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Fliegende Fische von Braun, Meinrad (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Fliegende Fische

Richie Salewski hat Konzentrationsprobleme. Erst unter Stress funktioniert sein Verstand richtig. Als er in einem Unfallwagen zwei Stinger-Raketen findet, hat er genügend Adrenalin zur Verfügung, um sich an ein ganz großes Spiel zu wagen. Zu den Mitspielern zählen ein japanischer Koi, ein türkischer Spediteur, eine russische Kassiererin, ein abgehalfterter Tankstellenbesitzer und ein professioneller Hundefreund. Aber bald spielen ungebetene Gäste mit und bringen Richie an den nächtlichen Main zu einem letzten Fischzug. Meinrad Braun, geboren 1953, ist Psychotherapeut. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Mannheim.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 21.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863586768
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Rhein Main Krimi Bd.1
    Größe: 3068 kBytes
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Fliegende Fische

ZWEI

Das Blaulicht kann man schon aus drei Kilometern Entfernung sehen, es pulsiert gegen die Autobahnbrücke, die belagerte Festung. Davor Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr. Das ganze Aufgebot. Ich trete aufs Gaspedal. Der schwere Diesel grollt, gibt dem leeren Abschleppwagen einen Stoß, lässt ihn vibrieren wie eine Bassgeige. Den Funk einschalten. Durch das Rauschen drehe ich auf die Frequenz der Polizei und drücke den Knopf für das gelbe Blinklicht auf dem Kabinendach. Adrenalin. Macht mich immer fit, wenn was los ist. Ich kann so ziemlich alles ab in dieser Hinsicht, rege mich nicht groß auf, wenn was passiert. Nur Langeweile kann ich nicht ertragen, die macht mich fertig. Während die Autos auf der linken Spur an mir vorbeiflitzen, suche ich weiter nach dem Polizeifunk, es quiekt und rauscht, aber ich kriege ihn diesmal nicht rein. Gewohnheit. Ohnehin immer dasselbe, was da geredet wird, paar Witzchen dazwischen. Also abschalten, auch gut. Bulle sein - überlege ich mir für einen Moment. Mit meiner Veranlagung hätte das vielleicht was werden können: Klare Vorschriften, straffe Führung. Hieß immer, dass mir das guttun würde. Man verdient zwar kaum was, ist dafür aber dauerversorgt: bewegliches Staatseigentum.

Die Frühpendler sammeln sich am Frankfurter Kreuz. Die tägliche Blechkarawane drängelt im Morgengrauen zusammen. Alles enorm hässliche Autos, tonnenschwer, fette Raumwunder mit gefährlich glotzenden Fressen, genau wie die gestressten Spießer, die darin sitzen. Ein Dach nach dem anderen rutscht unter mir durch, schert ein, überholt noch mal schnell für den besten Platz im Stau da vorn.

"Hallo, Richie, kannst du gleich raus?" Ötün. Hatte es ziemlich eilig vorhin. "Muss schnell gehen. Vollsperrung am Kreuz, machst du das?"

Ötün liegt im Bett mit seiner Neuen.

Kann sich auf mich verlassen. Ein Anruf um diese Zeit, das geht bei mir immer, solange die Karte noch funktioniert. War überhaupt meine Erlösung, die Erfindung des Handys. Dauernd habe ich Sachen liegen gelassen früher, Verabredungen vergessen.

Heute Nacht hat mich das Klingeln noch nicht mal geweckt. Ich wollte die neue Festplatte ausprobieren, war deshalb in meiner Wohnung, wenn man das so nennen kann. Drei Stunden lang, meine Augen haben sich angefühlt wie eingelegt in Aspik, obwohl es blöde ist, offline spielen zu müssen. Trotzdem, der Rechner hatte endlich ein bisschen Hubraum. Die Extraprämie für den Fischzug heute Nacht reicht vielleicht, um das Ding vollends zu bezahlen. Ötün ist großzügig, wenn er nachts keine Lust hat. Seitdem Nesche da ist.

Den Fuß vom Gas. Die Bremslichter leuchten nacheinander auf, als wären sie hintereinander geschaltet, aufgeregte Warnblinker gehen an. Hilfe! Fahr mir bloß nicht hintendrauf!

Vor mir, über den Bergen, wird es heller. Gute Zeit, die letzte Stunde vor Tagesanbruch, wenn man nachts fitter ist als am Tag und einen Biorhythmus hat wie ein Colaautomat.

Ein schwarzer Mercedes. Kommt mit einem Affenzahn auf der Überholspur angebraust, bremst zackig ab, um nicht auf die anderen aufzufahren, die da bereits aufgereiht stehen, schert so dicht vor mir ein, dass ich tatsächlich auf die Bremse tippen muss. Arschloch. Zweimal aufs Horn drücken. Meine Truckposaune. Reicht für ein Linienschiff. Kann leider nicht sehen, wie es den Typen im Benz zusammenreißt. Rechts rüber auf den Standstreifen jetzt, ich brumme am Stau vorbei. Gehe auf dreißig herunter, um nicht einen von den Idioten umzufahren, die bei so was gern aussteigen, um bessere Sicht auf den Unfall zu haben.

Fehlen nur ein paar träge Monster da oben an der Brüstung, die hätten auf der Autobahnbrücke jetzt ganz natürlich gewirkt. Die Baumkronen pulsieren in Blau, darüber der orangefarbene Mond. Sieht aus wie ein Fehler in der Grafik. Feuerwehr und Notarztwagen stehen hintereinander auf der linken Spur. Die Polizei winkt mit Kellen rum, rote Glühwürmchen drin, beide Spuren si

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