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Kains Opfer Roman von Bodenheimer, Alfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.07.2014
  • Verlag: Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag
eBook (ePUB)
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Kains Opfer

Als ein Mitglied seiner Gemeinde ermordet wird, ist Rabbi Klein bestürzt. Dann bittet ihn Kommissarin Bänziger von der Stadtpolizei Zürich um Übersetzung einiger hebräischer E-Mails des Toten. Da ahnt sie noch nicht, dass es mit Rabbi Klein nicht ganz einfach wird. Denn der macht sich Sorgen um seine Juden in der Gemeinde, und als er die Rede zur Trauerfeier vorbereitet und über den Brudermord Kains und die Prüfung Hiobs nachdenkt, beginnt er zu ahnen, dass er wichtigen Hinweisen zum Verbrechen auf der Spur ist. Heimlich beginnt der sympathisch unperfekte Rabbi zu ermitteln - ein unbeirrter Wahrheitssucher, dessen Mut den Leser unweigerlich mitfiebern lässt. Alfred Bodenheimer, geboren 1965 in Basel, erhielt eine traditionelle jüdische Ausbildung und betrieb Talmudstudien in Israel und den USA. In Basel studierte er Germanistik und Geschichte und promovierte 1993 mit einer Arbeit über die Emigration von Else Lasker-Schüler nach Palästina. Nach Forschungs- und Lehrtätigkeiten in Israel und an der Universität Luzern und einer Habilitation an der Universität Genf kam er 2003 als Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte an die Universität Basel zurück. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, darunter Studien über Moses und den Ewigen Juden, jüdische Narrative und Traditionsvermittlung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 28.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783312006397
    Verlag: Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag
    Serie: Rabbi Klein Bd.1
    Größe: 3588 kBytes
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Kains Opfer

2

"Rabbiner? Das ist doch kein Beruf für einen anständigen jüdischen Jungen." Mit diesem Urteil seines Vaters im Ohr war Klein aufgewachsen. Auch als er nach der Matur für ein Jahr die Jeschiwa in Israel besucht und einmal erwogen hatte, seine Talmudstudien fortzusetzen, ein Rabbinerdiplom zu erlangen und eine Laufbahn als Rabbiner in Deutschland oder in der Schweiz anzustreben, hatte er die Idee bald verworfen. Ein Grund war, dass er nicht jeden Morgen von Amtes wegen schon um sechs Uhr aufstehen wollte, um pünktlich beim Morgengebet zu sein. Außerdem wollte er seine Privatsphäre wahren. Wenn er Rabbiner wäre, würden jeder Schritt und jedes Wort von den Mitgliedern und dem Vorstand der Gemeinde beobachtet und kommentiert.

Deshalb war er am Ende an die Universität gegangen und hatte Geschichte studiert.

Auch Rivka hatte immer abgewinkt, wenn er erzählte, dass ihn das Rabbineramt eigentlich interessiert hätte. Als Rebbezen sah sie sich nicht. Sie war in der kleinen jüdischen Gemeinde von Bern aufgewachsen, sie hatten sich an einem der legendären jährlichen Fußballturniere der Schweizer Juden kennengelernt. Sie spielte im gegnerischen Team, und er hatte ihr einen Schuss ins Gesicht platziert. Er hatte sich danach um sie gekümmert - ihr Nasenbein war zum Glück nicht gebrochen, und aus der ersten, schmerzvollen Begegnung wurde rasch eine Liebesgeschichte. Rivka hatte die Beziehung zwar auch einmal für eine Weile beendet; sie hatte sich noch für andere Jungen interessiert. Damals hatte Klein um Claudette Weiss geworben - rückblickend war es wohl eher eine Pflichtübung. Das schönste jüdische Mädchen von Zürich durfte man nicht unbeachtet lassen, wenn man schon wider Willen frei war. Doch am Ende hatte nichts an Rivka vorbeigeführt. Auch wenn er, anders als chassidische Juden, den Begriff des "Beschertseins", der himmlischen Bestimmung eines Mannes und einer Frau füreinander, belächelte - besonders angesichts dessen, was er als Rabbiner so mitbekam - , in seinem und Rivkas Fall traf er zu.

Klein hatte sich schon mit seiner Diplomarbeit auf die jüdische Geschichte der Frühen Neuzeit spezialisiert, eine schöne (keine überragende) Doktorarbeit geschrieben und schließlich eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer kleinen Universität gefunden, zu der er von Zürich aus bequem pendeln konnte.

Doch diese Stelle hatte sich als Sackgasse erwiesen, in jeder Hinsicht. Zum einen hatte er sich verleiten lassen, statt eine Habilitation zu schreiben eine Edition unveröffentlichter Regesten zu übernehmen. Das Projekt war zweifellos sehr renommiert, und er erhoffte sich davon einige Beachtung in der Fachwelt. Doch es wurde ihm bald klar, dass die akribische Arbeit an Editionen nichts für ihn war. In wachsendem Rückstand zum vorgesehenen Zeitplan saß er zwischen seinen Dokumentkopien und langweilte sich zu Tode, zerfressen vom Gefühl, dabei seine Zeit zu vergeuden, während die ersten gleichaltrigen Forscher auf Professuren berufen wurden.

Hinzu kam, dass der Ort seines Wirkens ihm zunehmend zuwider war. Die Erkenntnis ließ sich nicht länger verdrängen, dass in dem katholisch inspirierten Institut, für das er arbeitete und das sich dem christlich-jüdischen Dialog verschrieben hatte, immer ein Christ der Chef und ein Jude der untergeordnete Mitarbeiter sein würde. Er hatte, als ihm das klar wurde, um einen Termin beim Rektor der Universität gebeten und ihm erklärt, dass das nicht zeitgemäß sei, dass ein Dialog nicht von oben nach unten geführt werden könne. Der Rektor hatte freundlich, aber unverbindlich reagiert, die Institutschefin hingegen hatte Klein am folge

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