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Eine Handvoll Asche Roman von Mukherjee, Abir (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Eine Handvoll Asche

Kalkutta 1921. Der Besuch einer Opiumhöhle nimmt für den britischen Ermittler Sam Wyndham ein unerwartetes Ende, als er im Rausch von einer Razzia überrascht wird und nun unerkannt vor seinen eigenen Leuten fliehen muss. Noch benommen vom süßlichen Rauch will er über das Dach des Hauses flüchten - und stößt auf eine Leiche. Mit zwei Stichen niedergestreckt, die Augen gewaltsam entfernt. Doch Wyndham hat keine Zeit, den Schauplatz genauer zu untersuchen. In letzter Sekunde bringt er sich selbst in Sicherheit. Aber der grausame Fund ist erst der Auftakt einer Reihe blutiger Ritualmorde, die das politisch immer unruhiger werdende Kalkutta in Angst und Schrecken versetzen. Abir Mukherjee ist Brite mir indischen Wurzeln: Seine Eltern wanderten in den Sechzigerjahren nach England aus. Sein Debütroman Ein angesehener Mann schaffte auf Anhieb den Sprung auf die britischen Bestsellerlisten. Mukherjee lebt mit seiner Familie in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641245160
    Verlag: Heyne
    Serie: Sam Wyndham .3
    Originaltitel: Smoke and Ashes (Sam Wyndham 3)
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Eine Handvoll Asche

1

21. Dezember 1921

In einem Bestattungsinstitut auf eine Leiche zu stoßen ist nicht ungewöhnlich. Dass sie kurz zuvor noch aus eigener Kraft durch die Tür marschiert ist, dagegen schon. Ein zweifellos faszinierendes Rätsel, bloß fehlte mir die Zeit, mich damit zu beschäftigen, da ich gerade um mein Leben rannte.

Ein Schuss krachte. Die Kugel zischte an mir vorbei und traf nichts Heikleres als die auf dem Dach aufgehängte Wäsche. Meine Verfolger - allesamt Kollegen der Imperial Police Force - feuerten einfach blindlings in die Nacht. Damit war natürlich keineswegs ausgeschlossen, dass sie mit dem nächsten Versuch einen Glückstreffer landeten, und auch wenn ich mich nicht vor dem Tod fürchtete, sollte die Inschrift auf meinem Grabstein nicht unbedingt lauten: "Beim Versuch zu fliehen in den Rücken geschossen."

Also rannte ich, benebelt vom Opium, über die Dächer des schlafenden Chinesenviertels, rutschte auf losen Tonziegeln aus, die polternd hinunterfielen und am Boden zerschellten, und kletterte von einem Dach aufs nächste, bevor ich schließlich unter dem Vorsprung einer niedrigen Mauer, die zwei Häuser voneinander trennte, eine schmale Öffnung entdeckte, in die ich mich zwängte.

Die Polizisten kamen immer näher. Während ich darum bemüht war, meine Atmung so schnell wie möglich zu beruhigen, bellten sich die Stimmen über mir kurze Meldungen zu, die in der Dunkelheit verhallten. Allem Anschein nach hatten sie sich aufgeteilt und suchten jetzt in einem gewissen Abstand voneinander. Das war gut. Es bedeutete, dass sie ebenso ziellos im Dunkeln herumtappten wie ich. Einstweilen bestanden meine besten Fluchtchancen darin, mucksmäuschenstill in diesem Versteck auszuharren.

Würde man mich schnappen, hätte das einige ziemlich unangenehme Fragen zur Folge, deren Beantwortung ich gerne vermeiden wollte. Etwa die, was ich mitten in der Nacht, nach Opium stinkend und mit fremdem Blut verschmiert überhaupt in Tangra zu suchen habe. Und dann war da noch die Sache mit dem sichelförmigen Messer in meiner Hand. Auch dieses Detail würde nicht einfach zu erklären sein.

Meine Haut roch nach Schweiß und Blut, und ich begann zu zittern. Kalkutta war kalt im Dezember, zumindest im Verhältnis zu den sonst hier herrschenden Temperaturen.

Fetzen von Wortwechseln drangen an mein Ohr. Das Jagdfieber meiner Verfolger schien sich in Grenzen zu halten. Wer konnte es ihnen verdenken? Die Wahrscheinlichkeit, über mich zu stolpern, war in etwa so groß wie die, vom Rand des Daches zu taumeln. Und in Anbetracht der Ereignisse der letzten Monate war es um ihre Moral vermutlich nicht zum Besten bestellt. Warum also einem vagen Schatten über die Dächer hinterherhetzen und dabei riskieren, sich das Genick zu brechen, wenn einem sowieso keiner für die Arbeit dankte? Ich beschwor sie stumm, endlich aufzugeben und abzudrehen, aber noch ließen sie nicht locker. Mit ihren Gewehrkolben und Lathis erklopften sie sich weiter den Weg durch die Dunkelheit wie Blinde, die eine Straße überquerten.

Eine bestimmte Folge von Kolbenschlägen wurde plötzlich lauter. Beharrlich schwoll ihr gleichförmiger Rhythmus an. Ich ging meine Optionen durch - beziehungsweise hätte es getan, wären mir welche eingefallen. Weglaufen kam nicht in Frage. Der Mann war bewaffnet und schien inzwischen so nahe, dass er mich selbst im Dunkeln ohne große Probleme treffen würde. Sich ihm entgegenzustellen ergab ebenso wenig Sinn. Ich hatte zwar das Messer, aber damit konnte ich ja schlecht auf einen meiner Kollegen losgehen, mal ganz abgesehen davon, dass bei drei weiteren Beamten in unmittelbarer Nähe die Chancen einer erfolgreichen Flucht schneller sanken als ein Tonkrug im Hugli.

Das Klopfen erreichte die dünne Mörtelschicht über meinem Kopf, und sofort ließ der Hohlraum es voller und tiefer klingen. Der Mann stand jetzt offenbar direkt über mir auf dem Mauervorsprung. Auch er hatte den veränderten Ton bemerkt und wa

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