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Kaltes Land Kriminalroman - Ein Steiger-Krimi 3 - von Horst, Norbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Kaltes Land

Er hat Macht, er hat Geld, doch seine Identität kennt niemand. Aus dem Dunkel zieht er die Fäden und handelt mit allem, was viel Geld bringt: Drogen, Waffen und Menschen. Sein Glück: Mit dem Flüchtlingsstrom kommen viele Verzweifelte nach Deutschland und müssen abtauchen. Unter ihnen findet er die willfährigen Handlanger für seine Geschäfte. Als einer von ihnen an einem verschluckten Päckchen Kokain stirbt, ermittelt Kommissar Steiger. Steiger, der sich mit seinen Chefs anlegt, der aber Gerechtigkeit will um jeden Preis, auch für die, die offiziell gar nicht existieren. Er wird nicht aufgeben, bis er ihn gefunden hat - den Mann im Hintergrund. Norbert Horst ist im Hauptberuf Kriminalhauptkommissar und hat in zahlreichen Mordkommissionen ermittelt. Der Autor ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Kriminalromane wurden mit dem Friedrich Glauser Preis und dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und standen wochenlang auf der KrimiBestenliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 18.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641205010
    Verlag: Goldmann
    Serie: Kommissar Steiger B.3
    Größe: 2147 kBytes
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Kaltes Land

1

August 2010

Er erwachte von dem Geräusch.

Ein paar Augenblicke klang es noch in ihm nach, dann verlor es die Lebendigkeit, die ihm der Traum gegeben hatte, und glitt in die Erinnerung. Aus der konnte er es jetzt wieder hervorholen, konnte sich vorstellen, wie es sich anhörte, wenn ein Geschoss auf einen Körper trifft, aber dann kam dieses kleine, dünn klingende Klopfen aus der Vergangenheit. Im Traum war es Gegenwart gewesen, nah und da und unmittelbar, so wie jetzt das leise Rascheln der Zeltplane und der Klang der irakischen Wüste dahinter. Wobei es ein Unterschied war, ob das Geschoss den Körper dort traf, wo Kleidung es dumpfer, fast milder machte, sodass es noch unbedeutender schien und ihm auch diese kleine, helle Schärfe genommen wurde, wenn es direkt auf die Haut traf, wie auf das Gesicht seines Vaters, als er an einem sonnigen Nachmittag mit ihm durch die Straßen Richtung Minutkaplatz gegangen war. Er hatte das Geräusch gehört, noch bevor er in der großen, warmen Hand das kurze Beben spürte. Sein Vater war gestürzt, ohne ein Wort, einen Laut von sich zu geben, und hatte dagelegen mit diesem Trichter im Hinterkopf, aus dem Knochensplitter ragten und aus dem Blut und eine rote Masse flossen.

Später, in den Jahren des Kampfes im zweiten Krieg, war dieser Anblick alltäglich gewesen, die geschundenen Körper, die zerschossenen Gesichter, die herrenlosen Glieder. Aber an dem Tag war dieses Bild so bizarr und fremd gewesen, dass ein Dreizehnjähriger es ebenso wenig begreifen konnte wie jenes ein paar Wochen zuvor, als er seinen Vater in der Ruine suchte, in deren Keller er und seine Kämpfer für eine gewisse Zeit ihren Posten eingerichtet hatten. Die Wachen kannten ihn, machten freundliche Scherze und tätschelten ihm im Vorbeigehen den Kopf. Einer der beiden russischen Soldaten hatte schon im Kellergang gelegen, sein Gesicht war eine rote, schmutzige, verkrustete Fläche gewesen, und seine Finger waren unnatürlich verdreht. Den Schuss hatte er gehört in dem Augenblick, als er die Tür zu dem Raum öffnete, aus dem der Lichtschein kam. Sein Vater hatte mit der Pistole in der Hand neben dem Mann gestanden, der gefesselt und vornübergebeugt auf dem Stuhl saß. Sein Kopf hing so weit herunter, dass eine Haarsträhne die Knie berührte, und über dem Ohr war dieselbe Wunde gewesen. Sein Vater hatte ihn lange angesehen, sich schließlich vor ihn hingekniet und ihn umarmt. Es ist furchtbar, hatte er gesagt, ich weiß, doch manchmal muss man furchtbare Dinge tun. Und wenn eine Sache gerecht ist, sind es auch die Dinge, die wir dafür tun. Unsere Sache ist gerecht, vergiss das nie. Du bist sehr klug, mein Junge, du wirst es verstehen. Und jetzt geh!

Nicht den Tag, auch nicht den Monat hätte er nennen können, wann es angefangen hatte, dass sich diese Bilder vor dem Schlaf in sein Bewusstsein zwängten und er dann davon träumte, erst hin und wieder, dann immer öfter, und mittlerweile bestanden all seine Nächte schon lange aus diesen Träumen und all seine Träume aus diesen Bildern. Er sah das tote Gesicht seines Vaters, die abgerissenen Hände und Arme, er roch den süßlichen Duft, der im heißen tschetschenischen Sommer bald durch die Mauern der zerbombten Häuser geweht hatte. Aber aus seinen Träumen gestoßen wurde er immer von diesem Geräusch, das so belanglos war, wenn der Schuss von weit her kam und man ihn nicht hörte, das man, hätte man es für sich allein in einer Hotellobby oder auf der Straße gehört, wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen hätte, weil es so klein und grau war. Aber wenn man seinen Ursprung kannte, seine Bedeutung, überhörte man es auch in einem Inferno nicht.

Erst ganz leise, dann immer deutlicher drängte sich in dieses Gemisch aus Vorstellung und Realität das Surren und Heulen eines Motors, das lauter wurde und schließlich in direkter Nähe des Zelts stoppte. Türen schlugen, er hörte Stimmen, die aufgebracht arabische Worte sprachen, und sein Ara

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