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Lassiter - Folge 2365 Der Tod fährt mit nach Sacramento von Slade, Jack (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.11.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Lassiter - Folge 2365

Die Postkutsche rollte tiefer ins Grasland hinein. Der Missouri und sein Uferwald blieben zurück, die Fassaden von Saint Joseph verschwammen bereits mit Viehkoppeln und Hügeln. Frank saß seinem Vater gegenüber am Fenster. Er blickte hinaus. Je deutlicher die Landschaft den Charakter der Prärie annahm, desto mehr beflügelte ihn ein Gefühl von Freiheit und Glück. Unter blauem Herbsthimmel schaukelte die rote Concord nach Südwesten. Ihre Räder knarrten, die Fahrgastkabine schwankte. Draußen auf dem Kutschbock scherzten der Kutscher und der Conductor. Und Franks Vater tuschelte mit der jungen blonden Frau neben ihm. Sie war hübsch - kein Wunder, dass sein alter Herr bestens gelaunt war. Nichts, aber auch gar nichts sprach dafür, dass der Tod längst auf der Lauer lag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 14.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732554256
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 947 kBytes
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Lassiter - Folge 2365

Frank Perkinsons Blick streifte wieder seinen Vater und die Blonde. Sie trug ein elegantes moosgrünes Kleid und hielt eine Handtasche aus Krokodilleder auf ihrem Schoß fest.

Gestern Abend im Saloon hatte Dad mit ihr getanzt. Ob sie danach mit auf sein Zimmer gegangen war? Gut möglich. Er war Witwer, ein paar Jahre schon. Die weiblichen Reize der Blonden waren auch Frank nicht verborgen geblieben, doch Dad war schneller gewesen.

Die beiden Waffenhändler neben ihr und Dad plauderten über ihre guten Geschäfte, die sie in Saint Joseph gemacht hatten. Sie wollten nach Fort Bridger. Außer ihnen saß noch ein älteres Ehepaar aus Saint Joseph mit in der Kutsche.

Voller Dankbarkeit betrachtete Frank seinen Vater. Keinen einzigen Stein hatte der ihm in den Weg gelegt, nachdem Frank ihm im Sommer eröffnet hatte, dass er gehen wollte. Eine ganze Nacht lang hatte er seinem Vater erklärt, warum er weder die Plantagen am Mississippi noch das große Anwesen in Baton Rouge übernehmen werde.

"Im Westen will ich ein neues Leben anfangen, Dad", hatte er seinem alten Herrn eröffnet. "Allein." Sein Vater hatte keine Luftsprünge vollführt, weiß Gott nicht, doch er hatte ihm auch keine Vorhaltungen gemacht.

Dankbar dachte Frank an seine Schwester Marylou. Sie hatte ihn in seinen Plänen unterstützt und dem Vater versichert, dass sie die Heimat niemals aufgeben würde. Schon seit sie neunzehn war, half sie Dad bei der Verwaltung des Gutshofes und der Plantagen.

Frank blickte wieder zum Fenster hinaus. Immer seltener sah man inzwischen Koppeln mit Vieh oder die Gebäude einer Ranch vorbeigleiten. Die Kutsche drang tiefer und tiefer in die endlose Ebene zwischen Missouri, Mississippi und den Rocky Mountains ein. Gut so.

In Saint Joseph hatten sie die notwendigen Bankgeschäfte erledigt, damit sein Vater ihm sein Erbe auszahlen konnte. Wells, Fargo & Company hatten den Kutscher und den Conductor als die besten Männer empfohlen, die für das Unternehmen arbeiteten. Die beiden würden sie nun nach Sacramento bringen. Tief sog Frank den Duft des Grases ein. Den Duft der Freiheit.

Schon als sie vor ein paar Tagen an Bord der Natchez gegangen waren, hatte ihn die Freude auf den bevorstehenden Neuanfang gepackt. Und danach, während der Fahrt den Mississippi hinauf bis nach Saint Louis, nicht mehr losgelassen. Wie hatte er die Reise genossen: die herbstlichen Uferwälder, die Hausboote, Fähren und Fischerkähne voller winkender Menschen und die Schwärme der Wildgänse, die dem Schaufelraddampfer entgegen gerauscht waren.

Ein wenig bange war ihm schon wegen des weiten Weges durch die Prärie, über die Rocky Mountains und über Salt Lake City bis nach Sacramento. Frank hoffte, noch vor dem Wintereinbruch anzukommen.

Die ältere Lady aus Saint Joseph hüstelte. "Machen Sie um Gottes willen endlich Ihre Zigarre aus, Sir!", rief sie.

"Ich blase den Rauch doch zum Fenster hinaus, Ma'am", erklärte Vater Perkinson in der ihm eigenen Freundlichkeit.

"Ich vertrage keinen Zigarrenrauch!" Ein Hustenanfall schüttelte die Lady, und nun bat auch ihr Gatte Franks Vater darum, die Zigarre auszumachen. Mit wehmütiger Miene drückte Perkinson senior seine glühende Tabakrolle an der Innenwand aus.

Frank lächelte. Nie war er seinem Vater so nahe gewesen wie in den vergangenen Wochen. Er rechnete es ihm hoch an, dass er trotz seines Alters die lange Reise nach Sacramento auf sich nahm, um ihn zu begleiten und zu beraten. Frank wollte Grundstücke und eine Orangenplantage von dem Geld kaufen, das sein Vater ihm ausbezahlt hatte. Er selbst war unerfahren in finanziellen Dingen.

Etwas krachte außerhalb der Kutsche. Ein Stein unter dem Kutschenboden? Donner? Frank blinzelte hinaus. War denn ein Gewitter aufgezogen? Plötzlich pfiff eine Kugel dicht an ihm vorbei. Schnell zog er den Kopf wieder ein. Die Kutsche nahm Fahrt auf, dennoch donnerte Hufschlag heran, Kuge

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