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Georg Letham - Arzt und Mörder (Psycho-Thriller) von Weiß, Ernst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.12.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Georg Letham - Arzt und Mörder (Psycho-Thriller)

Der Ich-Erzähler Dr. med. Georg Letham jun. schreibt sich frei von seiner Schuld. In Georg Lethams Herzen gibt es keine Liebe. Er peinigt seine 'unschöne, liebessüchtige', aber wohlhabende Gattin. Die ihm hündisch ergebene, alternde Frau bittet um eine Morphiumspritze. Er spritzt ihr stattdessen eine letale Dosis 'Toxin Y'. Nach dem Tode seiner Frau kommt der 40-jährige Mörder in Untersuchungshaft. Darin will er 'ohne Geständnis und ohne Lüge durchhalten'. Der Bruder, nicht der reiche, geizige Vater, kümmert sich um den Häftling. Georg Letham wird 'wegen Giftmordes zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt'. Ernst Weiß (1882-1940) war ein österreichischer Arzt und Schriftsteller. 1928 wurde Weiß vom Land Oberösterreich mit dem Adalbert-Stifter-Preis ausgezeichnet. Weiß debütierte mit seinem Roman Die Galeere.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 09.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026872092
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1791 kBytes
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Georg Letham - Arzt und Mörder (Psycho-Thriller)

III

Inhaltsverzeichnis
Ich muß noch eines Menschen Erwähnung tun, der der wichtigste für mich hätte sein können - vielleicht? Wer weiß es? Walter, mein Jahrgangskollege beim medizinischen Studium. Wir hatten einmal in einer Vorlesung ein eigentümliches Erlebnis, das ich seither lange schon vergessen glaubte. Aber jetzt in der Untersuchungshaft, in der Zeit zwischen Tat und Urteil, in den schwer zu ertragenden Stunden der Verlassenheit, im Stadium des Aufsichselbstangewiesenseins, des außerordentlich qualvollen Grübelns und Analysierens, wozu einen jeden die Einsamkeit zwingt, besonders wenn man bis dahin ein geistig intensives Leben geführt hat - da entsann ich mich dieses an sich unbedeutenden, episodischen Erlebnisses.

Der alte Professor der Physiologie hielt uns eben einen langen Vortrag über die optischen Eigenschaften des menschlichen Auges, als sich links hinter der großen Holztafel die kleine Tür öffnete, welche den Hörsaal mit den anderen Räumen des physiologischen Instituts verband.

Wir sahen anfangs gar nicht hin, denn jetzt war unsere Aufmerksamkeit auf die schwierigen Berechnungen und Formeln konzentriert, die der Professor mit knirschender Kreide auf die von der Mittagssonne grell beleuchtete schwarze Tafel schrieb.

Noch sehe ich die schöne, schlanke und doch männlich energische, sehnige Hand meines Kollegen vor mir, wie sie die Formeln in ein etwas unordentlich geführtes Kollegheft abschreibt; während die dunkelgrauen, leuchtenden Augen mit ihrem Ausdruck vollkommener, darf ich sagen? freudiger Intelligenz nicht von der Tafel abweichen, malt die Hand fast unkontrolliert, in der Zeilenrichtung nach oben und unten abweichend, die Ziffern nach.

Da entsteht plötzlich Bewegung, die Studenten in der Nähe des Katheders beginnen zu lachen, zu trampeln, von ihren Sitzen aufzustehen; etwas noch nicht einmal Kniehohes, Struppiges, Sonderbares, Rötlich-weißes schlängelt und windet sich zwischen ihnen durch, ich sehe jetzt hin. Ein schmutzig-weißer Pudel mit buschigem, krampfhaft wedelnden Schweif, den Kopf bis zu der hellbraunen nackten Schnauze mit Blut bedeckt, eine große, viereckige Wunde auf einer Seite des Kopfes, wedelt stumm, mit heraushängender, an den Rändern gequetschter Zunge, mit verdrehten Augen, an den Füßen des entsetzten, nein, nicht entsetzten! nur verblüfften Professors vorbei. An den hübschen Fesseln der mageren Beine sieht man zernagte, schmale Lederriemen nachgeschleppt. Bellen oder Winseln hört man nicht. Nur röchelndes Atmen.

Mein Vater hatte mich, ich erzähle es später in aller Ausführlichkeit, gegen die Schauerlichkeiten des Daseins, wie es wirklich ist, abgehärtet. Sonst hätte ich niemals das Studium der Medizin gewählt, ich hätte der Verlockung, auch dem körperlichen Leben hinter seine Geheimnisse zu kommen, widerstanden. Widerstehen müssen! Ich glaubte mich also gegen alle Eindrücke selbst der gräßlichsten Art gefeit. Ich wollte es sein. So wollte ich sein. Es schien so. Ich hatte Leichen in aller Ruhe seziert und dazu meine Zigarre geraucht, wie alle anderen Mediziner im ersten Semester es tun. Ich hatte auch bereits Vivisektionsversuchen beigewohnt, wie sie, um reiner Lehrzwecke willen, den Studenten im dritten Semester schon vorgeführt werden. Immer war ich auf derartige Nachtseiten des Daseins im Interesse der wissenschaftlichen, humanen Forschung vorbereitet gewesen und hatte sie, wenn auch nicht leicht, ertragen. Jetzt aber befand ich mich in einem Zustand grausigen Entsetzens, unvorbereitet, wie ich war, als das Tier schweifschlagend immer höher die Stufen des Amphitheaters emporkrauchte, mit seinem panisch verrückten Blick an uns emporsah - jetzt zog das Biest schlürfend tief die Luft durch seine semmelfarbenen, etwas blutigen Nüstern ein, um seine Qualen endlich in einem Heulen zu entladen. Da stand mein Nachbar schnell auf. Das Tier war schon bis an unsere Bank, die sich auf der höchsten Höhe des Amphitheaters bef

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