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In der Tiefe der Nacht Roman von Ellroy, James (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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In der Tiefe der Nacht

"Ellroy ist der wohl wahnsinnigste unter den lebenden Dichtern und Triebtätern der amerikanischen Literatur." Süddeutsche Zeitung Lloyd Hopkins, der Sergeant mit den ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden, stößt bei seinen Untersuchungen in einem rätselhaften Mordfall auf den Mediziner Dr. John Havilland. Dieser ist nicht nur ein genialer Arzt, sondern auch ein brutaler Mörder ... James Ellroy, Jahrgang 1948, begann seine Schriftstellerkarriere 1979 mit Browns Grabgesang . Mit Die Schwarze Dahlie gelang ihm der internationale Durchbruch. Unter anderem wurde Ellroy fünfmal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, zahlreiche Bücher wurden verfilmt, darunter L.A. Confidential .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 25.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843718455
    Verlag: Ullstein
    Originaltitel: Bacause the Night
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In der Tiefe der Nacht

3

Der Mann im gelben Toyota bog von der Topanga Canyon Road ab und fuhr auf dem Pacific Coast Highway nach Norden; an den Ampeln trödelte er herum, damit er pünktlich mit der Dämmerung am Strandhaus des Doctors einträfe. Wie immer verschaffte ihm das schwindende Tageslicht Erleichterung, das Gefühl, einen weiteren Spießrutenlauf siegreich hinter sich gebracht zu haben. Mit der Dunkelheit kam der Lohn dafür, dass er der unentbehrliche rechte Arm des Doctors war, der einzige Mensch außer dem Night Tripper, der wusste, in welchem Maße seine lonelies angezapft, geleert, gemolken, ausgebeutet werden konnten.

Der Frühling war ein süßer Feind, dachte er. Qualvoll lange Perioden des Sonnenscheins waren zu überwinden, Durststrecken, die das Hereinbrechen der Nacht umso befriedigender werden ließen. An diesem Morgen war er schon bei Sonnenaufgang aufgestanden und hatte sich acht Stunden lang ans Telefon gehängt, um die Namen aus den Freierlisten, die der Doctor von seinen Hurenpatientinnen hatte, auf ihren Kredit zu überprüfen. Ein ausgefüllter Tag, und hoffentlich lag ein ebenso ausgefüllter Abend vor ihm: seine erste Gruppensitzung, seit er drei Leute zum Totentanz geführt hatte, und später vielleicht noch ein Trip durch die Single-Bars der South Bay, um neue reiche lonelies aufzutreiben.

Das Timing des Mannes war perfekt: Er verließ den Pacific Coast Highway und fuhr die Zufahrtsstraße hinunter, als die Einleitungsmusik des Doctors über den Parkplatz wehte. Sechs Autos - sechs lonelies: ein volles Haus. Er würde sich jetzt beeilen müssen, in den Lautsprecherraum zu kommen, ehe der Night Tripper ungeduldig wurde.

Der Mann betrat das Haus; er ignorierte das Barockquartett, dessen Musik über die Zentrallautsprecher ertönte. Er begab sich in einen kleinen, rechteckigen Raum, der mit schallschluckenden Platten ausgekleidet war. Darin stand ein Hauptaufnahmepult mit sechs Lautsprechern - einem für jedes der Schlafzimmer im Obergeschoss, mit Mikrofonanschlüssen für jeden Kanal und sechs Kopfhörern und einem enormen Tapedeck mit Zwölf-Zoll-Spulen, mit dem man die Aktivitäten in allen Schlafzimmern auf einen einzigen Knopfdruck hin aufzeichnen konnte.

Er machte sich an die Arbeit; zuerst schaltete er den Verstärker ein, dann schob er die Lautstärkeregler für alle sechs Boxen gleichzeitig hoch. Eine Kakofonie von Gesängen bohrte sich in seine Ohren, und er zog die Regler herunter. Die lonelies waren noch dabei, ihre Mantras zu brüllen, und brachten sich damit allmählich in den tranceähnlichen Zustand, der notwendig war, damit der Doctor mit seiner Beratung beginnen könnte. Der Mann zog Notizbuch und Stift hervor, machte es sich vor dem Aufnahmepult in einem Ledersessel bequem und wartete darauf, dass die roten Lampen am Verstärker zu blinken anfingen und ihm so das Zeichen gaben, zuzuhören, aufzuzeichnen und seine Bewertung als Dr. John Havillands leitender Mitarbeiter abzugeben.

Seit zwei Jahren arbeitete er in dieser Position; zwei Jahre verbrachte er jetzt damit, Los Angeles auf der Jagd nach menschlicher Beute zu durchstreifen. Der Doctor hatte ihn gelehrt, seine eigenen zwanghaften Triebe zu beherrschen, und zum Ausgleich für diesen Dienst war er zu dem Werkzeug geworden, das Havillands eigene Obsession verwirklichen half.

Der Doctor hatte ihm erklärt, eine "Bewusstseins-Implosion" sei an die Stelle der "Bewusstseins-Explosion" der sechziger Jahre getreten und habe dazu geführt, dass eine große Zahl von Menschen sowohl dem amerikanischen Evangelium von Heim, Herd und Vaterland als auch den Offenbarungen der Gegenkultur aus den Sechzigern den Rücken kehrten. Drei ausbeutbare Fakten waren geblieben: eines, das der naiven präsechziger Psyche entstammte, zwei, die zur angeödeten postsechziger Psyche gehörten - Gott, Sex und Drogen. Bei den richtigen Leuten würden die Variationsmöglichkeiten zu diesen drei Th

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