text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Keine Angst Köln Kurz-Krimis von Schätzing, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.12.2011
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
8,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Keine Angst

Der kleine Ganove, der kölsche Italiener, die eitle Galeristin - in den Kurz-Krimis 'Keine Angst' von Frank Schätzing stehen Typen und Charaktere im Mittelpunkt des Geschehens. Um sie ranken sich die abstrusen, makabren, aber auch komischen Geschichten aus der Schattenwelt. Frank Schätzing, 1957 in Köln geboren. Studium der Kommunikationswissenschaften, Creative Director in internationalen Agentur-Networks. Mitbegründer der Kölner Werbeagentur INTEVI, deren kreativer Geschäftsführer er ist. Anfang der 90er Jahre begann Frank Schätzing, Novellen und Satiren zu schreiben. 1995 erschien sein erstes Buch, der Mittelalterroman 'Tod und Teufel', der vom Start weg ein Bestseller wurde. Auch seine Nachfolge-Werke überzeugten die Kritiker. Für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er den 'KölnLiteraturpreis 2002'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 12.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863580513
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2668 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Keine Angst

Keine Angst

Leer, die Straße. Mitternachtswind.

Andy zieht den Kragen seiner Fliegerjacke hoch und drückt sich tiefer in den Hauseingang. Der Schatten umgibt ihn wie eine zweite Haut. Er wartet.

Die Tierhandlung auf der anderen Seite ist immer noch hell erleuchtet. Die gab's schon, als Andy noch ein Knirps war, eben groß genug, um mit der Nase den unteren Rand des Schaufensters zu verschmieren. Hamster, Streifenhörnchen, Schildkröten, und Andys sehnsuchtsvolle Augen. In Ermangelung spendierfreudiger Eltern hatte er sich damit begnügt, den Krabblern Namen zu geben, insbesondere den Streifenhörnchen. Die konnte er am Fell auseinanderhalten, was bei den Mäusen und Hamstern schon schwieriger war, von den Schildkröten ganz zu schweigen. Die Hörnchen hatte er wirklich geliebt. Wann immer eins verkauft war, heulte er Rotz und Wasser, bekam eine geknallt und wurde weitergezerrt. Jedes Mal dasselbe Theater. Gingen seine Eltern vorsorglich auf der anderen Straßenseite, plärrte er noch lauter, der kleine, arme Andy, und wieder flog die große klatschende Hand heran. Immer und immer wieder, bis er endlich still war.

Andy schnaubt verächtlich. Das war früher. Nicht gut, so viele Erinnerungen. Jetzt ist jetzt.

Drüben im Laden klappt der Zoohändler ein großes Buch zu. Dann kontrolliert er die Käfige. Aus einem nimmt er was raus, ein kleines Tier, könnte ein Hamster sein oder ein Hörnchen. Es wuselt in seiner Handfläche, und er krault ihm den Nacken. So genau kann Andy das nicht erkennen von der anderen Straßenseite. Einen Moment lang fragt er sich, ob wohl alles anders geworden wäre, wenn seine Eltern ihm so ein Tierchen geschenkt hätten, an dem man seine Liebe auslassen kann.

Aber das Thema ist durch. Andy will keine Tierchen mehr. Heute Nacht will Andy was ganz anderes.

"Bambi, du bist eben eine Dame", sagt Flint zu dem Tier in seiner Handfläche. Seine Finger streicheln den braunen Pelz mit den schwarzen Streifen. "Eine richtige Dame bist du."

Bambis kleine Krallen pieksen ihn ein bisschen. Mittlerweile ist das Tier so zutraulich, dass er es schon mehrfach mit nach Hause genommen hat. Ohne Käfig, einfach so. In die Hand genommen, die andere schützend drüber. Bambi hat sich reingekuschelt in die warme Muschel und ist brav sitzen geblieben, bis sie in der Wohnung waren.

Während Bambi vor Behagen die Glieder streckt, geht Flint noch einmal die Käfige ab. Mehrere Streifenhörnchen geben zu verstehen, sie seien nicht satt geworden. Flint grinst und schneidet ihnen Grimassen. Er ist so müde, dass es beim Gähnen gefährlich knackt. Buchführung ist öde. Darum erledigt er den Zahlenkram immer nach Geschäftsschluss im Laden. Das Gepiepe und Geschnattere ringsum hält ihn wach. Alles seine Freunde. Seine Familie.

Besonders Bambi.

Ob Bambi intelligent ist? Wahrscheinlich sentimentaler Quatsch. Der Durchschnitts-IQ seiner Ware hält sich in kümmerlichen Grenzen. Aber manchmal denkt er schon, dass hinter Bambis schwarzen Augen mehr steckt als der beschränkte Verstand eines Hamsters oder Kaninchens. Ist halt schwer zu sagen. Im Grunde auch nicht wichtig. Trotzdem. Auf ein Prachtexemplar wie Bambi will Flint stolz sein, und dazu gehört eben auch der Glaube an ein bisschen Grips.

Grün beleuchtet von den Aquarien machen Flint und Bambi ihre letzte Runde. Lauter kleine heile Welten. Flint gähnt wie ein Scheunentor. Bambi tapst seinen Ärmel hoch und lässt sich widerwillig zurück in die Handfläche schieben.

"Willst wohl noch Mäuse fangen, was?" Flint lacht. "Nichts da. Wir gehen nach Hause."

Nacheinander löscht er die Lichter, tritt aus dem Laden in die kühle Dezemberluft, schließt ab und legt schützend seine Hand über das Fell. Alles in Ordnung.

Zu spät bemerkt er, dass überhaupt nichts in Ordnung ist.

Andy ist mit einem Satz über die Straße. Der Mann hat das Vieh mit raus genommen. Gut so! Da kann er sich nicht wehren, wenn er nicht riskieren w

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen