text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Heiß Ein John-Finch-Thriller von Schilddorfer, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Heiß

Ein alter, weiser Künstler im Hindukusch: grausam ermordet. Eine schöne Archäologin: niedergestochen in Alexandria. Ein Berliner Nachtwächter: durchgeschnittene Kehle. Die Spuren dieser Morde führen alle zu einem sagenumwobenen Grab in der Sahara, seit Jahrhunderten bewacht von Skorpionen. Es birgt ein Geheimnis, das so kostbar ist, dass Menschenleben wenig zählen. Auch John Finch ist ihm auf der Spur. Und schon bald mittendrin in einer mörderischen Jagd nach dem größten Geheimnis der Antike ... Gerd Schilddorfer, in Wien geboren und aufgewachsen, begann seine Karriere als Journalist bei der Austria Presse Agentur und war danach Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen. Seit 2009 veröffentlichte er zahlreiche Thriller und Sachbücher. Der Weltenbummler lebte bereits an zahlreichen Orten in Europa und Übersee und wohnt zurzeit in Wien und Stralsund.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 715
    Erscheinungsdatum: 30.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561087
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 975 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Heiß

9. November 1965

A DRAR- P LATEAU / M AURETANIEN

Sand und Geröll rutschten nach, mit der Unerbittlichkeit einer Dampfwalze und dem Geräusch einer zornigen Kobra. Die ganze Welt schien erfüllt von einem Zischen und Rumpeln, das immer lauter wurde. Es hörte sich an, als wäre der halbe Berg in Bewegung.

Mit dem Gewicht der Steine kam der Tod, die tonnenschweren Blöcke verschoben sich wie die Bauklötze eines Kinderspiels. Die Falle war genial und tödlich zugleich. Selbst nach Hunderten von Jahren war sie noch immer so gefährlich wie am ersten Tag.

Nur diesmal schnappte sie zu.

Ali Ben Assaid, der sich gerade durch den schmalen Zugang in die große Höhle retten wollte, riss instinktiv den Kopf zurück, als er ein knirschendes Geräusch hörte.

Keine Sekunde zu früh.

Über ihm löste sich ein Steinquader, schien einen Augenblick zu zögern und fiel schließlich, dem Gesetz der Schwerkraft und dem brillanten Plan der Erbauer folgend, mit einem ohrenbetäubenden Knall an seinen vorbestimmten Platz. Damit war der erste der Eingänge verschlossen und die große Fackel unter dem riesigen Block zerquetscht und ausgelöscht. Mit einem Schlag war es stockdunkel bis auf das fahle Licht seiner Stirnlampe.

Assaid fluchte laut und lief tiefer in den unterirdischen Komplex hinein. Doch er hatte sich die Position der anderen Zugänge nicht gemerkt und wusste, dass es eine sinnlose Reaktion war. Einfach nur das simple Bestreben, irgendetwas zu tun und nicht tatenlos dazustehen und zu warten, bis er lebendig begraben wurde.

Was hatte er bloß übersehen?

Und wo waren die Aufzeichnungen, die Kisten, die Reichtümer eines Königs, von denen das Dokument berichtet hatte?

Von allen Seiten drangen die gleichen Geräusche in die runde, unterirdische Kammer. Es war, als würden nacheinander Dutzende Türen zugeworfen. Als verschränkten sich zwei überdimensionale Muschelhälften nahtlos ineinander, knirschend, endgültig. Gänge wurden blockiert, Räume des weitläufigen unterirdischen Komplexes verschlossen.

Wo war der Auslöser gewesen, den er unbewusst betätigt hatte?

Was um Allah willen hatte die Falle zum Zuschnappen gebracht?

Und wie hatten es alle anderen vermieden, hier lebendig begraben zu werden?

In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Während er rannte und versuchte, nicht über herabstürzende Steinbrocken zu stolpern oder von ihnen erschlagen zu werden, überlegte Assaid fieberhaft, was er falsch gemacht hatte. Mit einem Mal jedoch stutzte er, blieb stehen und legte den Kopf schief, um besser zu hören.

Die riesige Kammer, die wie eine flache Trommel geformt war, stöhnte unter dem Ansturm der Geröllmassen. Ein lautes, unheimliches Geräusch, das dem Ägypter alle Haare zu Berge stehen ließ. Selbst die sieben monumentalen Steinfiguren, die in einem weiten Kreis um das Zentrum der Kammer standen, wankten im irrlichternden Kegel seiner Lampe.

"Was zum Teufel ...", murmelte der schlanke, junge Mann mit dem dichten Schnurrbart und den stechenden Augen verzweifelt, als er den feinen Schotter durch unzählige quadratische Löcher wie unaufhaltsame Wasserstrahlen herabschießen sah. Auch das Zischen war wieder zu hören, lauter denn je. Mit erschreckender Schnelligkeit begann sich der runde Raum mit Geröll zu füllen.

Assaid quetschte sich zwischen den Figuren der Wächter durch, hörte den Stoff seines Hemdes reißen und spürte einen stechenden Schmerz an seiner Schulter. Im fahlen Lichtschein seiner Lampe sah er den Sarkophag, gläsern und unberührt. Er war bis zum Rand gefüllt mit einer gelblichen, dickflüssigen Substanz, in der ein einbalsamierter Körper wie eine Mücke in Bernstein schwebte.

An den langen Seiten des reich mit Figuren und Blumenornamenten verzierten Steinsockels, auf der das Wunderwerk stand, führten Treppen ins Dunkel. Wenigstens waren im Notfall nicht

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen