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Handel der Gefühle Kriminalroman. Havanna-Quartett 'Frühling' von Padura, Leonardo (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Handel der Gefühle

Ein trockener, heißer Frühlingssturm fegt durch die Straßen Havannas, als Teniente Mario Conde der schönen Karina bei einer Autopanne hilft. Karina ist Jazzfan und spielt noch dazu selbst Saxofon - Mario Conde verliebt sich augenblicklich. Doch da wird er mit einer heiklen Untersuchung beauftragt: Eine junge Chemielehrerin an seiner ehemaligen Schule ist ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden worden, in der auch Spuren von Marihuana entdeckt werden. Mario Conde muss feststellen, dass nicht nur beim Parteikader, sondern auch im Bildungswesen die Kriminalität alltäglich geworden ist, dass Vetternwirtschaft, Drogenhandel und Betrug blühen. Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, zählt zu den meistgelesenen kubanischen Autoren. Sein Werk umfasst Romane, Erzählbände, literaturwissenschaftliche Studien sowie Reportagen. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus Das Havanna-Quartett. Im Jahr 2012 wurde ihm der kubanische Nationalpreis für Literatur zugesprochen und im Juni 2015 erhielt er den spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur. Leonardo Padura lebt in Havanna.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293304871
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: Metro Bd.2
    Originaltitel: Vientos de cuaresma
    Größe: 3243 kBytes
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Handel der Gefühle

2

D ie zwei Duralginas lagen ihm schwer im Magen wie ein Schuldgefühl. El Conde hatte die Tabletten mit einer riesigen Tasse schwarzen Kaffees hinuntergespült, nachdem er festgestellt hatte, dass die letzten Reste der noch vorhandenen Milch geronnen waren.

Glücklicherweise hatte er im Schrank zwei saubere Hemden entdeckt, und er konnte sich den Luxus leisten, sich eins auszusuchen. Er entschied sich für das rostbraun-weiß gestreifte mit den langen Ärmeln, die er bis zu den Ellbogen hochkrempelte. Die Jeans, die er unter dem Bett hervorzog, hatte nach der letzten Wäsche erst rund vierzehn Kampftage hinter sich und konnte noch vierzehn weitere vertragen. Er steckte die Pistole in den Hosenbund, wobei er feststellte, dass er abgenommen hatte. Sorgen machte er sich deswegen jedoch keine: Er hatte weder Hunger noch Krebs. Außer einem Brennen im Magen war alles in Ordnung. Die Ringe unter den Augen waren nicht besonders dunkel, der beginnende Haarausfall schien nur langsam voranzuschreiten, seine Leber hielt immer noch tapfer stand, und die Kopfschmerzen ließen bereits nach. Heute war schon Donnerstag, morgen Freitag. Als er dem Wind und der Sonne entgegentrat, war er beinahe versucht, ein altes Liebeslied zu vergewaltigen: Tausend Jahre werden vergehn und noch viel mehr / ich weiß nicht, ob es Liebe gibt in der Ewigkeit / doch dort wird es sein wie hier ...

Um viertel nach acht betrat er die Eingangshalle der Kripozentrale, begrüßte mehrere Kollegen, las sehnsüchtig die neuen Pensionsregelungen für das Jahr 1989 auf dem schwarzen Brett und rauchte die fünfte Zigarette des Tages, während er auf den Lift wartete, um sich bei dem Dienst habenden Offizier zu melden. Er hegte die wunderschöne Hoffnung, man möge ihm noch keinen neuen Fall übertragen, denn er wollte sich ganz auf einen einzigen Gedanken konzentrieren. Ja, in den letzten Tagen hatte er sogar wieder das Bedürfnis verspürt zu schreiben. Er hatte ein paar Bücher, die ihm stets halfen, seine Trägheit zu überwinden, wieder gelesen und in einem alten Schulheft, einem mit grün liniertem, gelblichem Papier, einige seiner Ideen notiert. Wie ein in Vergessenheit geratener pitcher, der in einem entscheidenden Spiel eingesetzt werden soll und sich warm spielt. Seine Wiederbegegnung mit Tamara vor ein paar Monaten hatte verloren geglaubte Erinnerungen und längst vergessene Gefühle in ihm geweckt. Auch Hassgefühle, die er für überwunden gehalten hatte, waren durch die unerwartete Konfrontation mit jenem wichtigen Teil seinerVergangenheit wieder hochgekommen. Er musste sich mit der Vergangenheit endlich aussöhnen, musste ihr den Prozess machen und sie ein für alle Mal bannen. Nun kam ihm der Gedanke, dass all das möglicherweise Material hergeben könnte für eine ziemlich anrührende Geschichte über die alten Zeiten, als sie alle noch sehr jung, sehr arm und sehr glücklich gewesen waren: der dünne Carlos, der damals noch dünn war, Andrés, der unbedingt Baseballspieler werden wollte, Dulcita, die noch nicht ins Ausland gegangen war, der Hasenzahn, der Geschichte studieren wollte, Tamara, die noch nicht mit Rafael verheiratet und so wunderwunderschön war; und er selbst natürlich, der davon träumte, Schriftsteller zu werden, nichts anderes als Schriftsteller, wenn er auf dem Bett liegend das Foto von Hemingway an der Wand betrachtete und in jenen Augen das Geheimnis des Blickes zu ergründen suchte, mit dem der alte Schriftsteller die Welt maß und sah, was andere nicht sahen. Sollte er jemals eine Chronik von Liebe und Hass, Glück und Enttäuschung schreiben, dann würde er sie Ein perfektes Leben nennen.

Der Lift hielt in der dritten Etage. El Conde wandte sich nach rechts. Die mit kerosingetränktem Sägemehl gefegten Böden glänzten, die Sonne flutete durch die hohen Fenster mit den Aluminiumrahmen und ließ den langen Korridor in hellem Licht erstrahlen. Das ganze Gebäude wa

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