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Erst wenn du tot bist Kriminalroman von Höftmann, Katharina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2016
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Erst wenn du tot bist

Fanny Wolff, 34 Jahre, ehemalige Kriegsreporterin, leidet unter Panikattacken. Also krempelt sie ihr Leben kurzerhand um, zieht zurück nach Stralsund und heuert bei den Ostsee-Nachrichten an. Kaum dort angekommen, spült der Sund ihr eine Leiche vor die Füße. Melanie Schmidt, junge Mutter zweier Kinder, schwierige Verhältnisse, wurde wohl ermordet. Der ermittelnde Kriminalkommissar ist ausgerechnet Lars Wolff, Fannys Zwillingsbruder. Er zeigt sich alles andere als begeistert über ihre Einmischung, doch Fanny lässt Melanies Geschichte, ihr Leben zwischen Jugendamt und Hartz IV, zwischen Partywochenenden und tiefster Depression nicht los. Ob mit oder ohne Lars: sie ist fest entschlossen, den Mörder zu finden.

Katharina Höftmann wurde 1984 in Rostock geboren. Sie studierte Psychologie und deutsch-jüdische Geschichte in Berlin und war als Journalistin und PR-Beraterin für die Agentur Scholz & Friends tätig. Im März 2010 wurde sie Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes im Bereich Wissenschafts- und Auslandsjournalismus und arbeitet seither für die Deutsche Presse-Agentur, Welt Online und Israel HaYom. Aus einem Blog, den sie für die Welt-Gruppe unter dem Titel Guten Morgen, Tel Aviv führte, entstand ein Buch gleichen Namens. Im Aufbau-Verlag erschien ihre Tel-Aviv-Krimiserie um Kommissar Assaf Rosenthal. Katharina Höftmann lebt mit Mann und Kind in Israel und Deutschland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 02.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827077752
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 521kBytes
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Erst wenn du tot bist

1

Dass die Welt weit ist, sagt man so; die Welt ist nicht geräumiger als die Köpfe, die sie in sich fassen, und die Köpfe sind zumeist enge Nester für selbstbehaglich schmorende Gedanken.

Ernst Barlach

"Ernsthaft?" Lars sah sie vorwurfsvoll an.

"Also echt mal. Da kann ich doch nichts dafür, dass ich eine Leiche gefunden habe!", rief sie außer Atem. Ihr Puls hatte sich immer noch nicht wieder beruhigt von dem Schreck. Man sollte meinen, sie hätte sich in all den Jahren als Kriegsreporterin an den Anblick von toten Menschen gewöhnt. Aber es war eben was anderes, wenn man nicht damit rechnete.

Lars wandte sich ab, marschierte los und murmelte etwas. Fanny verstand so viel wie "immer", "Probleme" und "dir".

"Bruderherz", rief sie und bemühte sich, ihm zu folgen, "das ist noch eine ganz junge Frau, oder?" Die Polizisten hatten eine Art Laken über den bleichen, leblosen Körper gelegt. Aber die Augen und das schmale Gesicht hatten sich in Fannys Gedächtnis gebrannt. Große, erschrocken wirkende Augen.

"Also, du hast hier gestanden ..." Ihr Bruder kam auf sie zurück.

"Genau. Ich war mitten in meinen Dehnungsübungen, und dann dachte ich auf einmal, was ist das denn da im Wasser? Ich beuge mich vor, und da starrt sie mich förmlich an." Sie schüttelte sich schaudernd und griff nach Lars' Hand. "Wie ein Geist oder so", flüsterte sie.

"Immer noch die alte Dramaqueen, was?" Lars verdrehte die Augen.

"Was passiert denn jetzt?", fragte Fanny und überging diesen gemeinen Kommentar einfach.

"Wir werden die Ermittlungen aufnehmen. Schauen, ob es Selbstmord war oder ein Unfall ..."

"Vielleicht wurde sie auch getötet. Vielleicht wurde sie ermordet."

"Fanny. Wir sind hier nicht in Bagdad. Oder Afghanistan. Du bist in Stralsund. Also krieg dich mal wieder ein."

Als Fanny kurze Zeit später, nur äußerlich beruhigt, die Redaktion der Ostsee-Nachrichten betrat, folgten die Augenpaare der fünf Mitarbeiter, die im gläsernen Konferenzraum saßen, jedem ihrer Schritte. Anders als bei der Toten am Morgen, konnte man in diesen Augen jedoch viel Leben sehen: Leben und Menschliches. Misstrauen. Ablehnung. Vielleicht auch Neid. Nur eine ältere Dame lächelte freundlich und kam mit ausgestreckter Hand auf sie zugelaufen. "Frau Wolff, ich bin Brigitte Voigt. Wir hatten telefoniert."

"Ach ja, genau. Aber nennen Sie mich doch bitte Fanny. Frau Wolff ist meine Mutter."

"Na dann", Brigitte Voigt lächelte verschwörerisch, "ich bin die Biggi, und wir fangen hier übrigens schon um halb neun an."

Fanny schaute auf ihre Armbanduhr. Eine silberne Casio, die Ben gehörte und die sie kurzentschlossen eingesteckt hatte, als sie das letzte Mal in seiner Wohnung war. Es war fast halb zehn. Na das ging ja gut los. Aber wer fing auch halb neun an zu arbeiten? Typisch Lokalredaktion.

"Ist Herr Thiele in seinem Büro?", fragte sie schnell, auch um von ihrer Verspätung abzulenken. Nichts war ihr so peinlich, wie sich zu verspäten. Mochte das auch mittlerweile ein sozial akzeptiertes Phänomen sein - jeder tat es, selbst alte Leute -, für Fanny war Zuspätkommen auch immer eine Respektlosigkeit. Denn eigentlich verhielt der Sich-Verspätende sich so, als sei seine eigene Zeit kostbarer als die des Wartenden. Das Kreuz an der Sache war nur, dass sie selbst sich ständig verspätete. Auch wenn sie es nie, ja wirklich nie, mit der bösen Absicht tat, die sie anderen unterstellte.

"Natürlich. Mir nach bitte", befreite Brigitte, Biggi, Voigt sie aus ihrer Verlegenheit.

Das Büro von Lutz Thiele lag ein Stockwerk über dem Redaktionsraum, in dem die auf den ersten Blick mehrheitlich weit über 40-jährigen Redakteure vor ihren Computern saßen. Den berühmt-berüchtigten Lokaljournalismus hatte sie in ihrer Karriere komplett übersprungen. Nun hatte er sie doch eingeholt, ging es Fanny durch den Kopf, während sie Bigg

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