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Ihr letzter Sommer Thriller von Snoekstra, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2016
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
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Ihr letzter Sommer

Im Sommer 2003 verschwindet die 16-jährige Rebecca Winter spurlos. Elf Jahre später greift die Polizei eine Rumtreiberin auf, die behauptet, Rebecca zu sein - und der Gesuchten tatsächlich so täuschend ähnlich sieht, dass deren Familie sie mit offenen Armen aufnimmt. Die vermeintliche verlorene Tochter genießt die ungewohnte Zuwendung und schlüpft in Rebeccas Kleider und Leben. Doch je mehr sie sich mit ihrer Rolle identifiziert, desto tiefer dringt sie in Rebeccas Welt vor. Und kommt der tödlichen Wahrheit um ihr Verschwinden immer näher ...

'Geschickt springt Autorin Anna Snoekstra in diesem abgründigen Psychothriller zwischen den Zeitebenen und Perspektiven hin und her und treibt die Spannung damit auf die Spitze.' - Buchjournal

Anna Snoekstra, Jahrgang 1988, wuchs in Canberra auf und zog mit 18 Jahren nach Melbourne, wo sie Film und Creative Writing studierte. Sie hat mehrere Kurzfilme und Musikvideos gedreht, bevor sie sich ganz aufs Schreiben konzentrierte. Ihre Geschichten sind in zahlreichen Literaturmagazinen erschienen; die Erzählung 'Greyfields' schaffte es auf die Shortlist für den renommierten 'Viva La Novella'-Preis 2014. Ihre Lieblingsautoren sind Joyce Carol Oates und Susan E. Hinton, ihr Lieblingszitat stammt von Charles Bukowski: 'Finde, was du liebst, und lass es dich töten'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 15.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959679640
    Verlag: HarperCollins
    Größe: 301 kBytes
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Ihr letzter Sommer

ERSTES KAPITEL

2014

Mit gesenktem Kopf sitze ich in einem Verhörraum und ziehe fest die Jacke zu. Kalt hier drin. Ich warte schon fast eine Stunde, mache mir aber keine Sorgen. Bestimmt habe ich für ganz schönen Aufruhr auf der anderen Seite dieses Spiegels gesorgt. Wahrscheinlich telefonieren die grade mit dem Vermisstendezernat, suchen Fotos von Rebecca raus und gleichen sie penibelst mit mir ab. Das dürfte sie überzeugen - die Ähnlichkeit ist verblüffend.

Mir ist sie vor ein paar Monaten aufgefallen. Ich hatte mich mit Peter zu Hause eingeigelt. Normalerweise werde ich von einem Kater immer depri, verkrieche mich den ganzen Tag in meinem Zimmer und höre traurige Musik. Aber nicht mit Peter. Wir schliefen bis mittags und hingen dann einfach auf der Couch ab, aßen Pizza und rauchten Zigaretten, bis es uns besser ging. Damals glaubte ich noch, das Geld meiner Eltern spiele keine Rolle und ich bräuchte zum Leben nichts als Liebe.

Irgendwann lief so eine Trashsendung namens Wanted , in der über eine grausige Mordserie in einem Altersheim berichtet wurde, im Holden Valley Aged Care in Melbourne. Ich suchte nach der Fernbedienung. Abgeschlachtete Omas heben schließlich nicht unbedingt die Laune. Gerade als ich umschalten wollte, fing die nächste Story an und ein Foto von einem Mädchen wurde eingeblendet. Sie hatte meine Nase, meine Augen, mein kupferrotes Haar. Sogar meine Sommersprossen hatte sie.

"Am 17. Januar 2003 kam Rebecca Winter von der Spätschicht bei McDonald's in Manuka, einem Vorort im Norden von Canberra", kommentierte eine dramatische Männerstimme. "Doch irgendwo auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause ist sie verschwunden und wurde nie wieder gesehen."

"Scheiße, bist das du?", fragte Peter.

Die Eltern des Mädchens erzählten, ihre Tochter werde nun schon seit über einem Jahrzehnt vermisst, sie hätten die Hoffnung aber nicht aufgegeben. Die Frau schien den Tränen nahe. Noch ein Foto: Rebecca Winter in einem hellgrünen Kleid, den Arm um eine Blondine in ihrem Alter gelegt. Einen bescheuerten Moment lang fragte ich mich, ob ich irgendwann mal so ein Kleid gehabt hatte.

Ein Familienporträt: die dreißig Jahre jünger wirkenden Eltern, zwei grinsende Brüder, in der Mitte Rebecca. Idyllisch. Fehlte nur noch der weiße Gartenzaun im Hintergrund.

"Fuck, ist das deine verschollene Zwillingsschwester oder so?"

"Hättest du wohl gern!"

Wir machten Witze über Peters abartige Zwillingsfantasien und er vergaß die Sache bald. In Peters Kopf hielt sich nie irgendwas sehr lange.

Ich versuche, mich an so viele Einzelheiten wie möglich aus der Sendung zu erinnern. Rebecca kam aus Canberra, verschwand mit fünfzehn, sechzehn Jahren. Nun kam mir mein verschrammtes und geschwollenes Gesicht doch zugute: Die kleinen Unterschiede zwischen uns waren dadurch gut maskiert. Bis das abgeheilt ist, bin ich längst über alle Berge. Ich muss nur genügend Zeit gewinnen, um es aus dem Revier zu schaffen - und weiter zum Flughafen vielleicht. Kurz drängt sich die Frage auf, was ich dann tun soll. Dad anrufen? Seit ich gegangen bin, habe ich kein Wort mit ihm gesprochen. Ein paarmal stand ich in einer Telefonzelle, hatte sogar schon seine Handynummer gewählt. Doch dann hallte mir plötzlich das abscheuliche Geräusch einer weichen Masse durch den Kopf, die mit Wucht auf Metall kracht, und ich hängte mit zitternden Händen den Hörer ein. Er will garantiert nicht mit mir sprechen.

Die Tür geht auf und die Polizistin steckt lächelnd den Kopf durch den Spalt.

"Dauert nicht mehr lange. Möchtest du vielleicht was essen?"

"Ja, gern."

Der Anflug von Scham in der Stimme. Die Art, wie sie mich ansieht, bevor sie schnell den Blick abwendet.

Sie haben's geschluckt, bis auf den letzten Krümel.

Die Polizistin bringt mir eine Portion dampfend heißer Nudeln vom Asia-Imbiss nebenan. Ölig sind die und ein bisschen schleimi

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