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kaltgestellt von Krüger, Michael (eBook)

  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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kaltgestellt

Der auf die Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität spezialisierte Schweizer Richter Urs Conradt wird den politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes gefährlich. Wegen vermeintlichen Amtsmissbrauches wird er suspendiert. Seiner Möglichkeiten der Strafverfolgung beraubt, entschließt er sich, im Verborgenen weiter zu arbeiten. Durch Zufall erfährt Conradt von der Steuerbetrugsaffäre um den Hamburger Architekten Jacob Verheyen. Unterstützt von CHIP, einem ehemals von Urs Conradt verurteilten Hacker, versucht er, den steuerflüchtigen Architekten zu überwachen und dessen Flucht und das Verschwinden des unversteuerten Vermögens in Panama zu verhindern. Aber sie sind nicht die Einzigen, die den Architekten jagen. Sowohl ein Schweizer Pharmakonzern als auch Verheyens panamaische Geschäftspartner zögern nicht, ihre Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen. Ein riskanter Wettlauf beginnt. Michael Krüger wuchs in Deutschland und Namibia auf, studierte in Berlin Wirtschaftswissenschaften und spezialisierte sich auf Internationales Marketing von Investitionsgütern. Ende der 90-er Jahre wechselte er in den Bereich Wirtschaftsförderung und gründete 2002 sein eigenes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsförderung für deutsche und internationale Kunden. Michael Krüger ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. Kaltgestellt ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740700904
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 861 kBytes
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kaltgestellt

Kapitel 2

"Kaltgestellt."

Seit dem Gespräch im Großen Rat des Kanton Zürich in der vorvergangenen Woche beherrschte dieses eine Wort das Leben von Oberrichter Urs Conradt. Es dominierte sein gesamtes Fühlen, Denken und Handeln. Er lebte mit diesem Wort, er erwachte morgens mit ihm, er träumte es, er konnte es schmecken und riechen, sehen, fühlen und hören. Es war kalt, emotionslos und allgegenwärtig.

"Kaltgestellt", bestätigte Maike Kaldenhoff lapidar, wenn auch nicht ohne Mitgefühl, am Telefon, als er ihr von dem Gespräch erzählte. Als ob er das nicht schon verstanden hätte! Dr. Maike Kaldenhoff, Staatsanwältin am Oberlandesgericht Hamburg, war eine der wenigen Personen seines Vertrauens, die die ganze Tragweite dieses Vorganges erfassen konnten. Unglauben schwang in ihrer Stimme mit und Unglauben beherrschte die ersten Tage nach der Freistellung. Doch inzwischen war aus dem Unglauben schiere Gewissheit geworden.

"... haben wir uns entschieden, Sie mit sofortiger Wirkung ... und in Anbetracht Ihrer ohne jeden Zweifel enormen Verdienste ... natürlich bei vollen Bezügen ... freizustellen."

Es war nicht so, dass er das Risiko nicht gekannt hätte. Sie hatten irgendwann reagieren müssen. Aber als es kam, traf es ihn doch unerwartet. Freigestellt! Ab sofort!

Das System steht über allem. Das System gebiert seine eigene Führung und diese wird alles daransetzen, das System, das sie nährt, am Leben zu erhalten. Es ist ein sozialwirtschaftliches Perpetuum Mobile. Führen kann nur, wer das System fördert. Das System infrage zu stellen heißt, das System zu gefährden. Das System ändern zu wollen, heißt, das Gleichgewicht zu stören, und Störungen sind zu beseitigen.

Urs Conradt war eine Störung. Die Art, wie er sein Richteramt ausübte, seine unnachgiebige Ahndung gesellschaftlichen Fehlverhaltens, seine Kompromisslosigkeit, ja, sein Unwille, "politische" Lösungen zu finden oder ihnen zuzustimmen, war eine Störung. Es ging ihm gar nicht um die Abschaffung oder Zerstörung des Systems, sondern um die Beseitigung systemischer Störungen. Diese waren in seinen Augen die eigentliche Gefahr für das von ihm grundsätzlich geschätzte Wertesystem Schweiz mit all seinen für Außenstehende vielleicht skurril wirkenden Besonderheiten. Systemische Störungen waren in seinen Augen die zunehmende Verfilzung von Staat und Wirtschaft, die Korruption, die geheimen Absprachen bei öffentlichen Ausschreibungen, die Besetzung öffentlicher Ämter als Gefälligkeit und für Gefälligkeiten, die stetige Durchsetzung der politischen und wirtschaftlichen Führung des Landes mit Profiteuren dieses Filzes. Die Schweiz ist mit ihren etwa acht Millionen Einwohnern ein vergleichsweise kleines Land. Die Führungsschicht rekrutiert sich aus einer kleinen Clique. Man kennt sich. Aus dem Lyceum, dem Studium, der Militärzeit, familiärer Verbundenheit. Da weiß man, auf wen man sich verlassen kann.

Das Anprangern solcher Missstände gilt als Verrat am System an sich.

Er verstand, dass "freigestellt" der ziemlich durchsichtige Versuch war, seine Kooperation für die Zukunft sicherzustellen.

Es war nicht so, dass er die nun unfreiwillig gewonnene Zeit nicht sinnvoll nutzen konnte und zu nutzen bereit war. Mit Mitte fünfzig fühlte er sich auf dem Höhepunkt seines beruflichen Schaffens. Er würde sein Leben nicht dem Golfspiel oder einem allgemeinen Müßiggang widmen. Ganz im Gegenteil. Aber seine Veröffentlichungen, die Kommentare und Kolumnen in der New York Times , Le Monde , in der FAZ oder der Nihon Keizai Shimbun , die Vorträge und Beratungsleistungen für diverse Think Tanks hatten doch längst nicht die direkte, die unmittelbare Wirkung auf unrechtmäßiges Handeln wie sein Richteramt. Allenfalls eine mittelbare, wobei sich auch diese vermutlich auf die Befriedigung eines vagen allgemeinen gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Gerechtigkeit beschränkte.

Er fühlte sich sein

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