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Gesammelte Werke Der Mondstein, Das Duell im Walde, Blinde Liebe, Die Frau in Weiß, John Jagos Geist, Ein Tiefes Geheimnis, Fräulein Minna und der Reitknecht, Heirat wider Willen, Fräulein Morris und der Fremde... von Collins, Wilkie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2017
  • Verlag: e-artnow
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Gesammelte Werke

Dieses eBook: 'Gesammelte Werke' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Wilkie Collins (1824-1889) war ein britischer Schriftsteller und Verfasser der ersten Mystery Thriller. Er gilt heute als einer der großen viktorianischen Schriftsteller. Seine bekanntesten Werke sind Die Frau in Weiß und Der Monddiamant. Beide Romane würde man heute als Mystery Thriller oder im Fall von The Moonstone als Detective Novel bezeichnen, und man kann Wilkie Collins mit einigem Recht als einen der Begründer dieser Genres sehen. Collins war ein enger Freund Charles Dickens'. Dickens und Collins schrieben auch gemeinsam Texte. Inhalt: Die Frau in Weiß Der Mondstein Blinde Liebe Die Neue Magdalena Ein Tiefes Geheimnis Fräulein Minna und der Reitknecht Fräulein oder Frau? Herr Marmaduke und der Pfarrer Herr Lismore und die Witwe John Jagos Geist Heirat wider Willen Fräulein Morris und der Fremde Das Duell im Walde Eine Ehestandstragödie

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 2686
    Erscheinungsdatum: 29.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026872375
    Verlag: e-artnow
    Größe: 2959 kBytes
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Gesammelte Werke

III

Inhaltsverzeichnis
Die Hitze war den ganzen Tag über sehr drückend gewesen, auch der Abend war noch heiß und schwül.

Meine Mutter und Schwester hatten so viele letzte Worte zu sagen gehabt und mich so oft gebeten, noch fünf Minuten langer zu bleiben, daß es beinahe Mitternacht war, als die Magd das Gartenthor hinter mir schloß. Ich that ein paar Schritte auf dem kürzesten Wege nach London zu, dann stand ich still und zögerte.

Der Mond stand groß und voll an dem dunkelblauen, sternenlosen Himmel, und die hügelige Heide sah in dem geheimnisvollen Lichte wild genug aus, daß sie Hunderte von Meilen von der Stadt hätte entfernt sein können, die weiter abwärts lag. Ich konnte mich nicht überwinden, eher als durchaus nothwendig, zu der Hitze und trüben Luft von London zurückzukehren. Die Aussicht, in meine dumpfigen Zimmer schlafen zu gehen, und die, allmälig zu ersticken, schienen mir bei meinem unruhigen Körper- und Gemüthszustande gleichbedeutend. Ich beschloß, durch die reinere Luft auf dem weitesten Umwege, den ich nur machen konnte, heimzuschlendern; den weißen sich hin und her schlängelnden Pfaden, die über die einsame Heide hinliefen, zu folgen und durch die am freiesten liegende Vorstadt von London dorthin zurückzukehren, indem ich den weg von Finchley einschlug und so in der Frische des neuen Morgens auf der Westseite des Regent's Park anlangte. Ich wanderte langsam auf der Heide dahin, im Genusse der himmlischen Stille und voll Bewunderung der sanften Abwechslungen von Licht und Schatten, wie sie einander rund um mich her auf der hügeligen Haide folgten. Solange ich bei diesem ersten und hübschesten Theil meines Nachtspazierganges war, blieb mein Geist für die Eindrücke des Anblickes passiv empfänglich; ich dachte nur wenig an irgend einen Gegenstand - ja, was meine Gefühle betrifft, so dachte ich eigentlich gar nicht.

Als ich aber die Heide verlassen und einen Nebenweg eingeschlagen hatte, wo es weniger zu sehen gab, zogen die Gedanken, welche die kommende Veränderung in meinen Gewohnheiten und Beschäftigungen natürlicherweise hervorriefen, mehr und mehr meine Aufmerksamkeit ausschließlich auf sich. Als ich am Ende des Weges anlangte, war ich vollkommen in meine phantastischen Visionen von Limmeridge House, Mr. Fairlie und den beiden jungen Damen vertieft, deren Uebungen in der Kunst der Wasserfarbenmalerei ich so bald beaufsichtigen sollte.

Ich war jetzt an der Stelle angekommen, wo vier Wege einander begegnen - der Weg nach Hampstead, auf dem ich zurückgekehrt war, der Weg nach Finchley, der nach West-End und der nach London. Ich hatte mechanisch den letzteren eingeschlagen und schlenderte langsam die Landstraße entlang - in unnützen Muthmaßungen, wie ich mich entsinne, über das Aussehen der jungen Damen in Cumberland - als in einem einzigen Augenblicke jeder Tropfen Blutes in meinem Körper durch die Berührung einer Hand, die leicht und plötzlich von hinten auf meine Schulter gelegt wurde, erstarrte.

Ich wandte mich schnell um, indem meine Finger sich fest um meinen Stock schlossen.

Da, in der Mitte des breiten, hellen Weges - da, als ob sie soeben aus dem Erdboden entsprungen oder vom Himmel gefallen wäre - stand die Gestalt einer einsamen Frau von Kopf bis zu Füßen in weißen Kleidern, ihr Gesicht in ernster Frage zu dem meinigen gewendet und mit der Hand auf die dunkle Wolke deutend, die über London hing.

Ich war über die seltsame Erscheinung, die so plötzlich in der tiefen Nacht an dieser einsamen Stelle vor mich hingetreten war, zu sehr erschrocken, um sie zu fragen, was sie verlange. Sie sprach zuerst.

"Ist das der Weg nach London?" sagte sie.

Ich sah sie aufmerksam an, als sie diese sonderbare Frage that. Es war jetzt beinahe ein Uhr. Alles, was ich deutlich im Mondlichte unterscheiden konnte, war ein farbloses, junges Gesicht, mager und spitz um Kinn und Wangen; große, ernste, sehnsüchtig aufmerksame Augen;

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