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Graue Nächte Island-Krimi von Indriðason, Arnaldur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 21.12.2018 per Download lieferbar

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Graue Nächte

Frühling 1943. In Reykjavik ist die Lage angespannt, Island ist von den Amerikanern besetzt. In diesen unruhigen Zeiten wird eine Leiche an einem Strand, nahe des Stadtzentrums, entdeckt. Der Mann, ein Soldat, wurde offenbar ermordet. Ein weiterer Fall beschäftigt Kommissar Flóvent und seinen Kollegen Thorson von der Militärpolizei: Eine Frau, die oft mit Soldaten gesehen wurde, verschwindet spurlos. Stehen der Mord und das Verschwinden der Frau im Zusammenhang? Die Kommissare ermitteln in einem heiklen Umfeld ...

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute ist er der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane erobern stets Platz 1 der isländischen Bestsellerliste und stehen auch bei uns nach ihrem Erscheinen immer auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie werden in 40 Sprachen übersetzt und sind mit renommierten Krimipreisen ausgezeichnet worden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 413
    Erscheinungsdatum: 21.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560677
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Petsamo
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Graue Nächte

Sechs

Wie vom Donner gerührt stand sie am Kai dieses entlegenen, kalten finnischen Orts am nördlichen Eismeer und konnte nicht glauben, was der Mann ihr gerade gesagt hatte. Vielleicht hatte sie ihn inmitten des Lärms, der von den vielen Menschen hier ausging, nicht richtig verstanden.

Die Ankömmlinge aus den Reisebussen hatten begonnen, ihr Gepäck an Bord der Esja zu bringen. Man hatte ihnen gesagt, das Schiff werde nicht länger als unbedingt notwendig in Petsamo bleiben und ablegen, sobald alle Passagiere an Bord seien - sie sollten sich beeilen. Auf dem Weg nach Finnland hatte das Schiff bereits einige Passagiere aus Trondheim aufgenommen und war im Vestfjord in Norwegen in Schwierigkeiten geraten, als deutsche Kampfflugzeuge ihm den Weg versperrt hatten und es mit Waffengewalt in einen Hafen gezwungen worden war. Sie hatten dem Schiff knapp vor den Bug gefeuert und die Besatzung in Angst und Schrecken versetzt. Vier Tage lang stritt sich der Kapitän mit den Deutschen, bis sie ihren Fehler eingestanden und die Esja ihren Weg gen Norden fortsetzen ließen, in Richtung Finnland. Hier wartete das Schiff bereits seit einigen Tagen auf die Passagiere. Niemand wollte noch länger in Petsamo bleiben, sondern so schnell wie möglich gen Island fahren.

Die Besatzung half den Neuankömmlingen, ihre Plätze zu finden, und führte sie durch die schmalen Gänge zu den Kajüten und Frachträumen des Schiffs. Es war sehr eng an Bord - jeder freie Quadratmeter wurde zur Unterbringung der Passagiere genutzt. Nicht nur die wenigen Kajüten waren überbelegt, auch in den Frachträumen, auf den Gängen und sogar im Speisesaal hatte man Schlafplätze eingerichtet. Während die Passagiere an Bord gingen, wurden neue Vorräte aufs Schiff gebracht. Zollbeamte guckten in alle Taschen und Bündel und kontrollierten die Reisepapiere.

"Was meinst du damit?", fragte sie ihn, immer noch ein Stückchen abseits vom Getümmel. "Warum sagst du das ... dass die Nazis ihn festgenommen haben? Warum zur Hölle ...?"

Der Mann, der ihr diese Nachricht über ihren Liebsten in Kopenhagen überbracht hatte, schüttelte den Kopf, als wäre es auch ihm unbegreiflich.

"Soweit ich gehört habe, wurden zwei Medizinstudenten verhört: Christian Steenstrup und Ósvaldur. Mehr weiß ich auch nicht. Das habe ich in der medizinischen Fakultät aufgeschnappt. Erst wurde Christian verhaftet, und dann haben sie sich Ósvaldur geholt, vielleicht auch noch andere. Das ist alles, was ich weiß. Das habe ich am Tag unserer Abreise aus Kopenhagen gehört. Ich habe niemandem etwas gesagt, weil ... weil ich ja gar nicht weiß, was da dran ist, abgesehen natürlich davon, dass Ósvaldur nicht aufgetaucht ist ..."

"Er wollte zusammen mit der Gruppe hierherkommen."

"Ja. Ich weiß. Tut mir leid, ich wusste nicht, dass du hier sein würdest. Ich habe nicht damit gerechnet, dir diese Nachricht überbringen zu müssen."

Sie starrte ihn an.

"Glaubst du, dass es so war?", fragte sie. "Dass sie ihn verhaftet haben?"

Der Mann zuckte mit den Schultern, wie um zu betonen, dass er ihr alles gesagt hatte, was er wusste. Sie erinnerte sich daran, ihn in der medizinischen Fakultät gesehen zu haben, er war sicher schon am Ende seines Studiums, vielleicht zwei Jahre älter als Ósvaldur. Jetzt erinnerte sie sich auch dunkel wieder an seinen Namen. Valdimar - oder Ingimar, eins von beidem. Sie waren sich auf Treffen der Isländer in Kopenhagen begegnet, einmal als die Studentenverbindung eine Lesung aus neu erschienenen isländischen Büchern organisiert hatte, und einmal bei der Weihnachtsfeier der medizinischen Fakultät. Beide Male war sie mit Ósvaldur dort gewesen, und er hatte ihn einen feinen Kerl genannt.

"Wie kann ich es herausfinden?", fragte sie. Aber als sie zur Kommandobrücke der Esja hinaufblickte, wusste sie plötzlich, was zu tun war.

Sie eilte in Richtung Gangway, zwängte sich durch die Men

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