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Kleine Aster Dallingers erster Fall von Lange, Moritz Wulf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Kleine Aster

Berlin, Chausseestraße: Draußen regnet es seit Stunden. Im Zimmer riecht es muffig, der rostige Heizkörper gluckert, die Kaffeemaschine röchelt. Privatdetektiv Michael Dallinger tippt wieder mal einen Bericht über eine untreue Ehefrau, als er von seinem Onkel, dem alten Pastor Broock, einen Auftrag erhält: Ein entfernter Bekannter Broocks, der Friedhofswärter Richard Molinski, wird von einem Stalker verfolgt. Michael beginnt halbherzig mit den Ermittlungen. Einen Tag später ist der Friedhofswärter tot, sein Leichnam verstümmelt. Auf der Suche nach dem Mörder stößt Michael auf eine Verbindung zwischen der Vergangenheit seines Onkels und der des Opfers. Die Spur führt über ein Kinderheim in den fünfziger Jahren zurück in die letzten Kriegsjahre. Es ist nur ein Schluss möglich: Broock muss Molinskis Mörder kennen. Aber warum schweigt er?

Moritz Wulf Lange, 1971 in Hamburg geboren, schrieb u. a. sieben Hörspieldrehbücher zu den Wallander-Krimis von Henning Mankell. Seine Hörspielserie "Edgar Allan Poe" wurde 2006 für den Deutschen Hörbuch-Preis nominiert. 2009 erschien "Kleine Aster. Dallingers erster Fall". Moritz Wulf Lange lebt in Berlin und bei Bremervörde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492982917
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 836 kBytes
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Kleine Aster

3.

Michael ließ einen Teelöffel Zucker in seine Tasse rieseln und goss Kaffee nach. Sein Magen knurrte, aber er wollte jetzt noch keine Mittagspause machen. Der Geruch des Kaffees stieg ihm in die Nase; für einen Moment wurde ihm flau im Magen. Er öffnete die Tür zum Klo und schüttete die Tasse ins Waschbecken aus. Wenn er nicht aufpasste, würde er in ein paar Jahren seinen Magen ruiniert haben. Während er ein Glas Leitungswasser trank, sah er Inas Foto an, das in einem kleinen Rahmen auf dem Schreibtisch stand. Sie hatten sich seit vier Wochen nicht gesehen. Ina wohnte in Gräpel, einem kleinen Dorf an der Oste in Niedersachsen, und arbeitete in Stade als Krankenschwester. Sie war keine große Briefschreiberin; gelegentliche Telefonate, E-Mails und zwischendurch ein paar SMS mussten reichen, um ihre Beziehung aufrechtzuerhalten. In den letzten Jahren hatte er Telefonsex schätzen gelernt.

Die Kaffeemaschine gab leise, merkwürdige Geräusche von sich. Er würde sie wahrscheinlich bald ersetzen müssen.

Er wühlte im Altpapierkarton, bis er schließlich die Postwurfsendung eines Supermarktes fand. Gerade war eine Kaffeemaschine im Angebot. Er riss die Anzeige heraus und steckte sie in seine Hemdtasche, bevor er sich wieder seinem Bericht zuwandte. Dieser Balkaya. Michael schüttelte den Kopf. So wie es aussah, ging seine Frau heimlich zu einer Psychotherapeutin - und er witterte Ehebruch. Die Zeilen reihten sich am Bildschirm untereinander. Bald würde er wieder eine Rechnung stellen können.

Das Telefon klingelte.

"Detektivbüro Dallinger, guten Tag."

"Hi Michael." Im Hintergrund lief leiser Kuschelrock.

"Ina!"

Michael tippte den Satz zu Ende.

"Was machst 'n da?" Ihre Stimme klang gereizt.

"Ich hab den Satz noch zu Ende getippt."

"Na, dann brauche ich ja nicht anzurufen, wenn du nicht mal in Ruhe mit mir telefonieren kannst."

"Bin ja schon fertig!"

So war das immer in letzter Zeit. Jedes Gespräch führte innerhalb von Sekunden zum Streit. Dabei lebten sie schon jahrelang in einer Fernbeziehung. Vielleicht gerade deswegen: Weil der Alltag miteinander fehlte, sollte jeder gemeinsam verbrachte Tag etwas Besonderes sein.

"Wann kommst du?", wollte sie wissen. "Schaffst du's schon Donnerstag?"

Er hatte es bisher vermieden, über das Wochenende nachzudenken. In Gedanken kalkulierte er kurz die Strecke. Vier Stunden Autobahn, mindestens, dann eine Stunde Landstraße. Außerhalb des Berufsverkehrs, wohlgemerkt. Was hielt Ina bloß in Stade? Er hatte nie eine befriedigende Antwort gefunden. Nicht mal nach Hamburg wollte sie ziehen. Da gäbe es wenigstens eine gute Zugverbindung.

"Ich weiß noch nicht genau", sagte er.

"Wie jetzt?"

"Ich sitze gerade an einem Bericht. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen." Er zögerte. "Aber Freitag komme ich auf jeden Fall hier los. Also, spätestens. Ich könnte dann abends da sein."

"Erst abends?" Sie klang enttäuscht.

"Ich versuch's, so früh ich kann."

Schweigen am anderen Ende der Leitung.

"Hast du auch noch was anderes im Kopf als Arbeit?", maulte Ina schließlich. "Mich zum Beispiel?"

Sie hatten dieses sinnlose Gespräch schon oft geführt. Michael seufzte hörbar. "Du weißt doch, dass ich dich liebe", sagte er müde.

"Und was ist sonst so?" Inas Stimme klang jetzt etwas netter.

Michael war verwirrt. "Nichts. Ich arbeite. Mehr ist nicht."

"Hat sich Siri mal wieder gemeldet?" Die Frage war wie nebenbei gestellt, aber Michael hörte sehr wohl den feinen Unterton. Siri war eine ehemalige Kommilitonin an der Musikhochschule, eine Bratschenspielerin. Und sie war eine Exfreundin.

"Nein", sagte er kühl. "Sie hat mir eine Einladung geschickt. Zu einem Konzert. Aber ich hab keine Zeit."

Sie schwiegen sich ein paar Sekunden, begleitet von Kuschelrock, an.

"Ich hab extra mit einer Kollegin getauscht und den

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