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Eine Stimme in der Nacht Commissario Montalbano hört auf sein Gewissen. Roman von Camilleri, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.04.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Eine Stimme in der Nacht

Im sizilianischen Vigàta verschwindet die Geldkassette eines Supermarkts, der von der Mafia kontrolliert wird. Tags darauf findet man den Geschäftsführer erhängt. In einem Apartment wird die Leiche einer jungen Frau aufgefunden. Ihr Liebhaber hat ein wasserdichtes Alibi und ist der Sohn des regionalen Provinzpräsidenten. Während der Polizeipräsident angesichts brisanter Ermittlungsergebnisse einen politischen Skandal befürchtet, hat Commissario Montalbano keine Bedenken, erbarmungslose Täter mit seinen ganz eigenen Methoden in die Falle zu locken ...

Andrea Camilleri begeistert mit seinem vielfach ausgezeichneten Werk ein Millionenpublikum. Ob er seine Leser mit seinem unwiderstehlichen Helden Salvo Montalbano in den Bann zieht, ihnen mit kulinarischen Köstlichkeiten den Mund wässrig macht oder ihnen unvergessliche Einblicke in die mediterrane Seele gewährt: Dem Charme der Welt Camilleris vermag sich niemand zu entziehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 27.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732555659
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Una voce di notte
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Eine Stimme in der Nacht

Eins

Um halb sieben Uhr morgens erwachte er, frisch und ausgeruht und glasklar im Kopf.

Er stand auf, öffnete die Fensterläden und sah hinaus.

Das Meer war ruhig und glatt wie ein Spiegel, der Himmel strahlend blau mit ein paar kleinen weißen Wölkchen, als hätte ein Sonntagsmaler sie zur Verzierung hingetupft. Ein Tag ohne Eigenschaften, aber gerade dieser Mangel an besonderen Merkmalen gefiel ihm.

Denn andere Tage zwingen einem schon am frühen Morgen ihren Charakter auf, und man hat keine andere Wahl, als sich zu fügen, sich zu unterwerfen und es zu ertragen.

Er legte sich wieder hin. Im Kommissariat gab es nichts zu tun, er konnte es also gemächlich angehen lassen.

Hatte er eigentlich etwas geträumt?

In einer Zeitschrift hatte er gelesen, dass der Mensch jede Nacht träumt, und wenn er glaubt, nichts geträumt zu haben, dann nur, weil er sich nicht mehr daran erinnert, sobald er die Augen öffnet.

Vielleicht hatte der Verlust der Traumerinnerung aber auch etwas mit den Jahren zu tun, die er inzwischen auf dem Buckel hatte. Denn bis zu einem bestimmten Alter hatte er seinen Traum vor Augen gehabt, sobald er aufwachte, und die Bilder liefen vor ihm ab wie in einem Film. Irgendwann jedoch hatte er anfangen müssen zu überlegen, was er geträumt hatte, und jetzt vergaß er es schlicht und einfach.

In letzter Zeit hatte er beim Einschlafen das Gefühl, in einem schwarzen Loch zu versinken, seiner Sinne und seines Verstandes beraubt. Wie ein Toter.

Und was bedeutete das?

Dass jedes Erwachen als eine Auferstehung zu betrachten war?

Eine Auferstehung, die in seinem Fall jedoch nicht vom Schall der Posaunen, sondern zu neunzig Prozent von Catarellas Stimme begleitet war.

Ist es denn überhaupt wahr, dass die Posaunen etwas mit der Auferstehung zu tun haben?

Sind sie nicht eher die Begleitmusik zum Jüngsten Gericht?

Da! Genau in diesem Moment erschollen Posaunen. Oder war es das Schrillen des Telefons?

Er schaute auf die Uhr, unentschlossen, ob er rangehen sollte oder nicht. Sieben.

Er beschloss abzuheben.

Aber genau in dem Moment, als seine rechte Hand nach dem Hörer tastete, griff seine linke Hand - eigenmächtig und ohne dass jemand es ihr befohlen hatte - nach dem Telefonstecker und zog ihn aus der Buchse. Montalbano schaute verdutzt auf seine Hand. Wohl wahr, er hatte keine Lust, der Stimme Catarellas zu lauschen, die ihm den Mord des Tages verkünden würde. Aber gehörte sich so ein Verhalten für eine Hand? Wie ließ sich ein solcher Akt der Eigenmächtigkeit erklären?

Machten sich seine Gliedmaßen jetzt, da er älter wurde, etwa selbstständig?

Wenn sich der eine Fuß in die eine und der andere Fuß in die andere Richtung in Bewegung setzte, würde bald auch das Gehen zum Problem werden.

Er öffnete die Verandatür, trat hinaus und sah, dass Signor Puccio, der allmorgendlich zum Fischen aufs Meer hinausfuhr, schon zurück war und soeben sein Boot an Land gezogen hatte.

Der Commissario lief, so wie er war, in der Unterhose zum Strand hinunter.

"Wie war der Fang?"

"Dottori mio, heutzutage bleiben die Fische immer weiter draußen. Das Wasser an der Küste ist ja die reinste Drecksbrühe. Viel hab ich nicht gefangen."

Er beugte sich ins Boot hinunter und zog einen etwa siebzig Zentimeter langen Tintenfisch heraus.

"Den schenk ich Ihnen."

Es war ein riesiges Ding, ausreichend für vier Personen.

"Nein, danke. Was soll ich damit?"

"Was Sie damit sollen? Essen sollen Sie ihn und dabei an mich denken. Sie müssen ihn nur lange genug kochen. Und sagen Sie Ihrer Haushälterin, sie soll ihn mit einem Stock weichklopfen."

"Wirklich, vielen Dank, aber ..."

"Jetzt nehmen Sie ihn schon", drängte Signor Puccio.

Montalbano nahm den Tintenfisch und kehrte zur Veranda zurück.

Auf halbem Weg spürte er plötzlich

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