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Jagdtrieb Kriminalroman von Esch, Hendrik (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Jagdtrieb

Der junge Anwalt Paul Colossa aus München erbt nach dem überraschenden Selbstmord seines Onkels dessen Kanzlei in Neustadt in der bayerischen Provinz - und damit eine Menge kurioser Fälle. Wie den der hübschen Maja, Tochter des zwielichtigen russischen Unternehmers Victor Rivinius. Maja wird von ihrem Ex-Geliebten gestalkt, und Colossa soll vor Gericht ein Kontaktverbot erwirken. Dabei erliegt Colossa prompt selbst den Reizen der jungen Frau. Blind vor Liebe verstößt er gegen alle Regeln - und übersieht, wie sehr Maja in die dubiosen Machenschaften ihres Vaters verstrickt ist. Unversehens befindet er sich mitten in einer höchstgefährlichen Jagd ... Hendrik Esch wurde 1975 in München geboren. Er arbeitet als Opferanwalt und Strafverteidiger, schlägt sich aber auch mit Auffahrunfällen, Mietnomaden und Maschendrahtzäunen herum. Kein menschlicher Abgrund ist ihm fremd, die Hoffnung lässt er trotzdem immer erst am Schluss sterben. "Jagdtrieb" ist sein erster Roman und der Beginn einer Serie um den bayerischen Rechtsanwalt Paul Colossa.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 21.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227968
    Verlag: Goldmann
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Jagdtrieb

Pauls Telefon klingelte. Das Display zeigte die Nummer "441" an. Er wusste inzwischen, dass das die Nummer des Vorzimmers war, warum auch immer.

"Hallo Paul, Frau Rivinius ist da." Seit dem Wetterumschwung strahlte auch Fräulein Christiane, was die Stimmung in der Kanzlei deutlich aufhellte.

"Frau Rivinius? In meinem Kalender steht gar kein Termin für heute Vormittag mit ..."

"Sie braucht keinen Termin. Sie ist die Tochter von Victor Rivinius."

"Wer ist das?"

"Ein sehr spezieller Mandant. Du wirst ihn noch kennenlernen. Schau sie dir einfach an. Sie wird dir gefallen."

Im nächsten Augenblick öffnete sich schon die Tür, und Fräulein Christiane schob eine junge Frau herein.

"So, das ist Herr Rechtsanwalt Colossa. Wenn der Ihnen nicht helfen kann, kann es vermutlich keiner." Sie zwinkerte Paul vergnügt zu und trat einen Schritt zurück.

Respekt! Fräulein Christiane hatte nicht zu viel versprochen. Die junge Dame gefiel Paul auf Anhieb. Und wie! Sie war um die zwanzig. Ihre dunkelblonden Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie hatte ein ernstes, strenges Gesicht mit vollen Lippen und großen braunen Augen. Über ihren engen Jeans trug sie einen schwarzen Rollkragenpullover, eine rostrote Lederjacke, dazu weiße Stoffturnschuhe. Paul grinste sie lange an. Dann rettete er sich, viel zu spät, in ein verbindliches "Bitte nehmen Sie doch Platz" und deutete auf den Besucherstuhl.

"Ich hab Frau Rivinius schon gefragt, sie mag nichts trinken."

Fräulein Christiane schmunzelte in sich hinein und entfernte sich diskret.

Die junge Frau saß Paul direkt gegenüber. Ihm wurde heiß an den Wangenknochen. Sie war ohne jeden Zweifel eine Kategorie-eins-Mandantin. Mit Sternchen! Er wollte sie sofort in die Wohnung mitnehmen. Und zu Hause besuchen. Er nahm sich vor, den Status dieser Mandantin schnellstmöglich upzugraden.

Der Fall Sandra war ohnehin abgeschlossen. Beim Gedanken an sie schielte Paul dennoch mit einem irrationalen Anflug von schlechtem Gewissen auf sein gerade neu erworbenes Ersatzhandy. Dummerweise hatte er Sandra als eine der Ersten damit angerufen. Warum eigentlich? Und sie hatte die neue Nummer natürlich sofort gespeichert. Er machte es aus.

"Rivinius, das ist ein sehr schöner Familienname. Darf ich fragen, woher der Name stammt?" Erst jetzt bemerkte Paul, dass die junge Frau nicht allein war. Neben ihr stand, ganz leise, sehr unauffällig, ein weißes Knäuel. Genau genommen ein Hund. Ein Tier! Hier in seinem Büro? Was für eine absonderliche Idee, ein Tier mit in eine Rechtsanwaltskanzlei zu bringen.

Sie lächelte. Sie war eine Offenbarung!

"Das ist Tolstoi." Sie blickte liebevoll das weiße wuschelige Wesen zu ihren Füßen an. "Ist noch ein Welpe."

"Leo Tolstoi?" Paul sah ebenfalls zu dem Hund hinunter. "Es ehrt mich sehr, Sie kennenzulernen. Ihr Roman Krieg und Frieden hat mich ungeheuer beeindruckt. Ich hatte Sie mir ganz anders vorgestellt ... irgendwie ... größer!"

Die junge Frau lachte. "Nein. Einfach nur Tolstoi. Er kann noch nicht schreiben." Das Eis war gebrochen.

"Meine Familie stammt aus Kaliningrad. Ich habe gesehen, dass auf Ihrer Zimmertür das alte Wappen der Stadt ist. Kennen Sie Kaliningrad?"

Königsberg. Paul war nie dort gewesen. Aber natürlich kannte er es. Onkel Oscar war dort 1940 geboren worden. Mit seiner Mutter war er bei nahendem Kriegsende mit einem der großen Flüchtlingstrecks Hals über Kopf, nur mit ein paar wenigen Habseligkeiten, vor der herannahenden Roten Armee geflohen. Sie hatten alles zurückgelassen und waren nach einer abenteuerlichen Odyssee in München gelandet. Eine dieser immer gleichen Geschichten der Völkerwanderung im Krieg. Oscars Vater, Robert Colossa, war hingegen in Russland geblieben, irgendwo im Permafrostboden vermutlich. Totgeschossen. Rostiges Loch im Stahlhelm. Oder vielleicht von einer Granate zer

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