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Kalte Strömung Alex Devlin 2 - Roman von Riley, Mary-Jane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Kalte Strömung

Die 17-jährige Elena, Tochter der prominenten Politikerin Cat Devonshire, wird in Norfolk tot am Fuß einer Klippe aufgefunden - Selbstmord laut Polizei. Cat plagen Gewissensbisse, da sie und ihr neuer Ehemann Elena in ein Internat abgeschoben hatten, um ihr junges Eheglück ungestört genießen zu können. Verzweifelt bittet sie die Journalistin Alex, die Hintergründe zu Elenas Tod herauszufinden. Bei ihren Recherchen stößt Alex jedoch auf großes Misstrauen, die Mitarbeiter und Schüler feinden sie an und bedrohen sie. Bald wird klar, dass sich hinter der Fassade des Elite-Internats tiefe Abgründe verbergen ...

Mary-Jane Riley hat viele Jahre als Journalistin und Talkmasterin beim BBC gearbeitet und sich in dieser Zeit immer wieder mit spektakulären Verbrechensfällen befasst, bevor sie ihren ersten Roman "All die bösen Dinge" verfasste. Mary-Jane Riley ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Suffolk.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 18.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222864
    Verlag: Goldmann
    Serie: Alex Devlin .2
    Originaltitel: After She Fell
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Kalte Strömung

1

MAI

Trotz der Hitze draußen war das einzige Fenster im Raum fest geschlossen. Alex Devlins Schwester saß auf einem Stuhl und starrte hinaus in den Garten, wo andere Patienten rauchend herumstanden oder auf Bänken Platz genommen hatten. Eine Frau redete lebhaft auf eine Pflegerin ein, die nickte und in die Ferne schaute. Der Garten sah um diese Jahreszeit bezaubernd aus. Der üppige Rasen war leuchtend grün, die Rosen begannen zu blühen, und die Birken entfalteten ihre Blätter. Alex kam es beinahe vor, als könne sie den süßen Duft des Geißblatts riechen, das sich an einem Ende des Gartens durch den Bambus rankte, und sie wäre liebend gerne nach draußen geflüchtet.

"Sash? Wollen wir vielleicht in den Garten gehen? Es ist ein wunderschöner Tag."

Seit fünfzehn Minuten war Alex hier, und ihre Schwester hatte bislang noch kein einziges Wort gesprochen. Alex unterdrückte ein Seufzen. Munter zu plaudern, wenn keinerlei Reaktion kam, war schwierig. Und es gab nicht das geringste Anzeichen dafür, dass Sasha die Worte ihrer Schwester überhaupt wahrnahm.

Alex sah sich um. Trotz der Umstände konnte man das Zimmer durchaus als behaglich bezeichnen. Es war in Pastelltönen eingerichtet, auf dem Bett lag Sashas Patchworkdecke. An den Wänden hingen zwei Bilder, allerdings ohne Glas im Rahmen: eine Szene mit Strandhütten und Möwen und ein kleines Foto von Sashas Zwillingen im Sonnenschein und mit einem Eis in der Hand. Die Regale waren angefüllt mit Sashas Lieblingsbüchern, von Enid Blyton bis Kate Atkinson. Brauchte Sasha irgendetwas? Die Seife, die Alex beim letzten Besuch mitgebracht hatte, war noch nicht einmal ausgepackt. Alex unternahm einen weiteren Versuch.

"Liebes, es ist wunderschön draußen und für Ende Mai richtig warm. Weißt du noch, wie sehr du den Sommer immer geliebt hast?"

"Harry und Millie haben den Sommer geliebt." Eine Träne rann über Sashas Wange.

Alex' Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt. Endlich Worte, aber so voller Schmerz. Sie wollte ihre Schwester umarmen, aber Sasha schob sie weg und knurrte: "Geh jetzt."

Doch Alex wollte noch nicht aufgeben. "Bitte, Sasha, lass uns ein Weilchen rausgehen. Ein bisschen spazieren gehen. Die Sonne im Gesicht spüren. Uns daran freuen, dass wir zusammen sind, für ein paar Minuten zumindest."

"Freuen?" Sasha rührte sich nicht, und ihre Stimme klang gedämpft. "Ich kann mich nicht mehr freuen, Alex, das weißt du doch. Ich habe alles verloren. Harry. Millie. Jez. Mir ist nichts geblieben." Ein Schluchzen erschütterte ihren Körper. "Bitte geh", flüsterte sie.

"Du hast dich doch schon genug bestraft, Sasha", erwiderte Alex beschwörend. "Lass uns rausgehen. Bitte. Nur dieses eine Mal."

Stille. Sasha starrte reglos zum Fenster hinaus. Alex wusste, dass es heute sinnlos war. Sie beugte sich zu ihrer Schwester hinunter und küsste ihre kalte Wange. "Alles Gute, Sash. Ich komm dich so bald wie möglich wieder besuchen."

Keine Reaktion.

Leise zog Alex die Tür hinter sich zu und lehnte sich dagegen. War dieser Besuch besser verlaufen als der letzte? Zumindest hatte Sasha gesprochen. Bislang hatte sie meist nur geschwiegen, da konnten ein paar bittere Worte bereits als Fortschritt betrachtet werden. Aber der Schmerz in Sashas Augen war kaum auszuhalten. Alex konnte sich nicht vorstellen, was sich in ihrem Kopf abspielte. Wie es sich anfühlte, seine eigenen Kinder getötet zu haben. Sie dachte an ihren Sohn, der jetzt achtzehn war. Er hatte die letzten Jahre beachtlich gut durchgestanden, und sie war stolz auf ihn. An ein Leben ohne ihn mochte sie gar nicht denken.

"Ah, hallo, Alex. Ich wollte gerne mit Ihnen sprechen, bevor Sie aufbrechen." Heather McNulty, die Stationsschwester, kam den Flur entlanggeeilt. Sie war etwas älter als Alex, wirkte sehr gepflegt und trug immer eine heitere Miene zur Schau, obwohl sie den ganzen Tag von teilnahmslosen oder zutiefst verstörten Pat

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