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Edens Garten von Sommer, Tobias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2015
  • Verlag: Septime
eBook (ePUB)
11,99 €
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Edens Garten

Sebastian Eden lebt mit Lena in einer spießigen Vorstadtsiedlung. Die Beziehung scheint perfekt, bis er hört, wie Lena im Schlaf einen Männernamen stöhnt. Er installiert heimlich eine Kamera im Schlafzimmer, um einen Beweis in Händen zu halten, wenn sie erneut im Schlaf ihren Geliebten verrät. Beim Sichten der Aufnahme macht er allerdings eine böse Entdeckung. Edens Garten ist die Geschichte eines Mannes, der um die Liebe seiner Frau kämpft und dabei ist alles zu verlieren, sogar den Verstand. Tobias Sommer wurde 1978 in Schleswig-Holstein geboren. Er veröffentlichte zahlreiche Erzählungen und Gedichte in Anthologien und Einzelpublikationen. Seine Lyrik und Prosa wurde mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Die Berliner Literaturkritik bescheinigt seinen Texten 'Schönheit, Tiefe und Eleganz'. 2014 war Tobias Sommer für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 23.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903061026
    Verlag: Septime
    Größe: 1026 kBytes
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Edens Garten

Kapitel I

Ich zerstörte mit einem Wimpernschlag alle Traumgestalten und schwankte durch unser Haus. Lena versperrte mir den Weg zum Eisfach, das Licht aus dem Kühlschrank unterstrich ihre bleiche Haut, die dunklen Augenränder und das Pechschwarz ihrer Haare, jede Farbnuance war künstlich und gewollt, als machte sie sich auf zu einem Death-Metal-Konzert und nicht zum Treffen der europäischen Außenminister. Lena drückte Filterpapier in unsere Kaffeemaschine, löffelte das Pulver aus einem Meter Höhe dazu und schaute dabei aus dem Fenster, statt zu zählen, trällerte sie einen Song der Toten Hosen, sie sang mit tiefen, kratzenden Tönen, he rides and he rides, he looks through his window, what does he see? Sie war textsicher, und nicht nur das, sie übersetzte ihre Lieblingslieder in zehn Sprachen, sie erzählte gerne, mit den Rock- und Punksongs ihrer Jugend in einem Vorort von Budapest hätte sie das Dolmetschen gelernt und den Job in Brüssel bekommen. Für Lena war diese Erklärung, obgleich übertrieben und falsch, zu schön, um sie zu verschweigen, sie war überzeugt: Hätte sie nicht den staatlichen Bildungsweg bis zum Erbrechen verfolgt, wäre sie die tonangebende Frontfrau einer Rockband geworden, ihren Vorbildern war sie auf jeden Fall treu geblieben.

Ihr Blick zeigte mir, sie hatte letzte Nacht Sex, auch wenn er nur in ihren Gehirnzellen stattgefunden hatte, der Höhepunkt hatte sich in ihren Augen festgezurrt. Unsere Oberschenkel und Hüften berührten sich, Lena antwortete mit der zweiten Strophe, he sees the bright and hollow sky, he sees the stars come out tonight. Ich nahm ihren Geruch auf, bevor er sich mit dem Kaffeearoma vermischen konnte, der Duft der vergangenen Nacht war weggespült, ihre Lotion überdeckte alles, Patschuli und eine Überdosis Cassis.

Lena beobachtete vom Küchenfenster aus den beginnenden Tag, sie suchte nach Sternstraßen oder Regenwolken und strich gedankenverloren mit den Fingern durch ihre kurzen Haare, die Stoppeln zeigten mithilfe von Gelspray in alle Himmelsrichtungen, Lena sagte grundlos, wusstest du, noch heute kann man Neil Armstrongs Fußabdruck auf dem Mond sehen.

Wenn er wirklich oben war , ich sah in einen planetenlosen Himmel, morgens um 6.00 Uhr, hast du gut geschlafen? , ich küsste Lena auf die Wange und entschied mich für ein Glas Aspirinwasser mit drei Eiswürfeln.

Hervorragend, ich durfte von oben herab auf die Erde staunen , erklärte sie, ich war nicht auf dem Mond, aber auf einem Hochhaus, ich balancierte auf Fensterbänken und genoss den Ausblick , sie zählte den sechsten Löffel Pulver in die Filtertüte, aber auch der Blick über die Schulter in die Innenräume war unverschämt anmaßend, wenn du verstehst, was ich meine, die Zimmer glichen einem Erlebnispark.

Ich habe von unendlich vielen Nagetieren in unserem Garten geträumt , schwindelte ich, sie sind die Bäume und Mauern hochgekrabbelt , in Wirklichkeit: Ich hatte ebenfalls Sex, ungewollt, im Traum mit unserer Nachbarin. Lena schlürfte ihren ungesüßten, brühend heißen Kaffee, wir erzählten uns morgens oft von unseren Träumen, erotische Details verriet ich grundsätzlich nicht, Lena hingegen, so hatte ich zumindest das Gefühl, verschwieg alles nicht Erotische. Sie liebte es, ihre Träume in spanischer oder französischer Sprache auszuschmücken, und an den sprachlichen Möglichkeiten haperte es nie, schon von Berufs wegen. Wir haben zusammen für den internationalen Übersetzerdienst der Europäischen Union gearbeitet, wir übersetzten in winzigen Kabinen die Reden und Gegenreden der Staatsminister, wir waren die Stimmen aus dem Off, die die Sätze von Störungen trennten, von verbalen und nonverbalen Behinderungen, die oft genug von den Rednern im Plenarsaal geplant waren, denn jedes Statement sc

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