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Hexenwahn von Döhlings, Christina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.02.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Hexenwahn

Man schreibt das Jahr 1509. Unheimliche Dinge geschehen in Neuss: Kinder verschwinden spurlos, Ungeziefer taucht aus dem Nichts auf, man munkelt von Schadenzauber und Teufelswerk. Zwei Frauen werden der Hexerei bezichtigt und in den Blutturm gesperrt. Ein zu diesem Zweck einberufener 'Hexenausschuss' setzt sich zum Ziel, die beiden auf den Scheiterhaufen zu bringen. Doch es finden sich Widersacher: ein buckliger Weinhändler, ein schwergewichtiger Barbier und ein einbeiniger Schustermeister halten die beiden Frauen für unschuldig - und kommen einem Verbrechen auf die Spur, wie es teuflischer nicht sein könnte. Christina Döhlings atmet seit 1966 'Nüsser' Luft (mit einigen Unterbrechungen in fremden Gefilden). Schon als Kind konnte sie ihren Schreibtrieb nicht unterdrücken. Sie nutzte alte Schulhefte, um Geschichten über Tiere und Fabelwesen zu Papier zu bringen. Inzwischen ist sie auf den Computer umgestiegen und hat das Genre gewechselt. Das vorliegende Werk ist ihr erstes Buch. Christina Döhlings arbeitet in einer psychiatrischen Einrichtung und lebt mit ihren drei Kindern in Neuss.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 29.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863586508
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3727 kBytes
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Hexenwahn

Tag eins. Sonntag

Sie war zu Unrecht hier, sie hatte nichts Böses getan.

"Bitte", flüsterte sie, "alle Engel des Himmels, holt mich raus aus diesem Loch!"

Warum hatte man sie hierher verschleppt? Sie war doch nur im Garten gewesen!

Beim Schneiden des Liebstöckels hatte sie sich in die Hand geschnitten, es brannte immer noch. Und nicht bloß ihre Hand, ihr ganzer Körper schmerzte.

Was war geschehen? Erinnere dich, sagte sie zu sich selbst, um alles in der Welt: Erinnere dich!

Schwerfällig schwebten Bilder durch ihren Kopf: der kleine Garten ihrer Herrschaft in der Abenddämmerung, sie selbst im Kräuterbeet, links hinten an der Mauer. Sie legte gerade Liebstöckel in den Korb. Es duftete nach Kräutern und Blumen. Vorsichtig presste sie das Tuch, das sie zum Einwickeln der abgeschnittenen Stängel benutzte, auf die Schnittwunde. Die Blutung ließ rasch nach. Sie sah sich um und wunderte sich, wie stark die Bohnenranken in den letzten Tagen gewachsen waren.

Die Abendsonne versank rosenfarben hinter der Stadtmauer, auf den Dächern der Türme und Häuser spiegelte sich das Licht. Die Nacht war nicht mehr weit; Dämmerung tastete sich durch den Garten. Äste und Gräser schaukelten im leichten Wind, ihre Konturen wurden dunkler und dunkler im Zwielicht des Augustabends.

Und plötzlich standen sie da: Männer in schwarzen Kleidern. Sie wuchsen wie Schatten aus dem Boden. Ihre Stimmen klangen wie Donnergrollen, laut und hart. Sie verstand nur wenig: "Schutzherrschaft", "angeklagt", "Frevel". Wieso sagten sie das? "Mit dem Teufel gebuhlt!", rief einer, der wie ein Geistlicher aussah. Aber sie hatte doch nur den Liebstöckel geschnitten! Doch das schienen die Männer nicht zu wissen. Den größten von ihnen kannte sie, den mit den buschigen Brauen und der Kerbe im Kinn, aber an seinen Namen konnte sie sich nicht erinnern. "Kommt mit", befahl er.

Dann fassten sie ihren Arm, sehr grob, und stießen sie durch das Gartentor. Ihr Kopf schlug gegen die Mauer. Das blutige Tuch glitt ihr aus der Hand. Sie musste daran denken, dass ein Kessel Suppe über dem Feuer hing. Ihre Herrin stand draußen vor dem Tor und sah sie an, die Augen unter den farblosen Brauen dunkel und starr.

"Die Suppe!", wollte sie sagen. "Ihr müsst sie herunternehmen!", doch ihr wurde schwarz vor Augen. Undeutlich erinnerte sie sich, wie die Männer sie durch die Gasse entlang der Stadtmauer schleiften. Staub stieg auf, sie musste husten. Dann verließ sie ihr Gedächtnis.

Jetzt saß sie im Kerker, in diesem kalten, unheimlichen Gefängnis. Warum?

Was sollte sie getan haben? Sie erinnerte sich nicht, ihr Kopf war schwer und gleichzeitig so leer, es gab keine Bilder mehr darin.

Ihre Stirn brannte schmerzhaft. Sie wollte danach tasten, aber ihre Hände waren an die Wand gefesselt, schweres Eisen schlug gegen ihre Gelenke.

Sie sah Gesichter, die sich umeinander drehten und in der Luft schwebten. Wie konnte das sein? Augen und Münder und tiefe Falten. Weiß und schwarz.

Ihr war kalt. Der Boden hart. Ein Rascheln in der Ecke.

Ratten - nicht näher kommen, hört ihr, nicht näher kommen!

"Hexe!" Das hatten sie gerufen.

Und über schreckliche Dinge gesprochen, die sie mit ihr machen wollten. Zangen und Nägel.

Schmerz. Ohnmacht.



"Vinzenz, rate mal, wer draußen steht und Einlass begehrt!", rief Reinhard Stael, Hauptmann der Stadtwache des Neusser Südwestviertels, vom Wehrgang aus seinem jüngeren Kollegen zu, der am Tisch im Wachraum saß und an einer Hühnerkeule nagte.

"Wer denn?" Vinzenz wischte sich mit dem Handrücken das Fett vom Mund. Ein Stückchen Hühnerhaut hatte sich über seiner Oberlippe im Barthaar verfangen. "Der König von England? Der Heilige Geist? Eine willige Jungfrau?" Er lachte anzüglich.

Seit ihm Minna Kelkers die Ehe versprochen hatte - genauer gesagt: ihr schwerhöriger Vater, dem er seinen

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