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Ein notwendiges Übel Kriminalroman von Mukherjee, Abir (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.07.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Ein notwendiges Übel

Kalkutta, 1920: Ein Jahr nach seiner Ankunft in Britisch-Indien wird der ehemalige Scotland-Yard-Ermittler Sam Wyndham mit einer heiklen Mission betraut. Der Thronfolger von Sambalpur wurde ermordet. Die Kolonialregierung hat ein hohes Interesse an der Ergreifung des Täters, verfügt in dem unabhängigen Fürstenstaat jedoch über keinerlei polizeiliche Befugnisse. Sam und sein indischer Sergeant Surrender-not Banerjee reisen als verdeckte Ermittler ins Reich des Maharadschas, das für seinen unsagbaren Reichtum, die prunkvollen Tempel, und die jährliche Großwildjagd bekannt ist ...

Abir Mukherjee ist Brite mir indischen Wurzeln: Seine Eltern wanderten in den Sechzigerjahren nach England aus. Sein Debütroman Ein angesehener Mann schaffte auf Anhieb den Sprung auf die britischen Bestsellerlisten. Mukherjee lebt mit seiner Familie in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 09.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641220099
    Verlag: Heyne
    Serie: Sam Wyndham .2
    Originaltitel: A Necessary Evil
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Ein notwendiges Übel

1

Freitag, 18. Juni 1920

Einen Mann mit einem Diamanten im Bart sieht man nicht alle Tage. Aber ich schätze, wenn einem Prinzen an Ohren, Fingern und Kleidung der Platz ausgeht, dann ist der Kinnbart nicht die schlechteste Alternative.

Um Punkt zwölf hatten sich die schweren Mahagonitüren des Government House geöffnet, und sie alle kamen herausg eschwebt. Eine Menagerie von Maharadschas, Nizams, Naw abs und anderen Würdenträgern. Jeder der zwanzig gehüllt in Seide, behangen mit Gold, wertvollen Edelsteinen und genügend Perlen, um ein ganzes Schwadron verwitweter Gräfinnen vor Scham im Erdboden versinken zu lassen. Einer oder zwei von ihnen behaupteten, von der Sonne oder dem Mond abzustammen, andere begnügten sich mit einer der etwa hundert Hindu-Gottheiten. Der Einfachheit halber packten wir sie alle in eine Schublade und nannten sie schlicht die Fürsten .

Diese zwanzig hier kamen aus den Fürstenstaaten, die Kalkutta am nächsten lagen. Über Indien verteilt gab es mehr als fünfhundert. Gemeinsam herrschten sie über zwei Fünftel des Landes. Zumindest redeten sie selbst sich das ein, und wir bestärkten sie nur zu gerne in diesem Glauben, vorausgesetzt, sie sangen alle brav "Rule, Britannia" und schworen dem King Emperor ihre Treue.

Wie die Götter wandelten sie in einer streng nach Rang geordneten Prozession mit dem Vizekönig an der Spitze in die glühende Hitze hinaus, wo sie sofort den Schatten von einem Dutzend seidener Sonnenschirme ansteuerten. Seitlich davon, hinter einer undurchdringlichen roten Reihe Turban tragender Soldaten der vizeköniglichen Leibwache drängelten sich Fürstenberater, Verwaltungsbeamte und Hofschranzen aller Art. Und hinter denen standen Surrender-not und ich.

Unvermittelt krachten vom gegenüberliegenden Rasen die Salutschüsse der Kanonen, und ein Schwarm Krähen stieg kreischend aus den Palmen auf. Ich zählte die Donnerschläge. Insgesamt einunddreißig, eine Ehre, die allein dem Vizekönig vorbehalten war - kein einheimischer Fürst verdiente mehr als einundzwanzig. Damit wurde unmissverständlich klargestellt, dass dieser eine britische Verwaltungsbeamte hierzulande noch über jedem Inder stand, selbst über denen, die von der Sonne abstammten.

Wie die Kanonenschüsse war auch die Versammlung, an der die Fürsten gerade teilgenommen hatten, reines Theater. Die richtige Arbeit würde später von ihren Ministern und den Vertretern des Indian Civil Service erledigt. Für die Regierung Britisch-Indiens zählte vor allem, dass die Fürsten hier , auf diesem Rasen, für ein Gruppenfoto zusammenkamen.

Lord Chelmsford, der Vizekönig, schlurfte in vollem Festtagsornat vorneweg. Wirklich wohlzufühlen schien er sich nie in dieser Prunkuniform, die ihn aussehen ließ wie einen Portier vor dem Claridge's. Für einen Mann, der in seinem Auftreten gewöhnlich eher an einen unterernährten Totengräber erinnerte, hatte er sich zwar ganz passabel herausgeputzt, aber neben den Fürsten wirkte er dennoch farblos wie eine Taube inmitten einer Wiese voll Rad schlagender Pfauen.

"Welcher ist unsrer?"

"Der da drüben", erwiderte Surrender-not und nickte in Richtung eines großen Mannes mit fein geschnittenen Zügen, der einen pinkfarbenen Seidenturban trug. Der Prinz, den wir sprechen wollten, hatte an dritter Stelle die Treppe betreten und stand an erster Stelle in der Thronfolge eines Fürstenstaats, der im hintersten Orissa verborgen lag, also irgendwo südwestlich von Bengalen. Seine Durchlaucht Prinz Adhir Singh Sai von Sambalpur hatte um unsere Anwesenheit gebeten - oder vielmehr um die Anwesenheit von Surrender-not. Die beiden waren als Schüler gemeinsam auf das Harrows in London gegangen. Ich selbst war nur hier, weil ich die Anweisung dazu erhalten hatte. Der Befehl kam direkt von Lord Taggart, dem Commissioner der Polizei, der behauptete, dies g eschehe auf ausdrücklichen, höchstpersönlichen

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