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Die Studentin Ein Fall für den Frisör von Schünemann, Christian (eBook)

  • Verlag: Diogenes
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Die Studentin

Eine Leiche stört die Ruhe der Geisteswissenschaften - es ist mords was los an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität! Ein neuer Fall für Tomas Prinz, Starfrisör und Detektiv wider Willen. Christian Schünemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und schreibt auch als Storyliner und Drehbuchautor. Die Studentin Der Frisör Der Bruder Daily Soap

Produktinformationen

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Die Studentin

[8] 1

Ich sah auf die Uhr. Noch vier Stunden bis zum Auftritt. Meine Tänzer reihten sich zur Musterung. Alles so weit sehr schön. Den Cowboyhut lässig im Nacken, damit man über Stirn und Ohren das Konzept der Schnittkonturen erkennt, das Dennis, mein Top-Stylist, dringend noch besser herausarbeiten musste. Dazu die enganliegenden Leggins als violett schimmernder Kontrast zu den silbernen Cowboystiefeln - genau so hatte ich es mir vorgestellt. Aber bitte nicht mit diesem Gekräusel: "Ich hatte gesagt: Keine Brusthaare!"

"Rasierschaum für Henry und Jimmy." Kitty notierte.

Ich sagte: "Und für Archie etwas zum Ausstopfen. Ich will nicht, dass ihm die Stiefel ins Publikum fliegen."

"No problem", meinte Kitty.

Diese Kleinigkeiten gehören zur Vorbereitung der Show wie Lavendel in die Pflege für strohiges Haar. Den ganzen Tag schufteten die weltweit besten Frisöre hinter den Kulissen mit Perücken, Schminke und Stoffen für eine Drei-Minuten-Show, damit am Abend, draußen auf der Bühne, nichts haken und alles glatt durchlaufen würde. Aber nicht so: Was, bitte schön, sollte ich mit diesem Haarteil anfangen?

Bea, meine Farbstylistin, hatte es noch in München vor unserer Abreise für dieses Styling eingefärbt. Raffiniert [9] schimmerte es in einem leuchtenden Orange, aber um glatt zu liegen, war es zu dick, im Ansatz zu wulstig, und in den Spitzen franste es struppig aus. Wozu castete ich ein Supermodel mit Beinen bis zum Mond und Augen wie der tiefblaue Himmel, wenn ich es mit diesem Lappen auf dem Kopf über die Bühne schickte? Totlachen würden sich die Modejournalisten und Fotografen, die mit Stielaugen und riesigen Objektiven lauerten und abschätzten, was der große Tomas Prinz ihnen hier, bei der diesjährigen Alternative Hair Show, als den letzten Schrei präsentierte. Ich war unter Druck und behindert von dem Kerl, der mit geschulterter Kamera fürs Fernsehpublikum einfing, wie ich hier bei der Vorbereitung ratlos das Haarteil drehte und wendete.

"Bea, was ist da passiert?", fragte ich streng.

"Das Haar ist nicht richtig geknüpft." Bea war ganz sachlich. "Mir kam es gleich komisch vor. Darum hatte ich dich gestern ja auch gebeten, dass du es dir noch einmal anschaust."

Mein Fluch war nicht mehr als ein Schnalzen im Geschrei und Gelächter. Meine Konkurrenten hatten keine Probleme, arbeiteten zügig und wussten genau, was sie taten. Das Kerlchen aus der Chicago-Truppe besprühte mit Hingabe die Sohlen von extravaganten Stiefeln. Wie Zipfelmützen wurden sie von seinen Kollegen mit Nadel und Faden auf das Resthaar eines weißgeschminkten Schädels geheftet. Keine leichte Aufgabe. Die Römer montierten in einem Nest aus meterlang geschweißtem Kunsthaar eine asymmetrische Styroporvorrichtung. Und der Kollege aus Wien drückte einen Strubbelkopf mit sanfter Gewalt in eine Gummimaske mit erbsengroßen Warzen. Auch eine hübsche Idee. Die [10] Frage bei diesem Wettkampf lautete: Wer bekommt vom Publikum - fünftausend angereiste Frisöre, die einmal im Jahr die Besten der Besten erleben wollen - heute Abend am meisten Jubel und Applaus? Wir wohl kaum. Wir hatten einen verknüpften Lappen und eine handfeste Krise. Ich schmiss das Haarteil in den Müll.

Bea zog sich wie ein Statist in den Hintergrund zurück, und Dennis ließ die Schere sinken. Ich musste entscheiden, wie es weiterging, müsste, wie Mutter es mit lauter Stimme in ihren Sitzungen tut, meine Leute auf Spur bringen und augenblicklich die richtige Entscheidung treffen. Ich sagte: "Kurze Pause."

Erst einmal raus hier.

Was gelang mir überhaupt? Nicht mal, Aljoscha am Telefon zu überreden, von Moskau nach London zu kommen und sich meine Show anzusehen. Wir hatten heftig gestritten, gestern Abend. Ich stolperte.

"Tommy, how does it look like?" Julia, meine Choreographin, hatte es sich mit ausgestrecktem Bein und einem Becher Kaffee unter einem

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