist Feind? Oslo, 1982: An einem eiskalten Dezembertag verschwindet die ehemalige DDR-Bürgerin und KGB-Agentin Christel Heinze. Hat ihre große Liebe Arvid Storholt, ein berühmt berüchtigter Doppelagent, damit zu tun? War es wirklich wahre Liebe oder nur eine Gelegenheit zum Verrat? Oslo, 2016: In einem See werden die Überreste einer Frauenleiche gefunden. Kurz darauf wird Arvid Storholt ermordet. Tommy Bergmann, selbstzerstörerischer Ex-Polizist, ermittelt für den norwegischen Geheimdienst. Gibt es eine Verbindung zwischen der toten Unbekannten und dem ermordeten Sowjetagenten? Tommy Bergmann stößt auf einen alten Skandal, der auch ihm selbst gefährlich werden kann. Gard Sveen, geboren 1969, ist Staatswissenschaftler und hat viele Jahre als Seniorberater im norwegischen Verteidigungsministerium gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Der erste Band der Serie um Tommy Bergmann DER LETZTE PILGER wurde mit dem Rivertonpreis 2013 und dem Glass Key Award 2014 ausgezeichnet, dem wichtigsten skandinavischen Krimipreis. Gard Sveen lebt in Ytre Enebakk, einem kleinen Ort in der Nähe von Oslo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 31.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843720342
    Verlag: Ullstein
    Serie: Tommy Bergmann .4
    Originaltitel: Bjørnen
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Die stille Tochter

Teil2

Mai 1975
1

Sie hatte nicht bemerkt, dass er sich von hinten leise genähert hatte. Plötzlich legten sich seine Arme um ihren nackten Bauch. Sie war eine Woche überfällig, weinte aber nicht deshalb. Vielleicht gäbe ein Kind dem Ganzen mehr Sinn?

Auf dem Couchtisch lag die Ausgabe der Aftenposten, die sie gestern auf dem Weg zum Ferienhaus gekauft hatten. Sie waren unweit von Tønsberg am Meer.

Waffenstillstand abgelehnt, beginnt jetzt das dramatische Schlusskapitel des Vietnamkriegs? Die Schlagzeile wurde begleitet von dem Bild eines amerikanischen Helikopters auf dem Dach der amerikanischen Botschaft in Saigon. Daneben prangte ein Bild von zwei weinenden vietnamesischen Frauen vor den Ruinen ihrer Häuser.

Es war noch nicht einmal acht Uhr morgens, trotzdem war sie seit zwei Stunden wach. Noch nie hatte sie am 1. Mai lange schlafen können, dieser Tag war sicher für den Rest ihres Lebens in ihren Genen verankert. Und dazu kam noch, dass die Nordvietnamesen Saigon eingenommen hatten.

"Ich dachte, wir wollten ausschlafen?", sagte er. Sie sog seinen Duft ein und fand, dass er mehr nach ihr als nach ihm selbst roch. Wie sie es bei ihrer Beziehung vermeiden konnte, schwanger zu werden, wusste sie nicht, doch er schien sich darüber nicht einmal Gedanken zu machen.

Sie nickte, drehte sich aber nicht um.

Das Radio spielte leise in der Küche. Klassische Musik, vielleicht Brahms.

Vor ihr lag still der Fjord, die ganze Welt schien in Grautönen gefärbt zu sein.

"Willst du ein Kind mit mir?", fragte sie leise.

"Du bist knapp zwanzig Jahre alt", erwiderte er.

"Antworte mir einfach. Ich meine ja nicht jetzt."

"Ja, natürlich."

"Verlässt du sie dann?" Sie hatten schon am Vortag darüber gesprochen, auf dem Weg hierher. Da war es noch warm und sonnig gewesen, nicht kalt und grau wie jetzt. Es war das ernsthafteste Gespräch gewesen, das sie je mit jemandem geführt hatte. Er hatte das Thema angesprochen, hatte gesagt, dass er sich mehr wünsche, dass er es von dem Augenblick an gewusst habe, als er sie zum ersten Mal gesehen habe. Christel war bewusst geworden, dass sie ebenso dachte. Wenn er denn die Wahrheit sagte. Sie müssten aber bis zum nächsten Jahr warten, sagte er. Wegen seiner Tochter. Sie liege in der Sprachentwicklung zurück und ginge noch zum Logopäden. Sie müssten warten, bis sie etwas robuster sei. Im Sommer sollte sie in der Grundschule anfangen. Wenn sie in die zweite Klasse käme, wollte er es seiner Frau sagen. Er hatte es Christel sogar versprochen. Was soll das bedeuten, robust?, hatte Christel gefragt und keine Antwort bekommen.

Die Stimme des Radiosprechers erklang: Mit dem Fall von Saigon ist der Vietnamkrieg zu Ende. Es ist eine vernichtende Niederlage für die USA, die ihren ersten Krieg verloren haben. Der Prestigeverlust ist so demütigend und groß, dass die Konsequenzen noch gar nicht abzusehen sind.

"Wenn es eine Zukunft für uns geben soll, dann musst du ein Kind mit mir wollen. Verstehst du das, Bjørn?"

"Ich kann in die Partei eintreten", sagte er. "Für dich."

Er streichelte ihre Brüste und schob die andere Hand zwischen ihre Beine.

"Jetzt nicht, Bjørn", sagte sie und nahm sie weg. "Aber das mit der Partei finde ich gut." Sie drehte sich um und küsste ihn, nur um die Stimmung zu glätten.

"Ich kann keinen Mann haben, der die Rechten wählt. Ganz bestimmt nicht heute."

"Komm wieder ins Bett", bat er. "Wir haben doch frei heute."

"Ich komme ins Bett, wenn du mir versprichst, in die Partei einzutreten."

Die ganze Situation war für ihn sicher absurd, aber sie hatte ihm schon vor Wochen gesagt, dass sie nur mit einem Mann zusammen sein könne, der in der gleichen Partei sei wie sie selbst. Vielleicht hatte das alles etwas mit Sicherheit zu tun, sie war in der Partei aufgewachsen, war wie alle anderen Kinder eins mi

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