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Kill Thriller von Stevens, Shane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Kill

Inspiriert von realen Fällen zeigt "Kill" im fesselnden, halb dokumentarischen Stil den (fiktiven) Serienmörder Thomas Bishop in seiner Entstehung, in seinen Taten, aber auch in seinem Alltagsleben, und beleuchtet die Auswirkungen, die seine grausamen Morde auf die Gesellschaft und ihre Moral haben. "Kill" von Shane Stevens gilt als der erste Roman, der einen Serienmörder in den Mittelpunkt stellt, und ist damit das Vorbild für Thomas Harris und seine Hannibal Lecter-Romane. Shane Stevens (1941-2007) galt mit seinen Thrillern in Amerika lange als Geheimtipp. Als Stephen King seinen Roman "Stark" Shane Stevens widmete, wurde ein größeres Publikum auf Stevens aufmerksam. "Kill" gilt als erster Serienkiller-Roman, der zugleich die True-Crime-Literatur vorwegnahm, und wird heute von der Literaturkritik als Klassiker gewürdigt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 14.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641207373
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: By Reason of Insanity
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Kill

2

Thomas Bishop schaltete das Radio neben seinem Bett ab, klopfte das Kopfkissen zurecht und rutschte etwas höher hinauf. Sein Blick wanderte über die anderen Betten in seiner Nähe und musterte die stummen Gestalten, die im Schlaf zusammengekauert unter den Laken und blauen Decken lagen. Dann machte er die Augen zu, um seiner Umgebung für eine Weile zu entfliehen.

"Chessman." Er wiederholte das Wort und sprach es ein drittes Mal aus. Wieder und immer wieder flüsterte er dieses eine Wort, allmählich immer lauter, bis es beinahe explosiv über seine Lippen kam. Er machte ein Auge auf, sah sich misstrauisch um, machte das Auge wieder zu. Dann öffnete er den Mund. Mit der Zunge befeuchtete er die trockenen Lippen, bevor er sie fest zusammenpresste. Plötzlich riss er beide Hände hoch und drückte sie auf die Ohren. Mit gesenktem Kopf formte er eine Art Litanei aus diesem einen Wort, und während er es nun stumm in rhythmischer Monotonie wiederholte, raste sein Geist merkwürdige verschlungene Abwege hinab.

Bishop hatte blondes Haar. Es war im Lauf der Jahre immer heller geworden. Er war von mittlerer Größe und durchschnittlichem Gewicht. Man konnte ihn gut aussehend nennen. Er hatte ein gewinnendes Lächeln, freundliches Benehmen, eine angenehme Lache, und wenn ihm danach zumute war, dies alles einzusetzen, wirkte er wie ein leicht verwöhnter junger Mann, wie ihn moderne Mütter für ihre Töchter suchten - und Werbefachleute für ihre Produkte. Dass er auch gemein, eiskalt berechnend und bedrohlich sein konnte, das ahnten die Menschen nicht.

Während des jahrelangen Anstaltsaufenthaltes war er zu ständiger Selbstbeobachtung gezwungen gewesen. Durch unablässiges Experimentieren hatte er schließlich herausgefunden, welche Haltungen und Posen er einnehmen, welche Miene und welchen Tonfall er einsetzen musste, um bei den Menschen eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Seine Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe kamen ihm bei diesen Experimenten zugute. Schließlich war der Zeitpunkt erreicht, wo er glaubte, alles gelernt zu haben, was er zum Überleben brauchte. Aber er übte ständig weiter und hielt stets wachsam Ausschau nach irgendwelchen neuen Regeln, die er noch nicht verstand und die ihm womöglich Bestrafungen einbringen würden. Alles, was ihm Vorteile brachte, eignete er sich an, was ihm Nachteile einbrachte, ließ er sofort wieder fallen. Er lernte auf diese Weise die Gesten der Freundlichkeit, der Unschuld, der Aufrichtigkeit, wie er sie bei seinen Wärtern und bei anderen Patienten beobachtet hatte, vor allem aber im Fernsehen. Fernsehen war seine große Leidenschaft, ja fast eine Obsession.

Doch jede Sonnenseite hatte auch eine Schattenseite. Er besaß keine Spontaneität, er hatte kein Gespür für Stimmungen. Seine Gefühlsäußerungen waren rein äußerlich. Er konnte lächeln, während er innerlich vor Wut schäumte. Er konnte lachen, obwohl er starke Schmerzen hatte. Er musste ständig vor anderen auf der Flucht sein. Kurzum, er war ein menschlicher Roboter, der auf die Emotionen anderer Leute reagierte wie ein Automat, aber niemals aus seinen eigenen Empfindungen heraus handeln konnte. Die Wahrheit war - er hatte überhaupt keine Gefühle und empfand nichts. Mit Ausnahme von Hass. Sein Hass kannte keine Grenzen, er schloss alles und jeden ein. Am meisten aber hasste er die Anstalt.

Während der ersten vier Jahre hatte Bishop kaum Anzeichen von Intelligenz erkennen lassen. Als Zehnjähriger hatte er sich verhalten wie ein Kleinkind, er hatte nicht gesprochen, nur geschrien und grundlos geweint. Vier Jahre später hatte dann eine subtile Veränderung eingesetzt. Bishop nahm seine Umgebung wahr, wurde empfänglich für Anregungen von außen. Nach einem weiteren Jahr war Bishop genauso normal wie irgendein anderer Fünfzehnjähriger, wenn es darum ging, Befehle auszuführen und für sich selbst zu sorgen.

Ärzte und Therapeuten reagierten begeistert. Der junge Mann hatte die geisti

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