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Diktator für einhundert Tage von Erle, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2014
  • Verlag: 110th
eBook (ePUB)
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Diktator für einhundert Tage

Eine Dienstreise in die Karibik - Alexander Eyser-Dreik kann sein Glück kaum fassen. Doch drei ermordete Premierminister später ist das Land Jamaika in Aufruhr, der Flughafen geschlossen, und Alexander unfreiwilliger Zeuge eines beginnenden Bürgerkriegs. Doch statt in der Deutschen Botschaft auf Rettung zu warten, lässt der Ingenieur sich von einem mysteriösen Amerikaner zu einem wagemutigen Vorhaben überreden. Buchstäblich über Nacht tritt Eyser-Dreik an die Stelle des toten Staatsoberhaupts. Von nun an hält er, sehr zum Missfallen seines Arbeitgebers, der Weltöffentlichkeit und der verschiedenen Gangs und Kartelle im Land, den Staat zusammen. Keine leichte Aufgabe für einen Mann, dessen Führungserfahrung sich auf den Kapitänsposten einer Kreisligamannschaft beschränkt. Ihm bleiben hundert Tage die Hintergründe der Unruhen zu erkunden, sonst droht ihm das gleiche Schicksal wie seinen Vorgängern Der satirisch-politische Geniestreich um eine Bananenrepublik - meisterhaft von Michael Erle in Szene gesetzt! Michael Erle (39) arbeitet als Journalist und PR-Redakteur in München. Er ist in den Vereinigten Staaten auf die Welt gekommen und lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland. Liste der Werke und Veröffentlichungen: Zu Erles bisherigen Werken zählen unter anderem die Fantasy-Romane 'Schwert und Schelm' 'Kopfloser, Herzlose' und 'Masken über Masken' 'Des Kaisers neue Kolonien' sowie drei Musicals: 'Die Meerjungfrau', 'Orpheus' und 'Sultanizer', diverse Beiträge in Anthologien und zahlreichen Rollenspiel- und Liverollenspiel-Szenarien. Michael Erle bloggt unter http://michaelerle.blogspot.de/

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 308
    Erscheinungsdatum: 11.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958654242
    Verlag: 110th
    Größe: 336 kBytes
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Diktator für einhundert Tage

"...Tiefsttemperaturen zwischen 7 Grad im Norden und 11 Grad im Süden. Die weiteren Aussichten: kühl und unbeständig."

Das Zeitsignal aus Deutschland weckte Alexander aus seiner Versunkenheit. Die Dächer vor dem Fenster erstrahlten im ersten Morgenlicht. Da und dort stieg Rauch auf.

Heinerleutner rieb sich die Augen. "Hast du die Kiste die ganze Nacht angelassen? Wie soll man da schlafen!", beschwerte er sich.

"Ich will hören, was für Nachrichten kommen. Ob sie den Flughafen wieder geöffnet haben."

"Aber das ist die Wettervorhersage. Warum schaltest du nicht J-1 an? Oder wenigstens die BBC."

Alexander drehte sich erneut der Stadt zu, die sieben Stockwerke unter ihm wirkten fast friedlich. Gut hundert Meter entfernt sah er einen Straßenhändler, einen Higgler, der seinen Wagen durch eines der gesperrten Viertel schob.

"Daheim haben sie wenigstens Regen. Hier ist es einfach zu heiß..."

"Wir können uns in die Lobby setzen. Da lassen sie die Klimaanlage noch laufen."

"Wollen wir frühstücken?"

"Bin gespannt, ob es was gibt", argwöhnte sein Kollege. "Das Brot war gestern fast alle." Er erhob sich und verschwand im Bad. Sein Rasierer summte. Er übertönte die Schüsse, die Krawalle in der Stadt. Alexander ließ sich in den bunt gemusterten Sessel fallen. Nach drei Minuten erschien sein Kollege mit glatt gezogenem Hemd und in eine frische Wolke Aftershave gehüllt.

"Ich habe Hunger", verkündete er.

Sie zogen die Tür hinter sich ins Schloss, Alexander tastete besorgt nach der Schlüsselkarte in der Tasche. Hinter jeder Tür, die links und rechts den Gang zum Aufzug säumten, hörten sie einen Fernseher. Nachrichten, Spielfilme, Musik.

"Nicht den Lift", meinte Alexander, als Heinerleutner den Aufzug rufen wollte. "Wenn der Strom ausfällt..."

Der Frühstückssaal war voll, obwohl es erst sechs Uhr morgens war. Viele der Gäste hatten Ringe unter den Augen. Ein kleingewachsener Latino kippte Heinerleutner Kaffee über die Hose und entschuldigte sich wortreich. Das Angebot an Speisen hatte sich geändert. Es gab keine Milch oder Eier mehr, keinen Toast, dafür aber frisch gebackenes Brot. An Portionspackungen von Honig und Marmelade schien kein Mangel zu bestehen, auch die Butter hatte das Hilton anscheinend tiefgefroren gelagert. Die silbernen Obstschalen quollen über von Früchten.

"Wie sind die nur da ran gekommen?", wunderte sich Heinerleutner. Er legte sich zwei Bananen und eine Papaya auf den Teller, wo sie neben vier Scheiben Brot, Aufstrichen und Ackee fast vom Rand fielen.

"Keine Ahnung", merkte Alexander an. "Schau mal, die haben keinen Aufkleber. Die sind nicht von General Fruit. Müssen vom Markt kommen, sind hier angebaut."

"Kann man die essen? Ich weiß ja nicht, was die spritzen", argwöhnte Heinerleutner.

"Hat bestimmt noch keinen umgebracht", antwortete sein Kollege. "Ich glaub die Gefahr erschossen zu werden ist zur Zeit größer."

Sie setzten sich und aßen ohne ein Wort. Alexander saß mit dem Rücken zu den großen Panoramascheiben, die zur davor gelegenen entvölkerten Straße hinausging. Er verspürte den Drang, ständig über die Schulter schauen zu wollen. Heinerleutner beäugte die Außenwelt nervös und vertilgte seine umfangreiche Mahlzeit in großen Bissen. Alexander hatte nicht einmal seinen zweiten Toast gegessen, als sein Tischgenosse fertig war und sich einen Nachschlag holte, der mindestens so groß war wie die erste Portion.

Am Ausgang, wo zuerst die Schlange zum Buffet begann, hatte sich inzwischen ein Knäuel von Leuten gebildet, die sich mit gedämpften Stimmen unterhielten. Die beiden Deutschen stellten sich auf dem Weg hinaus dazu.

"Vom siebten Stock aus hat man eine gute Übersicht", erklärte ein Mittfünfziger in braunem Anzug. "Die ganze Nacht hab ich gelauscht, von wo die Schüsse kommen. Jede Stunde war das einen Straßenzug näher. Bis heute Abend sind sie

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