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Im Schatten der Heidecksburg Thüringen Krimi von Bruns, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.05.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Im Schatten der Heidecksburg

Aufruhr im beschaulichen Rudolstadt: Ein Mann ist während des Barockfestes aus dem Fenster von Schloss Heidecksburg gefallen. Oder wurde er gestoßen? Die Ermittlungen führen die Komm issare Bernsen und Kohlschuetter immer wieder zurück zur Burg - und mitten hinein in ein verworrenes Netz aus falscher Moral, Dünkel und Lügen. Julia Bruns wurde 1975 in einem kleinen Dorf mitten in Thüringen geboren. Die promovierte Politikwissenschaftlerin arbeitete viele Jahre als Redenschreiberin und in der Öffentlichkeitsarbeit. Heute schreibt sie als freie Autorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 19.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863589783
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3226 kBytes
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Im Schatten der Heidecksburg

Prolog

1882

Sie stand am Fenster. Zehn, vielleicht zwanzig Minuten schon. Die Sonnenstrahlen fielen durch die bunten Glasscheiben und färbten ihr ebenmäßiges Gesicht grün, ihr schlanker, eleganter Hals schimmerte rot. In Gedanken versunken strich sie mit den Fingern zart über das im Fenster eingelassene Wappen. Der schwarze doppelköpfige Reichsadler glänzte matt. Heute schien er ihr noch vertrauter als sonst, wie ein guter Freund, mit dem man ein Geheimnis teilt.

Sie hatte sich nach oben geschlichen, das Geländer mit beiden Händen fest umklammert, um auf der steilen Treppe den Halt nicht zu verlieren. Ihre nackten Füße hatte sie behutsam auf die Stufen aufgesetzt, dann knarrte das Holz am wenigsten, das wusste sie genau. Im Obergeschoss angekommen, war sie regungslos stehen geblieben und hatte mit angehaltenem Atem gelauscht. Nichts. Nur das wilde Rauschen der Schwarza und das Zwitschern einiger Vögel. Dann, nach einer ganzen Weile, hatte sie wieder zu atmen gewagt, nur ganz flach, denn sogar das konnte verräterisch sein. Langsam hatte ihre schmale Hand die gusseiserne Türklinke umfasst, sie mit ganzer Kraft nach unten gedrückt und die Tür zu der kleinen Wohnung vorsichtig, Millimeter für Millimeter, aufgeschoben.

Die Sehnsucht schien ihr hier oben noch unerträglicher. Kalter Zigarrenrauch mischte sich mit dem schweren, süßlichen Duft des Fliederstraußes, den Ida, die gute Seele des Hauses, heute Morgen auf den Schreibtisch gestellt hatte. Ida war die Einzige, die in die Wohnung durfte, nur für die Zeit des Herrichtens, nicht mehr. Niemand sonst, nicht einmal ihr Vater, betrat das Obergeschoss. Niemals würde er es wagen. Denn keiner im Haus wusste, wann er wieder hier sein würde. Manchmal flüsterte er ihr beim Gehen ein "In zwei Tagen" oder "Bis nächste Woche" zu. Doch sie wäre lieber gestorben, als jemandem nur ein Wort davon zu erzählen. Das war Teil ihrer Abmachung, unausgesprochen, aber allgegenwärtig. Das Risiko, ihn zu verlieren, war zu groß.

Natürlich ahnte der Vater etwas. Sein Blick verriet es ihr an jedem Morgen, der auf die viel zu kurzen Nächte folgte. Doch während all der Jahre - dreizehn, da war sie sich ganz sicher - hatte er nie ein Wort darüber verloren. Er sorgte sich um sie. Und um den Ruf der Familie. Ein fürstlicher Tiergärtner war schließlich nicht irgendwer. Die Leute würden reden, wenn auch nur der geringste Verdacht aufkäme. Doch das interessierte sie nicht, wenn sie nur bei ihm sein konnte. Sie wartete auf die eine, alles entscheidende Frage. Eine Frage, die niemals kommen würde.

Leise seufzend warf sie einen letzten zärtlichen Blick auf den Adler im Fenster. Heute würde er zurückkehren, so hoffte sie, vielleicht war er sogar schon unterwegs zu ihr. Dann nahm sie den Weg, den sie gekommen war, vorsichtig, damit sie niemand hörte.

Fürst Georg von Schwarzburg-Rudolstadt zwirbelte seinen Bart, bedeutete dem Stallmeister mit einem steifen, nur für das geübte untertänige Auge sichtbaren Kopfnicken seinen Dank und schwang sich auf "sweet heart", sein Lieblingspferd. Kurz darauf flog der Sand unter den Hufen des Tieres auf, und Pferd und Fürst galoppierten durch das Nordtor der Heidecksburg, des Fürsten Residenz hoch über dem kleinen Städtchen Rudolstadt. Der Stallmeister rieb sich die Augen, schaute Ross und Reiter noch einen kurzen Moment lang unschlüssig nach und ließ seinen Blick dann über die eindrucksvolle Fassade des Hauptwohnsitzes seiner Herrschaft gleiten. Für einen Moment glaubte er, das Antlitz Elisabeths, Fürstin zur Lippe und Georgs Schwester, an einem der oberen Fenster des Südflügels gesehen zu haben. Doch er wagte nicht, sich zu vergewissern, sondern kehrte um und ging in den Marstall zurück.

Fürst Georg machte unterdessen einen kurzen Abstecher in den Hain und bog dann in die westliche Neustadt ein, um gemächlichen Schrittes durch die Augustenstraße zu reiten und s

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