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Federball Roman von Le Carré, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Federball

Populismus, Datenmissbrauch und Fake News - was tun, wenn die Welt plötzlich in Flammen steht? Nat hat seine besten Jahre als Spion hinter sich. Gerade ist er nach London zu seiner Frau zurückgekehrt, da wird ihm ein letzter Auftrag erteilt, denn Moskau wird zunehmend zu einer Bedrohung. Zur Erholung spielt Nat Badminton, seit Neuestem gegen Ed, einen jungen Mann, der den Brexit hasst, Trump hasst, auch seine Arbeit in einer seelenlos gewordenen Medienagentur. Ausgerechnet Ed fordert Nat auch außerhalb des Spielfelds heraus und zwingt ihn, seine Haltung gegenüber dem eigenen Land in Frage zu stellen. Und eine Entscheidung zu treffen, die für alle Konsequenzen hat. 'Niemand sonst benennt - schonungslos gegenüber Politikern und unglaublich faszinierend für seine Leser - die offenen und gut gehüteten Geheimnisse unsere Zeit so klar wie John le Carré.' The Guardian 'Kein Autor vermag es wie le Carré, das höfliche Gespräch zweier Menschen, die an einem Tisch sitzen, in ein hochgefährliches Spiel zu verwandeln.' The Daily Telegraph John le Carré, 1931 geboren, studierte in Bern und Oxford. Er war Lehrer in Eton und arbeitete während des Kalten Kriegs kurze Zeit für den britischen Geheimdienst. 2011 wurde er mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Seit nunmehr über fünfzig Jahren ist das Schreiben sein Beruf. Er lebt in London und Cornwall.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 22.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843721905
    Verlag: Ullstein
    Originaltitel: Agent Running in the Field
    Größe: 2619 kBytes
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Federball

1.

Unsere Begegnung war nicht arrangiert worden. Weder von mir noch von Ed noch von einem der unsichtbaren Mitspieler, nach deren Pfeife Ed angeblich tanzte. Man hatte mich nicht ins Visier genommen. Ed war nicht angestiftet worden. Wir wurden weder heimlich noch offen observiert. Er forderte mich sportlich heraus. Ich nahm die Herausforderung an. Wir spielten gegeneinander. Es bestand kein Plan, keine Verschwörung, keine Absprache mit irgendjemandem. Es gibt Ereignisse in meinem Leben - nur wenige dieser Tage, zugegeben -, die nur Raum für eine einzige Version lassen. Unsere Begegnung ist von dieser Sorte. Und was ich darüber sage, hat sich bei all den Gelegenheiten, bei denen ich mich wiederholen musste, nicht verändert.

Es ist Samstagabend. Ich sitze im Athleticus Club in Battersea (ich bin hier Vereinsvorsitzender, ein im Grunde bedeutungsloser Titel) auf einem gepolsterten Liegestuhl. Der Vereinsraum ist riesig und hat eine hohe Balkendecke, er ist Teil einer umgebauten Brauerei, mit einem Swimmingpool am einen Ende, einer Bar am anderen und einem Gang dazwischen, der zu den getrennten Umkleideräumen und den Duschen führt.

Ich sitze mit dem Rücken zur Bar und schaue in Richtung Pool. Hinter der Bar liegt der Zugang zum Vereinsraum, davor der Eingangsbereich, davor wiederum die Tür zur Straße. Ich war also nicht in der Lage, zu sehen, wer den Raum betrat oder wer sich davor herumtrieb, die Ankündigungen studierte, ein Spielfeld buchte oder seinen Namen auf die Turnierliste setzte. Um die Bar herum herrscht lebhaftes Treiben. Junge Frauen und ihre Verehrer planschen im Pool und plaudern.

Ich trage meine Badmintonbekleidung: Shorts, Sweatshirt und ein neues Paar knöchelschonender Sportschuhe. Die habe ich mir im Kampf gegen leichte Schmerzen im linken Knöchel gekauft, die mich seit einer Wanderung durch die estnischen Wälder im Monat zuvor plagen. Nach mehreren ausgedehnten, unmittelbar aufeinanderfolgenden Einsätzen im Ausland genieße ich eine wohlverdiente Auszeit in der Heimat. Über meinem Berufsleben liegt ein Schatten, den ich zu verdrängen versuche, so gut es geht. Ich rechne damit, am Montag rausgeworfen zu werden. Nun, dann soll es so sein, versuche ich mir einzureden. Ich werde siebenundvierzig, ich hatte eine gute Zeit, so lauteten die Bedingungen von Anfang an, also hör schon auf zu jammern.

Umso tröstlicher zu wissen, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Alters und eines lästigen Knöchels weiterhin allein regierender Vereinsmeister bin, nachdem ich erst am vergangenen Samstag den Einzeltitel gegen einen talentierten jüngeren Gegner verteidigt habe. Die Einzeltitel werden gemeinhin als exklusives Vorrecht energiegeladener Spieler in ihren Zwanzigern angesehen, doch bislang habe ich mich behaupten können. Heute habe ich mich der Vereinstradition gemäß als neu gekrönter Meister in einem Freundschaftsmatch mit dem Champion unseres gegnerischen Vereins auf der anderen Seite des Flusses in Chelsea gemessen und mich gegen ihn durchgesetzt. Und nun sitzt dieser ehrgeizige und faire junge Rechtsanwalt aus Indien im Nachglanz unseres Kampfes mit einem Glas Bier in der Hand neben mir. Bis zu den letzten Aufschlägen stand ich ziemlich unter Druck, doch dann wendete sich dank meiner Erfahrung und ein wenig Glücks das Blatt doch noch zu meinen Gunsten. Vielleicht erklären diese Umstände, warum ich in dem Augenblick, als Ed mich herausforderte, Nachsicht walten ließ und ich den - wenn auch nur flüchtigen - Eindruck hatte, dass es ein Leben nach dem Rauswurf gab.

Mein geschlagener Gegner und ich unterhalten uns freundlich. Es ging - ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen - um unsere Väter. Beide waren sie begeisterte Badmintonspieler gewesen, wie sich herausstellte. Seiner war Zweiter bei den indischen Meisterschaften geworden, meiner durfte sich eine glückliche Saison lang Meister der Britischen Armee in Singapur nennen. Während wir in beschwingter Stimmun

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