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Kalter Kaffee Roman von Kämmerer, Harry (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Kalter Kaffee

Sergio Baroli hat ein Enthüllungsbuch über die Mafia geschrieben und lebt in ständiger Bedrohung. Im Münchner Circus Krone nimmt der Bestsellerautor den Bayerischen Verdienstorden entgegen. Es kommt zu Tumult und Schießereien. Kriminalkommissar Hummel dient dem Italiener unversehens als Bodyguard. Es folgt ein Katz-und-Maus-Spiel voller Finten, Überraschungen und wilder Action. Aber ist der Autor vielleicht gar nicht der große Aufklärer? Geht es nur um den schnöden Mammon? Ist der vermeintliche Löwe Baroli letztlich nur ein käuflicher Papiertiger?

Harry Kämmerer, geboren 1967, aufgewachsen in Passau, lebt mit seiner Familie in München-Haidhausen. Verlagsredakteur mit Herz für Musik, Literatur und Kabarett. Verfasser einer Dissertation zum Thema "Satire im 18. Jahrhundert" und der kultigen Krimis Isartod, Die Schöne Münchnerin, Heiligenblut, Pressing sowie Harte Hunde und Absturz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641215101
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher .27146
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Kalter Kaffee

SUPERFLY

Hummel öffnete langsam die Augen. Verklebte Lider. Alles schwarz. Kein bisschen Licht. Wo war er? Kopf dröhnte. Mund Wüste Gobi. Sein rechtes Knie schmerzte. Er stand auf, tastete sich voran. Massive Holztür. Verschlossen. Unter ihr strömte glasige Kälte herein. Verdammt, wo war er? Er ging in die Hocke, sah unter der Tür nach draußen. Nichts. Schwarz. Kalt. Wind. Die Geräusche - war er auf einem Berg? Hummel schrie. Während er das tat, wusste er, dass es nichts nützte. Hier hörte ihn keiner. Dreck!

Was war passiert? Er erinnerte sich an das Hotel. Sie hatten gerade den Stick aus dem Safe geholt und waren wieder aus dem Zimmer raus, da standen im Gang die zwei Typen vor ihnen. Baroli schubste ihn und rannte. Er hinterher. Treppenhaus, dann Feuertür, Feuerleiter. Kein Blick zurück. Rüber zum Parkhaus. Sie sprangen in einen Geländewagen, rasten die Parkhausrampe runter und auf die Straße raus. Vollgas. Salzburger Autobahn. Dann Filmriss.

Was war passiert? Hatten die Typen sie doch noch erwischt? Wo war Baroli? Hummels Gaumen brannte. Er musste was trinken. Und vor allem: Er musste was sehen. Wo war er hier? Er rüttelte an der Tür. Massiv, keine Chance. Licht, er brauchte Licht. Er tastete die Wand der Hütte ab. Fand ein Fenster. Öffnete es. Kein Licht. Die Läden aus Metall waren mit einem Vorhängeschloss gesichert. Er tastete sich weiter durch die Hütte, hoffte Streichhölzer zu finden, eine Kerze. Nichts. Er räumte ein paar Tassen von einem Brett. Hummel setzte sich aufs Bett. Ihm war kalt, er zitterte, legte sich die Decke um die Schultern, rieb sich das schmerzende Knie. Was sollte das? Was ging hier ab? Jetzt konnte er sich tatsächlich mal wie ein Darsteller in einem Actionstreifen fühlen, so der harte, aber smarte Typ à la Superfly. Passte das? Nein, so gar nicht. Von wegen cool. Das Gegenteil war der Fall. Ihm stiegen die Tränen in die Augen. Er rollte sich in die Decke ein.

FRÖHLICH

Mader drehte noch eine Runde. Halb eins. Mit Bajazzo abends rausgehen - immer so eine Sache. Da erlebte Mader die Stadt zu Uhrzeiten, wo er nicht mehr unbedingt unterwegs sein wollte. Menschenleere Orte. Wie hier im Ostpark. Mader dachte an den Gully hier im Park, wo sie dank Bajazzos feiner Schnauze einmal eine Frauenleiche gefunden hatten. Ganz in der Nähe. Die Frau hatte nur einen Block von ihm entfernt gewohnt. Ein Model. Ihre Wohnung war sündhaft teuer eingerichtet gewesen. Völlig unpassend für die Gegend. Wobei Mader keine Ahnung hatte, wie all die Leute hier wirklich lebten. Außen und innen mussten nicht korrespondieren. Obwohl - vielleicht doch. Das Gefühl von Einsamkeit und Anonymität, das er so oft empfand, prägte auch seine karge Wohnung. Bajazzo war das beziehungsweise der Fröhlichste bei ihm zu Hause. Aber das wäre er auch, wenn sein Herrchen mehr Wert auf Gemütlichkeit legen würde. Trotzdem - wie war das jetzt? Färbte dieses Hochhausviertel auf ihn ab, oder hatte er sich genau die passende Gegend zu seiner Gemütsverfassung, zu seinem Selbstverständnis ausgesucht? Der Edelaltbau in Neuhausen mit Leonore hatte jedenfalls nicht zu ihm gepasst. Das hatte sich unecht angefühlt.

Mader sah zu den Betonsilos hinüber. Zahlreiche Fenster waren noch beleuchtet oder zumindest vom blauen Flimmern der Fernseher erhellt. So viele Wohnungen, so viele Lebensentwürfe. Manche Bewohner hinter den Glasscheiben waren einsam, andere hatten Partner, die sie liebten oder nicht, hatten Familien, Haustiere. Jetzt fiel ihm Catherine Deneuve ein. Catherine - Patronin seiner Einsamkeit. An sie hatte er in letzter Zeit kaum noch gedacht. Doch, kurz, als er Helene das erste Mal gesehen hatte. Aber nur einen Moment lang. War seine Liebe zu Catherine Deneuve erkaltet? Nein, wahrlich nicht. Wie Catherine wohl lebte? Sicher nicht in einem Wohnblock, sondern in einer weitläufigen 7-Zimmer-Altbauwohnung in Montmartre oder in Versailles oder in einer glamourösen alten Villa am St

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