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Die Toten der North Ganson Street Roman von Zahler, S. Craig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.08.2016
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Toten der North Ganson Street

Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia , weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden.
Weil seine Vorgesetzten ihn für den Selbstmord eines Geschäftsmannes verantwortlich machen, muss Jules Bettinger das sonnige Arizona verlassen und mit seiner Familie ins eiskalte Missouri ziehen. Sein neuer Einsatzort ist Victory, doch die Stadt ist alles andere als ein Gewinn. Die Polizeibehörde ist sträflich unterbesetzt, auf jeden Ermittler kommen gefühlt siebenhundert Straftäter. Dennoch wird Bettinger von den neuen Kollegen alles andere als willkommen geheißen. Um mit ihnen warmzuwerden, bleibt ihm allerdings kaum Zeit: Einer nach dem anderen wird auf grausame Art ermordet ... S. Craig Zahler wurde 1973 in Miami, Florida, geboren. Er schreibt Romane und Drehbücher. Sein Regiedebüt Bone Tomahawk wurde mit Kurt Russell in der Hauptrolle verfilmt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 08.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518745366
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Mean Business On North Ganson Street
    Größe: 5011 kBytes
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Die Toten der North Ganson Street

III
Stark vereinfachter Multiple-Choice-Test

Bettinger sah zu, wie zwei Angestellte einer Reinigungsfirma eine Leiter aufbauten und der letzten Willensbekundung des Selbstmörders mit Bürsten zu Leibe rückten. Der Ekel stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Der junge Polizist, dem eine Krone aus Kotze mit dazu passenden Schulterstücken aufgesetzt worden war, hatte sich aufgewühlt in einen frühen Feierabend verabschiedet. Die gehirnamputierte Leiche war an einen Ort mit Stahltüren, beißendem Geruch und Digitalthermometern gebracht worden, die sowohl auf der Celsius- als auch auf der Fahrenheitskala tiefe Temperaturen anzeigten.

Der Detective öffnete die Packung, die er eben erst aus dem Automaten herausgezogen hatte. Schritte näherten sich, und dann hörte er, wie sich ein Mann räusperte.

"Der Inspector möchte Sie sprechen."

"Verdammt, nie komme ich dazu, diese Kekse zu essen."

"Ich glaube, Sie werden noch Zeit genug haben. So wie der Inspector Ihren Namen gesagt hat, könnten Sie vielleicht sogar jede Menge Zeit haben."

Bettinger betrachtete Big Tom, dessen Spitzname sich mehr auf seinen beeindruckenden Bauch als auf seine Größe bezog, die eher der einer Chinesin entsprach. Erst jetzt fiel dem Detective auf, wie sehr der Kopf des Büroleiters einer Zwiebel ähnelte.

"Der Inspector ist sauer?", fragte Bettinger eher neugierig als besorgt.

"In dem Moment, als er nach Ihnen verlangt hat, gab es einen Donnerschlag." Der Büroleiter deutete zum Fenster. "Aber der Himmel sieht ziemlich wolkenlos aus."

Gemeinsam gingen die Männer den Flur entlang und betraten das Großraumbüro, wo ein Dutzend Polizisten Bettinger anstarrte. Als er die Zimtkekse in seiner Jacke verschwinden ließ, senkte sich ein Gefühl der Schwere auf seine Schultern.

"Vielleicht werden Sie sogar Zeit haben, selbst Kekse zu backen", bemerkte Big Tom. "Teig kneten, den Ofen im Auge behalten, Zuckerrohr ernten."

"Ich habe versucht, dem Typen zu helfen." Bettinger gab sich Mühe, ernst zu klingen. "Ehrlich."

"Seien Sie nicht beleidigt, wenn ich Sie von meiner Liste der Notfallkontakte streiche."

Kurz darauf standen sie vor Big Toms Schreibtisch, wo der einem Schwein nicht unähnliche Mann seinen Wanst auf einen Plastikstuhl hievte. Bettinger ging weiter zu einer Tür mit dem Schild INSPECTOR KERRY LADELL , ballte die Rechte zur Faust und klopfte.

"Bettinger?"

"Ja."

"Kommen Sie rein." Der Befehlston ließ nicht unbedingt Gutes erwarten.

Bettinger holte tief Luft, drehte den Knauf und öffnete die Tür zu einem Büro, in dem mehr an Fichten und Eichen herumstand als in manchem Wald. Inspector Ladell saß groß und finster hinter seinem Schreibtisch in einem braunen Ledersessel, die Lippen unter seinem silbernen Schnurrbart verächtlich geschürzt, und sah Bettinger an.

"Was zum Teufel haben Sie zu Robert Fellburn gesagt?"

Die Worte flogen Bettinger um die Ohren wie Kugeln, und im Großraumbüro wandten sich mehrere Köpfe in seine Richtung.

"Soll ich die Tür zumachen?"

"Beantworten Sie meine Frage, verdammt noch mal."

Bettinger schloss die Tür.

"Setzen Sie sich ja nicht hin."

"So ein Gespräch wird das also."

"Fellburn kam hierher, weil er Hilfe brauchte. Er ging in Ihr Büro, kam wieder raus und brachte sich um."

"Fellburn wurde von einer schwarzen Prostituierten ausgenommen, die halb so alt war wie er. Ich habe ihm die Situation erklärt und ihm einen Rat gegeben."

"Welchen? 'Bringen Sie sich um'?"

"Ich habe ihm gesagt, er soll das Geld abschreiben und die Sache vergessen."

"Hat prima geklappt." Der Inspector hob den Blick zur Decke.

Bettinger setzte sich auf den Stuhl, der ihm verwehrt worden war. "Weshalb gehen Sie so auf mich los? Er war ein Idiot."

"Kennen Sie John Carlyle?"

Dem Detective zog sich

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